Charlatan Bar:Betreutes Trinken am Schlund der Giftschlange

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Barchefin Paulina Nowakowska hinter der gekachelten Theke der Charlatan Bar. (Foto: Florian Peljak)

„Gesunder Mule“ und „Placebo“ heißen die Drinks in der Charlatan Bar an der Einsteinstraße. Die Getränkekarte ist noch ein Provisorium, aber eigene Destillate sind schon in Produktion.

Von Sarah Maderer

Es fühlt sich ein wenig an wie betreutes Trinken, wenn das Barteam des „Charlatan“ in roten Apothekerkitteln Drinks serviert und Wassergläser befüllt, die an Petrischalen erinnern. Das Logo der Bar ist passend dazu eine Schlange, die sich um ein Cocktailglas und ein „C“ in Frakturschrift schlängelt. Man könnte es glatt mit dem Apotheken-„A“ verwechseln. In grellen Leuchtfarben wird das Logo neben bunten Flaschen mit Likören an die Barwand projiziert.

Die kreativen Drinks der „Ménage Bar“ kombiniert mit der Lässigkeit des „Dackels“: Das sei das Ziel des Charlatan, erklärt Barchefin Paulina Nowakowska. Sowohl die Ménage Bar im Gärtnerplatzviertel als auch den Schwarzen Dackel aus dem Westend gibt es heute nicht mehr. Die Betreiber haben die Charlatan Bar als Nachfolger eröffnet. Der Umzug aus den In-Vierteln in die viel befahrene Einsteinstraße hätte auch seine Vorteile, meint Nowakowska, die auch schon in der Ménage Bar gearbeitet hat sowie in der Ory Bar des Mandarin Oriental Hotels. Keinen Stress mit Anwohnern zum Beispiel, wenn freitags und samstags DJs auflegen und es an den Tischen vor der Tür mal lauter wird.

Durch die Raumgestaltung fühlt man sich im Charlatan tatsächlich in den „Schwarzer Dackel“ zurückversetzt: Tischnischen mit Wirtshausstühlen, drum herum Platz zum Stehen und Tanzen, und eine rundum mit glänzenden Kacheln geflieste Barkonstruktion, bloß in Giftgrün statt Nachtblau. Zusammen mit der Überdachung in Scharlachrot wirkt der Bartresen wie der Schlund einer grünen Schlange, bereit, ihr Gift zu versprühen. Große Gemälde voller Obst und schwarzer Schlangen an der Wand gegenüber sollen wohl auf die verbotene Frucht im Glas hindeuten.

Bei den Cocktails betreibt das Charlatan keine Scharlatanerie, und das, obwohl die Barkarte aktuell nur ein Provisorium für die Anfangsphase sei, sagt Nowakowska. Deshalb fällt sie noch klein aus, mit Bier, Wein und sechs bekannten Rezepturen des Hauses – ein „Best of Dackel and Ménage“ sozusagen. Der „Man of Constant Sorrel“ (14 Euro) mit weißem Tequila wurde zum Beispiel schon in der Ménage Bar serviert und schmeckt durch die spannende Kombination aus Sauerampfer und Aprikose fruchtig frisch.

Das Logo der Bar erinnert an ein Apotheken-Schild. (Foto: Florian Peljak)
Aktuell ist die Auswahl der Drinks noch nicht riesig - doch das soll sich ändern. (Foto: Florian Peljak)
Die Barchefin mixt auch nach Kundenwunsch. (Foto: Florian Peljak)

Der „Gesunde Mule“ (12 Euro) aus Gin, Koriander, Dill, Minze, Limette und Ginger Beer hat durch die frischen Kräuter eine grasgrüne Farbe – ein Smoothie mit Schuss. Nur der alkoholfreie „Placebo“ (10 Euro) ist noch gesünder und das beste Beispiel dafür, dass auch alkoholfreie Cocktails originelle Rezepturen haben und rund schmecken können. Durch Martini Floreale, das Rosenkraut Mädesüß und den säuerlichen Traubensaft „Verjus“ balanciert der „Placebo“ gekonnt Süß und Sauer mit einer herben Note.

Schon bald soll die Karte um einige Neukreationen aus selbst gemachten Destillaten erweitert werden, kündigt Nowakowska an. Wie zuvor in der Ménage Bar ist im Hinterzimmer bereits ein Rotationsverdampfer am Werk, mit dem man unter Vakuum Alkohol aromatisieren kann. Aktuell rotieren darin Wodka und Maiwipferl, die das Barteam im Wald gesammelt hat. Solch ausgefallene und saisonale Aromen werden für viel Abwechslung sorgen.

Charlatan Bar, Einsteinstraße 50, 81675 München, Öffnungszeiten: Dienstag bis Donnerstag 18 bis 1 Uhr, Freitag und Samstag 18 bis 2 Uhr.

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