Band der Woche:Ein Blick zurück nach vorne

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Band der Woche: "In vielen Fällen geht es darum, dem Gefühl nachzujagen, das man als Kind hat, wenn ein Song einen wirklich trifft", sagt Will Evans über die Musik von "Phantom Youth".

"In vielen Fällen geht es darum, dem Gefühl nachzujagen, das man als Kind hat, wenn ein Song einen wirklich trifft", sagt Will Evans über die Musik von "Phantom Youth".

(Foto: privat)

Will Evans zollt mit seinem Solo-Projekt "Phantom Youth" der Musik aus seiner Jugendzeit Tribut.

Von Clara Löffler

Die erste CD. Die erste Lieblingsband. Das erste Konzert. Selten ist das die Musik, bei der man im Nachhinein besonders stolz ist, dass man sie einmal gehört hat. Trotzdem begleitet sie einen ein Leben lang. Will Evans, 28, hörte im Teenageralter vor allem Post-Punk und Neunzigerjahre-Rock. Mit seinem neuen Projekt Phantom Youth möchte er, wie der Name verrät, der Musik aus seiner Jugendzeit Tribut zollen. "Diese Einflüsse verfolgen dich, und das nicht unbedingt auf die beste Art und Weise. Mitunter versucht man ständig, ihnen zu entkommen. Tatsächlich ist es sehr befriedigend, sich diese Einflüsse zu eigen zu machen, sie zu akzeptieren und sie in etwas Neues zu kanalisieren, weil sie so tief in einem verwurzelt sind."

Eigentlich ist der US-Amerikaner bereits Teil einer ziemlich erfolgreichen Band. Stray Fossa heißt die Indie-Band mit mehr als 40 000 monatlichen Hörerinnen und Hörern auf Spotify. Aber im Moment verteilt sich das Trio über den halben Globus: Eines der Mitglieder lebt in Hamburg, eines in Massachusetts und Will wohnt seit einem guten Jahr in München. So kann er mit seinem Soloprojekt weiterhin neue Musik produzieren und veröffentlichen, ohne weite Wege auf sich nehmen zu müssen. Und noch etwas gefällt Will an seinem neuen Dasein als Solokünstler: "Bei dieser Musik habe ich das Gefühl, dass ich meine kreativen Entscheidungen einfach meinem Instinkt überlassen kann, ohne auf die Meinung anderer Leute hören zu müssen."

Die neueste Veröffentlichung heißt "AIIWO". Es ist ein rhythmischer, energiegeladener Song, dessen Text durch viel Hall fast unkenntlich geworden ist. Aber das macht nichts: Es geht viel mehr um das Gefühl, das der Song vermittelt - Melancholie. Vielleicht die Art von Melancholie, die man empfindet, wenn man auf seine Kindheit zurückblickt. Wenn man plötzlich Dinge erkennt, die die ganze Zeit offensichtlich waren. "As if it wasn't obvious" heißt die Abkürzung des Songtitels. Es ist auch die einzige Liedzeile des Songs, die klar zu verstehen ist. "In vielen Fällen geht es darum, dem Gefühl nachzujagen, das man als Kind hat, wenn ein Song einen wirklich trifft", beschreibt Will sein Konzept.

Auftritte sind in München bislang noch keine geplant. "Für mich spielt sich die Musik sehr stark im Kopf und in meiner Studiowelt ab, so dass es immer ein wenig nervenaufreibend ist, damit rauszugehen. Es dauert seine Zeit, bis man das Selbstvertrauen dafür entwickelt." Doch die fünf, sechs Konzerte, die er in München bislang besucht hat, stimmen ihn freudig auf die Zukunft: "Ich glaube wirklich, dass die Leute hier für viele Musikrichtungen aufgeschlossener sind als in den USA. Ich war hier noch nie auf einem schlecht besuchten Konzert, auch wenn es von kleinen Bands gespielt wurde."

Phantom Youth

  • Stil: Dream Pop, New Wave, Post-Punk, Alternative
  • Besetzung: Will Evans
  • Aus: Charlottesville, Virginia / München
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