Bei Stehausschank, ganz ehrlich, da denken doch die meisten mittlerweile auch automatisch an Giesinger. Und es wäre kein Wunder, gibt es die von Giesinger Bräu mittlerweile beinahe in jedem Viertel Münchens. Da kann man schon mal vergessen, dass es auch noch andere Kneipen dieser Art gibt. Orte also, an denen man an der Bar bestellt, das Bier im Gegenzug aber zu etwas vergünstigten Preisen bekommt. Ein solcher Ort ist seit dem vergangenen Herbst „Die Pforte“ in der Balanstraße – und ein gemütlicher noch dazu.
Wo vorher die Augustinerkneipe Simplicissimus zu Hause war, findet man jetzt einen Augustiner Stehausschank, damals wie heute betrieben von Luca Francesco Meenen. Der junge Gastronom hatte, so erzählt er das, Lust auf etwas, das etwas ungezwungener ist als ein klassisches Wirtshaus – und in dem es trotzdem gutes Essen und regelmäßig Bier aus dem Holzfass gibt.
Letzteres wird in der Pforte in der Regel immer donnerstags, freitags und samstags gegen 19 Uhr angezapft. Wer Glück hat, bekommt ein frisch gezapftes Bier aber auch mal an einem Montag, wenn der Bierlieferant am nächsten Tag kommt und noch ein Fasserl übrig ist. Das ist dann für alle Bierliebhaberinnen ein besonderes Vergnügen, aber, so fair muss man sein: Das frisch gezapfte Helle aus der Zapfanlage, zumal serviert im auf minus 18 Grad heruntergekühlten Glas, schmeckt ebenfalls vorzüglich. Erst recht bei einem fairen Preis von 3,90 Euro.
Mit dem Wechsel vom Simplicissimus auf Die Pforte hat Meenen nicht nur das Konzept verändert, er hat den Bierpreis immerhin um 40 Cent gesenkt. Durch das eingesparte Personal könne man „coolere Preise“ an die Gäste wiedergeben, sagt der Wirt. Glaubt man Meenen dann haben die Stammgäste den Wechsel vom Wirtshaus zum Stehausschank gut verkraftet. Bayerische Tradition modern interpretiert, das scheint gut anzukommen. Der Laden jedenfalls laufe jetzt besser als zu Simplicissimus-Zeiten, sagt Meenen.
Neben Hellem gibt es allerlei andere Biersorten von Augustiner: Weißbier, dunkles Bier, Pils, alkoholfreies – und sogar eine Goaßnmaß (13 Euro) steht auf der Karte. Für alle, die sich fragen: Das ist dunkles Bier oder Weißbier gemischt mit Cola und Kirschlikör serviert im zünftigen Ein-Liter-Krug. Die Pforte mag unter der Woche eine Kneipe für gemütliche Abende sein, spätestens zum Wochenende gibt es aber das Potenzial für ein wenig Eskalation. Eine Playlist, auf der sich Songs von Peter Fox und Wir sind Helden mit jenen von Nena und Udo Jürgens abwechseln, das kann im Prinzip nur gut werden.


Dazu passt nicht zuletzt die Speisekarte: Auf der stehen bayerische Klassiker wie Schweinebraten und Kasspatzen, von 21 Uhr an gibt’s aber auch etwas, das sie hier „Late night Wurst“ nennen: ein Paar Debreziner oder Käsekrainer mit Brezn und Meerrettichsenf für je 6,90 Euro. Wenn das mal nicht ideal für den späten Hunger ist. Oder vielleicht doch eher ein früher Versuch, den sich anbahnenden Kater noch abzuwenden? Wer weiß das schon? Und auch: Wen interessiert’s?
Ein Stehausschank wie Die Pforte ist schließlich dafür da, um am Tresen oder an einem der Stehtische auch mal Fünfe gerade sein zu lassen. Und auch über die Frage, was das Münchner Kindl an der Wand in der linken Hand hält, lässt sich bei ein, zwei, drei, vier, fünf Halben vortrefflich diskutieren – ohne dass die Antwort jemals wirklich wichtig wäre.
Stehausschank Die Pforte, Balanstraße 12, Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag 17 bis 23 Uhr, Freitag und Samstag 15 bis 24 Uhr, Sonntag 17 bis 22 Uhr

