Band der Woche:Eine Stimme für die Unterschicht

Band der Woche: Martin Lando singt und rappt nicht nur über seine eigenen Probleme, sondern kritisiert auch gesellschaftliche Schieflagen.

Martin Lando singt und rappt nicht nur über seine eigenen Probleme, sondern kritisiert auch gesellschaftliche Schieflagen.

(Foto: Steins Pictures)

Wegen seiner Liebe zur Musik verlor Martin Lando mit 17 sein Zuhause. Zehn Jahre später hat der Rapper sich ein Studio aufgebaut und produziert dort nicht nur seine eigenen Songs.

Von Melina Bäckmann

Keine überstrapazierten Melodien, kaum Auto-Tune. Stattdessen klatscht die Hi-Hat zu satten Beats, prägnanten Texten und einer wohldosierten Ration Kritik. Es ist eine Mischung aus Straßen-Rap und Trap, die Martin Lando in seinem Giesinger Studio aufnimmt. Doch wer Beleidigungen sucht, wird enttäuscht. Er selbst bezeichnet seine Musik als "ungeschmückt, tiefgründig, emotional".

Von seinem eigentlichen Namen, Martin Orlando Bulla, leitet sich auch sein Künstlername Martin Lando ab, unter dem er seit 2020 in der Münchner Rap-Szene aktiv ist. Der 27-Jährige fing vor 13 Jahren an, seine eigenen Texte zu schreiben. Zu diesem Zeitpunkt hatte er aber noch keine Erfahrung mit Musik. Als er dann mit 17 beim International Munich ArtLab eine Ausbildung zum Musiktheater-Artist begann, produzierte er dort auch seine ersten Beats. "Seitdem habe ich nie wieder aufgehört", sagt er. Weil diese Ausbildung aber staatlich nicht anerkannt war, verlor er seinen Anspruch auf einen Wohnplatz im Jugendheim. "Das war für mich voll der Genickbruch, weil ich endlich was gefunden hatte, was mich am Leben hält, was mir Kraft gibt." Dennoch blieb Martin damals bei der Musik, die ihm bis heute hilft, seine Probleme und Gefühle zu verarbeiten.

Einige seiner Songs handeln von den Problemen und der Ungerechtigkeit, die man am unteren Ende der Gesellschaft erfährt. Er selbst ist unter finanziell schwierigen Bedingungen aufgewachsen. Hartz IV und häufige Umzüge haben seine Kindheit und Jugend geprägt - und damit auch seinen Blick auf die Welt und die eigene Musik. Große kommerzielle Ziele verfolgt er als Künstler dennoch nicht, es genüge ihm schon, "Menschen ein Zeichen zu geben: Du bist nicht allein und das Leben geht weiter".

Nicht nur mit seiner Musik möchte Martin Lando Menschen berühren und eine Stütze sein. Mit dem eigenen Studio, das er nur durch Schulden finanzieren konnte, möchte er, "dass eben die Leute, die wenig Geld und einen schwierigeren Hintergrund haben, die Möglichkeit haben, hierherzukommen und ihre Mucke zu machen".

Wer sich in der Münchner Rap-Szene umtreibt, ist seinen Beats mit Sicherheit schon einmal begegnet. Als Producer hat er unter dem Namen MO'BEATS schon für Gündalein und Boshi San Songs produziert.

Noch für dieses Jahr plant Martin mit der Münchner Rapperin Gündalein und dem Rapper ESC Rilla ein Kollektiv-Studio zu starten. Das Studio soll dazu dienen, anderen Musikerinnen und Musikern beim Songwriting, Producing und Recording eigener Songs zu helfen. Aber auch zehn eigene, neue Songs will der Rapper noch im Laufe des Jahres veröffentlichen. Auch wird er am 27. April beim Hip-Hop-Open-Tracks im Bahnwärter Thiel auftreten.

Martin Lando

  • Stil: Hip-Hop, Deutsch-Rap
  • Besetzung: Martin Orlando Bulla
  • Seit: 2020
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