Primo Bar: Eine Bar wie ein Wohnzimmer

Als ihr Wohnzimmer. So würden viele die Primo Bar bezeichnen, sagt Betreiber Manu Wolff. Und man versteht schnell warum: Sessel oder Sofas gibt es hier zwar nicht, die Cocktailbar, die im Januar in der Reichenbachstraße geöffnet hat, vermittelt trotzdem eine gewisse Gemütlichkeit. Die minimalistisch-rustikale Einrichtung mit Fliesenboden, Wandbögen und dunklem Holz ist in warmes Licht getaucht und hat so etwas von einer Taverne gepaart mit einem gewissen Retro-Flair.
Die Primo Bar solle ein Ort zum Wohlfühlen sein, sagt Wolff. Eine entspannte Atmosphäre, entspannte Leute, gute Drinks – mehr braucht es ganz offensichtlich nicht. Welche Musik hier spielt, kommt immer auf den Barkeeper an, der gerade die Spotify-Playlist steuert. Von Reggae über Hip-Hop bis hin zu Soul und Disco ist alles möglich.
Es ist eine Cocktailbar „unserem Stil nach“, sagt Wolff: „Weil wir wir sind, haben wir den Laden so gemacht, wie er ist.“ Er meint damit sich und seinen Kollegen Marian Myslik, den er seit mehr als zehn Jahren kennt. Myslik hat ihn damals in der Gastronomie eingelernt – jetzt führen sie die Primo Bar gemeinsam. „Es ist alles DIY im Laden“, erzählt Wolff, sprich selbst gemacht. Das Konzept für die Einrichtung haben die beiden mit Menschen aus ihrem Umfeld entwickelt und selbst umgesetzt. Die Tische stehen auf alten Tischbeinen aus der Wedding Chapel in der Thalkirchnerstraße, das vergangenes Jahr schließen musste.


Der beste Drink laut Wolff, und auch der beliebteste: der Peach Basil. Eine Abwandlung vom klassischen Basil Smash, mit Pfirsichsirup und -limonade. Die Karte ist gezielt kurz gehalten. Zehn Signaturcocktails haben Wolff und Myslik zusammengestellt. Darunter etwa ein Aperol Margarita, einen Agave Old Fashioned und einige Klassiker, wie Espresso Martini und Mojito. Die Cocktails kosten zwischen 11,50 und 13,50 Euro. Für einen Gin Tonic zahlt man 11 Euro und für den Primo Spritz, eine Spritz-Version mit Roséwein und Cassis, 7,50 Euro. Für den ganz kleinen Hunger gibt es für 4,50 Euro Kettlechips mit schwarzem Pfeffer und leckere grüne Oliven. Dazu kommt ein Tagesangebot.
Wer sich nach einem Drink sehnt, der nicht auf der Karte steht – zum Beispiel einem guten alten Long Island Iced Tea – dem erfüllen die Barkeeper diesen Wunsch gerne, sofern sie die Zutaten da haben. Wer auf dem Sprung ist, kann die Getränke auch zum Mitnehmen bestellen. Jetzt im Sommer bietet die Bar außerdem Isar-Buckets an: eine Weinschorle mit einem Eimerchen Eiswürfel, die man mit ans Wasser nehmen kann. Das klingt herrlich unkompliziert, eben so wie die Primo Bar. Lisa Torjuul
Primo Bar, Reichenbachstraße 33, Montag bis Donnerstag 18 bis 1 Uhr, Freitag 17 bis 2 Uhr, Samstag 13 bis 2 Uhr, primobar0.wordpress.com
Otto 25: Sundowner über den Dächern der Stadt

Es ist beinahe kitschig anzusehen, wie die glutrote Abendsonne genau hinter den Türmen der Frauenkirche Stück für Stück verschwindet und mit ihren letzten Strahlen die blaue Stunde einläutet. Als hätte ein Fotograf den Feuerball für den perfekten Postkartenblick exakt dort platziert. Und das Beste: Von der Dachterrasse der Bar Otto 25 im Werksviertel aus kann man an lauen Sommerabenden eben jenen Ausblick zusammen mit einem kühlen Getränk genießen.
Die nach eigenen Angaben höchste Bar Münchens liegt im 25. Stock des Gebäudes „Werk4“ und ist über den Aufzug der Lobby des Adina-Hotels zu erreichen. In knapp 90 Metern Höhe hat man einen Rundumblick von den Alpen über die Innenstadt und das Olympia-Gelände bis hin zur Fröttmaninger Arena im Norden. Das macht die Rooftop-Bar besonders an Wochenendabenden attraktiv für internationale Hotelgäste sowie Münchnerinnen und Münchner, die ihr Social-Media-Profil aufhübschen wollen.
Wer sich nicht am Gedränge um die Bistrotische und Stehplätze mit freier Sicht stört, wird hier auch aufgrund der Drinks einen guten Abend haben. Für den Betrieb auf der Dachterrasse gibt es eigens eine Außenbar, die nicht nur dünne Nullachtfünfzehn-Drinks mischt, wie sie an solchen Orten gerne mal verkauft werden. Der „Otto 25“ (12,90 Euro) etwa ist ein fruchtig-herber Spritz aus Gin, Himbeere, Limette, Vanille und Prosecco. Den Rosmarin-Zweig, mit dem der Drink garniert wird, flämmt der Barkeeper für ein dezentes Raucharoma kurz an.


Regulär hat die Dachterrasse bis 18.30 Uhr geöffnet, an schönen Tagen kann es aber auch bis 22 Uhr gehen. Danach kann man über Treppen hinab in die eigentliche Bar im 25. Stock umziehen. An den Lounge-Tischen entlang der verglasten Wände genießt man einen ebenso spektakulären Ausblick wie von der Dachterrasse. Der plüschige Schriftzug an den Scheiben ist aus der Wolle der Schafe gefertigt, die nebenan auf dem Dach des „Werk3“ grasen. Nimmt man am langen Bartresen mit dem Rücken zum Fenster Platz, hat man das Barteam sowie den Klavierspieler im Blick. Dieses Ambiente verleitet dazu, nach dem Sundowner hier eher einen trockenen „Martini Verde“ (15,50 Euro) von der Signature-Karte zu bestellen.
Für diese Martini-Variation werden Wodka und Wermut um Basilikum und Olive Bitter ergänzt und mit einer fleischigen grünen Olive garniert. Auf Anfrage reicht der Barkeeper auch Knabbereien zum Drink. Neben den Signature-Cocktails, die von chili-scharf und mezcal-rauchig bis hin zu karamell-süß eine Bandbreite an Geschmäckern abdecken, gibt es auch eine Auswahl an klassischen sowie alkoholfreien Cocktails. Selten ist in einer Cocktailbar das Bier ein Highlight auf der Karte. Im Otto 25 macht man aber auch mit einem frisch gezapften, naturtrüben Bio-Kellerbier von Werksviertel Bräu, das im „Werk 3“ wenige Meter entfernt gebraut wird, alles richtig. Sarah Maderer
Otto 25, Atelierstraße 22, Mittwoch bis Sonntag 17 bis 1 Uhr, Rooftop-Bar bei schönem Wetter Mittwoch bis Sonntag 14.30 bis mindestens 18.30 Uhr, otto25.de
Stehausschank Die Pforte: Bayerische Tradition modern interpretiert

Bei Stehausschank, ganz ehrlich, da denken doch die meisten mittlerweile auch automatisch an Giesinger. Und es wäre kein Wunder, gibt es die von Giesinger Bräu mittlerweile beinahe in jedem Viertel Münchens. Da kann man schon mal vergessen, dass es auch noch andere Kneipen dieser Art gibt. Orte also, an denen man an der Bar bestellt, das Bier im Gegenzug aber zu etwas vergünstigten Preisen bekommt. Ein solcher Ort ist seit dem vergangenen Herbst „Die Pforte“ in der Balanstraße – und ein gemütlicher noch dazu. Wo vorher die Augustinerkneipe Simplicissimus zu Hause war, findet man jetzt einen Augustiner Stehausschank, damals wie heute betrieben von Luca Francesco Meenen. Der junge Gastronom hatte, so erzählt er das, Lust auf etwas, das etwas ungezwungener ist als ein klassisches Wirtshaus – und in dem es trotzdem gutes Essen und regelmäßig Bier aus dem Holzfass gibt.
Letzteres wird in der Pforte in der Regel immer donnerstags, freitags und samstags gegen 19 Uhr angezapft. Wer Glück hat, bekommt ein frisch gezapftes Bier aber auch mal an einem Montag, wenn der Bierlieferant am nächsten Tag kommt und noch ein Fasserl übrig ist. Das ist dann für alle Bierliebhaber ein besonderes Vergnügen, aber, so fair muss man sein: Das frisch gezapfte Helle aus der Zapfanlage, zumal serviert im auf minus 18 Grad heruntergekühlten Glas, schmeckt ebenfalls vorzüglich. Erst recht bei einem fairen Preis von 3,90 Euro.
Mit dem Wechsel vom Simplicissimus auf Die Pforte hat Meenen nicht nur das Konzept verändert, er hat den Bierpreis immerhin um 40 Cent gesenkt. Durch das eingesparte Personal könne man „coolere Preise“ an die Gäste wiedergeben, sagt der Wirt. Glaubt man Meenen, dann haben die Stammgäste den Wechsel vom Wirtshaus zum Stehausschank gut verkraftet. Bayerische Tradition modern interpretiert, das scheint gut anzukommen. Der Laden jedenfalls laufe jetzt besser als zu Simplicissimus-Zeiten, sagt Meenen.
Neben Hellem gibt es allerlei andere Biersorten von Augustiner: Weißbier, dunkles Bier, Pils, alkoholfreies – und sogar eine Goaßnmaß (13 Euro) steht auf der Karte. Das ist dunkles Bier oder Weißbier gemischt mit Cola und Kirschlikör, serviert im zünftigen Ein-Liter-Krug. Die Pforte mag unter der Woche eine Kneipe für gemütliche Abende sein, spätestens zum Wochenende gibt es aber das Potenzial für ein wenig Eskalation. Eine Playlist, auf der sich Songs von Peter Fox und Wir sind Helden mit jenen von Nena und Udo Jürgens abwechseln, das kann im Prinzip nur gut werden.


Dazu passt nicht zuletzt die Speisekarte: Auf der stehen bayerische Klassiker wie Schweinebraten und Kasspatzen, von 21 Uhr an gibt’s aber auch etwas, das sie hier „Late night Wurst“ nennen: ein Paar Debreziner oder Käsekrainer mit Brezn und Meerrettichsenf für je 6,90 Euro. Wenn das mal nicht ideal für den späten Hunger ist. Oder vielleicht doch eher ein früher Versuch, den sich anbahnenden Kater noch abzuwenden? Ein Stehausschank wie Die Pforte ist schließlich dafür da, um am Tresen oder an einem der Stehtische auch mal Fünfe gerade sein zu lassen. Und auch über die Frage, was das Münchner Kindl an der Wand in der linken Hand hält, lässt sich bei ein paar Halben vortrefflich diskutieren – ohne dass die Antwort wirklich wichtig wäre. Jacqueline Lang
Stehausschank „Die Pforte“, Balanstraße 12, Montag bis Donnerstag 17 bis 23 Uhr, Freitag und Samstag 15 bis 24 Uhr, Sonntag 17 bis 22 Uhr, instagram.com/diepforte.stehausschank

