Kölschbar im Werksviertel:Eine Bar zum Mitsingen

Lesezeit: 2 min

Kölschbar im Werksviertel: Eine Bar zum Mitsingen: Die Kölschbar im Werksviertel.

Eine Bar zum Mitsingen: Die Kölschbar im Werksviertel.

(Foto: Stephan Rumpf)

In der Kölschbar im Werksviertel schadet es nicht, wenn man ein paar Kölsche Lieder kennt. Und wer hier Bier holen geht, fühlt sich fast wie eine Wiesnbedienung.

Von Oliver Klasen

Gerade noch wurde auf der Theresienwiese das Bier in Massen ausgeschenkt, manchmal war da ein Liter drin, manchmal auch weniger. Wer es lieber kleiner mag, mit dem Bier und überhaupt, der sollte vielleicht der Kölschbar im Werksviertel mal einen Besuch abstatten. Statt in einem Festzelt feiert man dort in einem nicht einmal 30 Quadratmeter großen Container.

Nur 0,2 Liter groß sind die Biergläser, 1,90 Euro kostet eins, und weil es wirklich schnell leer ist, kann man zu zweit oder zu dritt auch gleich für 20,50 Euro einen sogenannten Kranz bestellen, so nennen Menschen aus Köln ein rundes Gestell aus Plastik, in das elf lange, schmale Gläser hineinpassen. Elf Bier auf einmal transportieren, da fühlt man sich doch fast wie eine Wiesnbedienung.

Ausgeschenkt wird Reissdorf-Kölsch, das Betreiber Alexander Baehr "das Augustiner von Köln" nennt. Wo die Stufen zur Kölschbar hochgehen, begrüßt den Gast ein Schild, auf dem die Paragrafen des Kölschen Grundgesetzes aufgelistet sind. "Et hätt noch immer jot jejange" (Es ist noch immer gut gegangen) steht da zum Beispiel oder: "Et kütt wie et kütt" (Es kommt eben wie es kommt).

"Sowas brauchen wir in München auch", hatte Baehr einst nach einem Kneipenabend in Köln zu seiner Frau gesagt, da war die Idee zur Kölschbar entstanden. 2003 eröffnete sie, damals noch auf dem Gelände der Kultfabrik, direkt neben der Nachtkantine, zuvor befand sich dort eine chinesische Suppenküche. Irgendwann fragten die Leute von der Brauerei ein paar Unterlagen an und wunderten sich ein bisschen darüber, dass in einer derart kleinen Bar so viel Kölsch über den Tresen ging.

"Wir hatten in ganz Deutschland den höchsten Umsatz von Reissdorf pro Quadratmeter", erzählt Baehr. Als dann 2017 das neue Werksviertel Formen annahm, zog die Kölschbar als eine der ersten in das Container Collective an der Atelierstraße, dort, wo sie noch heute untergebracht ist.

Kölsche Lieder mit einer Prise Mallorca-Hits und einem Hauch Schlager-Party

Zugeschnitten ist die Kölschbar nicht nur auf die in München recht zahlreichen Exil-Kölnerinnen und -Kölner mit Heimweh, sondern auch auf - meist eher jüngeres - Partypublikum, das sich in einer der zahlreichen Bars und Clubs im Werksviertel amüsiert. "Mer losse den Dom in Kölle. Leev Marie, ich bin kein Mann für eine Nacht. Echte Fründe ston zesamme. Su lang mer noch am lävve sin." Wer ein bisschen mitsingen will - und die Kölschbar ist eine Bar zum Mitsingen - sollte vielleicht mal auf dem Kölner Karneval gewesen sein.

Garniert werden die Kölschen Lieder zwischendurch mit einer Prise Mallorca-Hits und einem Hauch Schlager-Party: Die atemlose Helene Fischer, Wolfgang Petrys Hölle, Hölle, Hölle, der von Kennerinnen und Kennern geschätzte Hit-Mix von Pur, sogar die in Verruf geratene Layla soll hier im Container manchmal gespielt werden, das versprach jedenfalls eine Facebook-Ankündigung für die After-Wiesn-Party in der Kölschbar.

Kölschbar im Werksviertel: Ein Kranz Kölsch kostet 20,50 Euro.

Ein Kranz Kölsch kostet 20,50 Euro.

(Foto: Stephan Rumpf/Stephan Rumpf)

Dass die Musik ab und zu schlagerlastig ist, liegt vielleicht daran, dass Alexander Baehr auch den "Schlagergarten" betreibt, der sich nur ein paar Meter weiter im Werksviertel befindet. Der ist gewissermaßen der große Bruder der Kölschbar und wird sie irgendwann unter seine Fittiche nehmen. Wenn die Container im Container Collective eines Tages Geschichte sind, dann wird die kleine Bar neben dem Schlagergarten die neue Kölschbar werden. Doch bis dahin werden noch einige Kränze über den Tresen gehen. Und außerdem gilt ja ohnehin: Et kütt wie et kütt.

Kölschbar im Container Collective im Werksviertel, 81671 München, Donnerstags bis Samstags 19 bis 1 Uhr.

Zur SZ-Startseite
Teaser werksviertel

SZ PlusWerksviertel
:Münchens coole Seite

Auf dem ehemaligen Industrieareal nahe dem Ostbahnhof entsteht auf 40 Hektar ein komplett neues Viertel. Es will Maßstäbe in Stadtplanung und Architektur setzen, die weit über die Stadt hinausreichen. Ein virtueller Rundgang.

Lesen Sie mehr zum Thema