Zwei Arme, die in einer Umarmung nacheinander greifen, mit schwarzen Strichen grob umrissen wie in einer flüchtigen Kohlezeichnung – so könnte man das Logo der Bar Davide in der Westermühlstraße beschreiben. Es findet sich dort überall: auf dem Leuchtschild über dem Eingang, auf den schwarzen Shirts der Belegschaft, sogar auf den Zuckerpäckchen zum Espresso.
Dieses Motiv passt gut zu dem Gefühl, das ein Besuch in der Bar Davide bei einem hinterlässt: ein Abend wie eine Umarmung von guten Freunden. Die zwei Betreiber, David Rebl, langjähriger Gastronom und Barkeeper, und sein Ehemann, der Münchner Designer Tom Rebl, begrüßen viele ihrer Gäste mit Namen, nehmen ihnen die Jacke ab und haben jedes sich leerende Glas im Blick.
Dazu haben Rebls ein Auge für Ästhetik: Im Gesamtbild wirkt ihre Bar schlicht und aufgeräumt, doch sorgfältig kuratierte Stücke und bewusst gesetzte Details geben ihr Charakter; etwa die gerahmten Illustrationen an der Wand, das schummrige Licht echter Kerzen, die vielen kleinen Blumenvasen und Frotteehandtücher auf der Toilette sowie der lange, durchgehende Spiegel, der die Decke durchzieht und den Raum nach oben hin größer wirken lässt.
Wenn die Bar um 16 Uhr öffnet, lässt es sich gut ankommen bei einem „Café Gourmand“, einem Espresso mit zwei hausgemachten Pralinen (6 Euro). Danach kann man in den Feierabend übergehen. Auf der Barkarte, die recht reduziert ausfällt, stehen ein paar wenige Aperitifs wie Negroni (13,50 Euro) und Spritz mit Aperol, Campari oder Grapefruit (je 9,50 Euro). Auch die Cocktails beschränken sich auf wenige Klassiker wie Whiskey Sour, Margarita und Espresso Martini (je 13,50 Euro).
Bei den Flaschenweinen ist die Auswahl noch am größten. Die Positionen der offenen Weine sind dagegen auf ein Minimum reduziert – vier Weiße, drei Rote, ein Rosé. Das ist nicht nur eine willkommene Abwechslung zu den ausladenden Weinlisten, mit denen sich Münchner Bars sonst zu übertrumpfen versuchen, sondern bei einem Glaspreis von höchstens sechs Euro für 0,1 Liter kann man sich ein wenig durchprobieren, ohne den finanziellen Ruin fürchten zu müssen.


Definiert man „Hauswein“ als einen vom jeweiligen Lokal ausgesuchten Wein mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis, so hat die Bar Davide unter den offenen Schaumweinen im Grunde einen „Haus-Schampus“ gelistet. Denn das Champagner-Haus Barthélemy-Pinot füllt eigens für Rebls eine Sonder-Edition mit personalisiertem Etikett ab. Auch der ist mit elf Euro fair bepreist und kann geschmacklich überzeugen.
Zu essen gibt es wechselnde, frisch zubereitete Bistro-Gerichte. Einzeln gehen sie gut als Snack zum Wein, am besten bestellt man aber mehrere Teller zum Teilen, um nichts zu verpassen: Ob Brot mit Miso-Butter und Pickles (7,50 Euro), Hummus mit Ofenkürbis (14 Euro), Friséesalat mit Croûtons und Parmesan (14 Euro) oder hausgemachte Ravioli in Brühe (ab 21 Euro) – ein Gericht schmeckt besser als das andere.
Eine Reservierung empfiehlt sich unbedingt, besonders am Wochenende. Denn auch wenn die Bar Davide erst etwa ein Jahr alt ist, hat sich längst herumgesprochen, dass man sich hier fühlen darf wie bei guten Freunden im Wohnzimmer: Man möchte am liebsten mehrmals pro Woche zum Feierabend vorbeischauen, gibt dabei nicht mehr Geld aus, als wenn man eine gute Flasche Wein mitgebracht hätte, und geht mit dem Gefühl wie nach einer Umarmung nach Hause.
Bar Davide, Westermühlstraße 39, 80469 München, Telefon: 0171 8316805, Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag 16 bis 22 Uhr.

