Neue OP-Methode:Hoffnung für Krebspatienten: Der Roboter für die Bauchspeicheldrüse

Lesezeit: 3 min

Neue OP-Methode: Neuer Kollege OP-Roboter: Chefarzt Axel Kleespies mit dem "Da Vinci Xi".

Neuer Kollege OP-Roboter: Chefarzt Axel Kleespies mit dem "Da Vinci Xi".

(Foto: Niels P. Jørgensen/Niels P. Jørgensen)

Bauchspeicheldrüsenkrebs endet oft tödlich, die Operation ist heikel. Nun wird ein Robotersystem erprobt, das Patienten schonen und Ärzten helfen soll: "Da Vinci Xi" hat vier Arme und besondere Fähigkeiten.

Von Stephan Handel

Die Bauchspeicheldrüse sieht aus wie eine fehlgewachsene Zucchini, und wenn sie krank ist, dann wird's schwierig. Denn die Drüse hilft bei der Verdauung und produziert das Insulin, das den Zuckerhaushalt steuert. Sind diese Funktionen gestört, dann trifft das den Körper ganz direkt - Diabetes, schwere Störungen des Stoffwechsels sind die Folge. Zu allem Überfluss macht sie es dem Arzt, der sie behandeln möchte, ausgesprochen schwer: Sie ist von außen nicht tastbar, sie liegt versteckt hinter Leber, Magen und Darm, zudem gefährlich nahe an den beiden großen Bauch-Blutgefäßen. Sie verweigert sich sogar der Ultraschall-Untersuchung: Der vor ihr liegende Darm ist zumeist mit Gasen gefüllt, und durch Luft lässt sich nicht ultraschallen.

Kein Wunder also, das Axel Kleespies sagt: "Bauchspeicheldrüsenkrebs hat meistens eine sehr schlechte Prognose." Kleespies ist Chefarzt für Allgemein-, Viszeral-, Thorax- und Onkologische Chirurgie sowie Leiter des Cancer Center in den Helios-Kliniken Dachau und Perlach. In beiden Krankenhäusern wird derzeit eine Operation mithilfe des Roboters "Da Vinci Xi" erprobt, das nach eigenen Angaben "modernste und am besten ausgestattete Robotersystem seiner Art in ganz Oberbayern".

Um zu verstehen, wie groß die Hilfe des Roboters ist, muss Kleespies erst einmal erklären, worin die Schwierigkeiten liegen: Vor Erfindung der minimalinvasiven Chirurgie war ein ausgesprochen großer Schnitt in die Bauchdecke erforderlich. Denn der Darm hat die unangenehme Eigenschaft, im Bauch beweglich zu sein und immer wieder in seine alte Position zurückzuflutschen. So musste die Operationswunde so groß sein, dass sechs Hände hineinpassten: die des Operateurs und vier weitere, um ihm das Arbeitsfeld freizuhalten.

Das wurde mit der Erfindung der Laparoskopie besser: Nun genügten drei kleine Einschnitte, um zwei Katheter mit Instrumenten und einen mit einer Kamera einzuführen. Allerdings waren die ersten Systeme nicht sehr komfortabel: Die Scheren und Zangen waren starr an den Enden der Katheter befestigt; sie konnten nicht gedreht oder geschwenkt werden. Kleespies sagt: "Das ist wie operieren mit eingegipstem Arm."

Wenn er dann auf seinen Roboter zu sprechen kommt, gerät der Arzt ins Schwärmen. Da Vinci verfügt über vier Arme, die vom Operateur an einer Konsole mittels zweier Joysticks und zweier Fußpedale gesteuert werden. Zudem ist der Roboter fix mit dem OP-Tisch verbunden. So können die Ärzte, je nachdem, welchen Teil der Bauchspeicheldrüse sie erreichen wollen, den Tisch nach vorne oder nach hinten kippen, sodass der Darm schon mal etwas aus dem Weg rutscht. Zusätzlich wird der Bauch mit Luft aufgepumpt, damit überhaupt Platz zum Arbeiten bleibt.

"Das ist, als würde man direkt im Bauch des Patienten sitzen."

Außerdem wurde die optische Ausstattung verbessert: Der Arzt blickt nicht mehr auf einen Monitor, sondern auf eine dreidimensionale Darstellung direkt vor seinen Augen, eine Art Virtual Reality. "Das ist, als würde man nicht mehr von außen in den Patienten hineinschauen, sondern direkt im Bauch des Patienten sitzen und ihn dort operieren", sagt Kleespies.

Für die Patienten hat die Roboter-OP einen messbaren Vorteil: "Die Laparoskopie hat die Verweildauer in der Klinik nach der OP schon um zweieinhalb Tage verkürzt. Nun ist sie noch einmal zwei Tage kürzer", sagt Kleespies. Allerdings sei die Methode nicht für jeden Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs geeignet - wichtigstes Kriterium sei, dass der Tumor noch nicht gestreut habe, dass also noch keine Metastasen in anderen Organen aufgetreten seien.

Das ist allerdings nur bei etwa 20 Prozent der Patienten der Fall - was mit einer anderen unangenehmen Eigenschaft der Bauchspeicheldrüse zusammenhängt: Sie leidet stumm. Ist sie krank, so sind die Symptome unspezifisch. Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Völlegefühl - dahinter können eine Vielzahl an Erkrankungen stecken, der untersuchende Arzt denkt nicht als erstes an den Pankreas, wie die Drüse auf Lateinisch heißt. Die kommt oftmals erst ins Spiel, wenn der Patient eine Gelbsucht entwickelt: Die Drüse teilt sich mit der Gallenblase einen Zugang zum Darm, wenn nun etwa durch einen Tumor dieser Zugang abgedrückt wird, dann verursacht das aufgestaute Gallensekret, dass der Patient gelb wird. Dann allerdings ist der Krebs meistens schon so weit fortgeschritten, dass bereits andere Organe befallen sind.

So ist es auch schwer zu sagen, ob eine Operation den Patienten geheilt hat - von den 25 Prozent, die überhaupt für die Methode infrage kommen, sind nach fünf Jahren nur mehr 20 bis 25 Prozent am Leben. Große Hoffnung setzt Axel Kleespies deshalb in die Gensequenzierung, die in Dachau bei jedem Tumorpatienten angewendet wird. Dabei wird bestimmt, welche Art von Genmutation die Krebszellen durchlaufen haben. "Dadurch finden wir etwa heraus, dass eine Mutation vorliegt, zum Beispiel eine, die wir vom Brustkrebs kennen - und können eine Chemo- oder Immuntherapie dagegen einsetzen, an die wir gar nicht gedacht hatten." Bis das aber flächendeckend erfolgversprechend ist, wird noch einige Zeit vergehen - bis dahin hilft Da Vinci Xi.

Zur SZ-Startseite

SZ PlusForschung
:Eine Frau greift nach den Sternen

Als Kind wollte Paola Breda Astronautin werden, heute forscht sie an umweltfreundlichen Raketenantrieben. Für ihre Promotion an der Universität der Bundeswehr ist sie jetzt ausgezeichnet worden.

Lesen Sie mehr zum Thema