Band der Woche:Schlafzimmer-Soul wie ein Tagebuch

Band der Woche: "Was viele von außen betrachtet vielleicht gar nicht an München sehen, ist, dass man in gewissen Kreisen viele Musiker und Kreativschaffende findet", sagt Hannah Zoe Götschl, Sängerin der Band "Zoëla".

"Was viele von außen betrachtet vielleicht gar nicht an München sehen, ist, dass man in gewissen Kreisen viele Musiker und Kreativschaffende findet", sagt Hannah Zoe Götschl, Sängerin der Band "Zoëla".

(Foto: Céline Founier)

Die Musik von "Zoëla" klingt intim, nah, unaufgeregt und deswegen sehr münchnerisch.

Von Amelie Völker

Auf der Bühne steht sie neben ihnen. Nicht einzeln vorne, im Rampenlicht. Wie man es sonst vielleicht von Frontsängerinnen gewohnt ist. Doch Hannah Zoe Götschl, Sängerin der Band Zoëla, steht da ganz bewusst. Sie möchte mit ihren beiden Bandmitgliedern Clemens von Finckenstein und Mateo Navarro auf einer Ebene auftreten. "Wenn wir Konzerte spielen, ist es mir wichtig, dass ich Mateo und Clemens sehen kann. Dass sie neben mir sind", sagt sie. Um die Dynamik spüren zu können, aber vor allem, um ein Statement zu setzen. Denn auch wenn der Bandname aus ihrem zweiten Vornamen "Zoe" abgeleitet wird, missfällt es Hannah, im Vordergrund zu stehen. "Ich mag es nicht, mich da allein zu präsentieren", sagt sie. "Mir ging es immer darum, dass wir das zu dritt machen."

Gegründet wurde Zoëla in der Bar "Cucurucu". Denn dort arbeiteten Hannah und Mateo und fanden sich rasch über Gespräche zu ihrer Musik bei gemeinsamen Jamsessions wieder. "Was viele von außen betrachtet vielleicht gar nicht an München sehen, ist, dass man in gewissen Kreisen viele Musiker und Kreativschaffende findet", sagt Hannah. "Das mag ich an dieser Stadt."

Jede Musik hat ihre passenden Orte. Jazzlastig, soulig und mit subtil eingebauten Elementen des Hip-Hops - "Zoëlas" Musik klingt intim, nah und unaufgeregt. Wie ein Raum voller vertrauter Menschen, in dem man es sich gemütlich machen möchte. Songs wie "Garden of Love" funktionieren weder in vollgestopften Clubs noch zu grellem Tageslicht. "Wir haben mal an einem Sommerfest mit vielen Familien und Gewusel gespielt", sagt Hannah. "Da war es für uns schwierig, unsere Musik passend zu transportieren". Wo Zoëlas Klänge aber ganz wunderbar harmonieren: In kleineren Spielstätten mit schummrigem Licht. "Unsere Musik ist eher gemacht für ruhige Bar-Abende, bei denen Menschen sitzen und in Ruhe lauschen können", sagt Hannah. Die Sängerin spricht ähnlich wie sie singt: Ruhig, beinahe verträumt und mit einer warmen Stimmfarbe. Dazu passt auch eine Genre-Bezeichnung, die sich die Band selbst gegeben hat: "Bedroom-Music".

Hannah verarbeitet in ihren Songlyrics persönliche Themen: "Ich bin nicht der Mensch, der Tagebuch führt", sagt sie. "In Liedern kann ich allerdings spezifisch sagen, was mich beschäftigt." So geht es in ihrem Song "Ain't My Business" etwa um Kommunikationsschwierigkeiten in einer zurückliegenden Beziehung. "Durch den Song habe ich es geschafft, auch mal das rauszulassen, was ich die ganze Zeit loswerden wollte", sagt sie. "Damit habe ich gehofft, auch andere Menschen anzusprechen, die vielleicht Ähnliches erlebt haben."

Zoëla

  • Besetzung: Hannah Zoe Götschl (Gesang), Clemens von Finckenstein (Piano, Drums), Mateo Navarro (Gitarre)
  • Stil: Neo-Soul
  • Aus: München
  • Seit: 2020
  • Internet: instagram.com/zoelamusic/
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