Band der Woche:Musik als Selbstreflexion

Band der Woche: "Ich habe gemerkt, dass ich meine Gefühle wesentlich besser ausdrücken kann, wenn ich Melodien schreibe", sagt Stefan Krenn.

"Ich habe gemerkt, dass ich meine Gefühle wesentlich besser ausdrücken kann, wenn ich Melodien schreibe", sagt Stefan Krenn.

(Foto: Off Thoughts Music)

Stefan Krenn lag wegen seiner Depressionen in einer Klinik - doch dann begann er Musik zu machen. Heute nennt er sich "Off Thoughts" und singt über emotionales Wachstum

Von Lisa Miethke, München

Mit der Musik fing Stefan Krenn an, als er an seinem wohln tiefsten Punkt im Leben ankam. Das war 2015. Damals lag er stationär in einer Klinik, eine Folge seiner Depressionen. Was nach der Klinik kommen sollte, das wusste der 26-Jährige aus der Blumenau zu diesem Zeitpunkt nicht. Denn wie sollte ein Mensch ein Leben fortführen, das er eigentlich gar nicht will? Eine Antwort auf seine Frage fand Stefan ausgerechnet auf seinem iPod.

"Darauf hatte ich ein Programm installiert zum Musik machen, eine kleine Mini-Audio-Workstation", sagt er heute. "Ich habe gemerkt, dass ich meine Gefühle wesentlich besser ausdrücken kann, wenn ich Melodien schreibe." Seitdem schreibt und produziert Stefan unter dem Namen "Off Thoughts" Musik, die sich musikalisch zwischen Synthwave, Electro-Pop und New Wave bewegt, textlich zwischen seinen Gefühlswelten. Er singt über emotionales Wachstum und seine Depression, über Verarbeitung und das Aufgeben - doch eben auch über das Weitermachen. So wie er es 2015 tat. "Es ist nicht mehr akut, kann ich zum Glück sagen. Mir geht es heute wesentlich besser", sagt Stefan. Zu einem großen Teil liegt das an der Musik. Sie hält ihn auf dem richtigen Weg, sei für ihn Selbstreflexion.

Doch ihm geht es auch noch um eine andere Sache. Um die Was-wäre-wenn-Frage. "Irgendwas in mir drin sagt, warte noch, etwas könnte noch kommen und dann wirst du's vielleicht bereuen, wenn du nicht durchgehalten hast", sagt Stefan. Das hindere ihn am Aufgeben im Kampf gegen seine Depression. Und verleitet ihn - wenn auch selten, wie er von sich selbst sagt - zu Songs, die einen positiveren, ermutigenden Ausblick auf das Leben wagen. Einer dieser Songs ist seine neueste Single "Deep Dive" - "es geht um die Erkenntnis, dass die einzige Person, die mir helfen kann, mein Leben in die Hand zu nehmen, ich selbst bin", sagt Stefan. "Natürlich können einem Freunde und Therapie unterstützen, aber nur ich kann anfangen."

Das Musikvideo zum Song drehte Stefan nachts in einem Wald, umringt von Baumkronen, tief getränkt in blaues Licht. Anderthalb Jahre lang schraubte er an dem Song herum, er sei eben "ein verdammter Perfektionist", sagt Stefan. Er zuckt mit den Schultern. Das Produzieren habe er sich selbst beigebracht, als "YouTube-self-learned" bezeichnet er das, dabei kennt er sich mit Audioproduktion gut aus: Bis vor kurzem hat er eine drei Jahre lange Ausbildung zum Mediengestalter Bild und Ton gemacht.

Heute hat Stefan einen Traum. Er möchte Musik machen, hauptberuflich. Und anderen Menschen, die in einer ähnlichen Situation stecken wie er, von der Seele sprechen.

Off Thoughts

  • Stil: Synthwave, Electro-Pop, New Wave
  • Besetzung: Stefan Krenn
  • Aus: München
  • Seit: 2015
© SZ/mbr
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