Band der Woche:Vollkommen unvollkommen

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"Musik wird immer perfekter ­- und wir machen das nicht", sagt Nick Steinel, 22, der Bassist der Band "The Arsonists". (Foto: Momentschmiede Würzburg)

Zwischen Autotune und beinahe perfektionistischer Musikproduktion gibt es Bands, die gerade nicht sauber klingen wollen - "The Arsonist" ist eine davon.

Von Luca Lang

Was haben ein Theaterstück von Max Frisch und der Psychedelic-Blues-Rock der späten Sechzigerjahre gemeinsam? Beides gehört zur Geschichte der vierköpfigen Band The Arsonists, die den Sound ihrer Vorbilder - Jimi Hendrix, The Doors, Led Zeppelin - aus vergangenen Jahrzehnten zurückbringen. In einer Zeit, in der man "perfekt getimtes Schlagzeug sowie Autotune auf allen möglichen Instrumenten hat", sagt Nick Steinel, 22, der Bassist der Band. "Musik wird immer perfekter ­- und wir machen das nicht."

Bei den Aufnahmen und auf ihren Konzerten hört sich jeder Take, jedes Solo anders an, sagt Robert Lingner, der Gitarrist und Sänger der Band, der bei Auftritten seine Soli gerne auch mal länger spielt. Doch dafür reicht bei den vier auf der Bühne meistens schon ein Blickkontakt.

Es war auch das Gitarrensolo des Songs "Stairway to heaven" von Led Zeppelin, das den 22-Jährigen dazu brachte, vor fünf Jahren die verstaubte Gitarre aus dem Keller seiner Eltern zu holen. Er war zu dieser Zeit mehrere Monate ans Bett gefesselt. Robert hatte ein Loch in seinem dritten Lendenwirbel, weswegen der Wirbel damals zusammenbrach. Sechs bis acht Stunden spielte Robert damals täglich. Als sein Rücken wieder mitmachte, traf er sich regelmäßig mit Dexter Greiser und Enrico Antinori zu Jam-Sessions.

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Max Frischs "Biedermann und die Brandstifter" war dann dafür verantwortlich, dass aus den Sessions eine Band wurde. Für eine Schulaufführung des Stücks sollten Robert, Dexter und Enrico zwischen den Szenen für musikalische Begleitung sorgen. Zwei Wochen vorher hatte Robert dann Nick dazu geholt. Bei den Proben entstanden bereits erste Songideen. "Eigentlich war uns bei der ersten Probe schon klar, wir bleiben als Band zusammen", sagt Nick. "Wir fanden uns schon sehr cool. Haben uns da wie die größten Rockstars gefühlt, weil wir da bei so einem kleinen Theaterstück gespielt haben", erzählt der Bassist mit etwas Selbstironie. Seitdem probt die Band fast täglich mehrere Stunden, inzwischen wohnen sie sogar zusammen.

Vom Selbstbild des großen Rockstars ist heute nichts mehr zu spüren. "Natürlich sind wir eine Rockband, aber das ganze Gehabe mit zu spät kommen und besoffen sein beim Gig, das ist überhaupt nicht unser Ding. Wir dachten uns, wenn wir das jetzt machen, dann machen wir das richtig", sagt Robert. Auch wenn der Bandname anderes vermuten lässt. "The Arsonists" heißt übersetzt "Die Brandstifter".

The Arsonists

Stil: Psychedelic Blues Rock

Besetzung: Robert Lingner (Gesang, Gitarre), Nick Steinel (Bass), Enrico Antinori (Gesang, Gitarre), Dexter Greiser (Schlagzeug)

Aus: München

Seit: 2019

Instagram: https://www.instagram.com/thearsonists_band/

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