Band der Woche: Judi & Cocho:Die Generation Z zum Mitsingen

Lesezeit: 2 min

„Eigentlich ganz normal“, heißt die erste Platte von „Judi & Cocho“. „Wir wollten damit festhalten, dass wir zwei komplett normale Typen sind, die Spaß am Musikmachen machen haben und schauen wollten, wie weit man damit kommen kann“, sagt Johannes Winkler. (Foto: Michael Holzmann)

Songs über das Leben, die Liebe und das Leiden Heranwachsender: „Judi & Cocho“ machen „Coming Of Age“-Pop mit Identifikationswert.

Von Amelie Völker

Die Reibeisen-Stimme liegt präsent, rau, unverwechselbar über der Musik. Gepaart mit dem professionellen Sound klingen die Songs von Judi&Cocho beinahe nach weitaus mehr Lebenserfahrung, als die beiden 22-Jährigen sie haben können. Wären da nicht die frischen, lebendigen, manchmal auch gesellschaftskritischen Texte, die sich mit dem Leben, der Liebe und den Leiden Heranwachsender beschäftigen.

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Die Münchner Johannes Winkler und Julian Deller machen deutschen Indie-Pop mit starker Singstimme, der in Ansätzen an AnnenMayKantereit erinnert, in den sie jedoch textlich und musikalisch ihre ganz eigene Note einbringen. Sie haben bereits zwei EPs veröffentlicht, waren dieses Jahr auf Tour durch Deutschland und Österreich unterwegs – und einige ihrer Songs haben auf Spotify Klickzahlen im sechsstelligen Bereich. Doch die beiden bezeichnen sich gerne so, wie ihre erste EP heißt: „Eigentlich ganz normal“.

„Wir hatten kurz Angst, dass dieser Titel überheblich rüberkommen könnte“, sagt Johannes. Denn eigentlich wollten sie hier eher das Gegenteil erzeugen: „Wir wollten damit festhalten, dass wir zwei komplett normale Typen sind, die Spaß am Musikmachen machen haben und schauen wollten, wie weit man damit kommen kann“, sagt er. „Und wir hätten niemals gedacht, dass wir jemals so weit kommen würden.“

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Blickt man auf die Spotify-Zahlen, ist „Trotzdem“ von ihrem ersten Album mit mehr als 900 000 Klicks aktuell Judi&Cochos erfolgreichster Song. Kein Wunder: „Trotzdem“ ist ein Lied, das einem so schnell nicht aus dem Kopf geht. Von anfänglich sanftem Klavier-Sound baut es sich bis zum hymnenartigen Refrain mit Julians Stimmgewalt auf. „,Trotzdem‘ soll an einen selbst gerichtet sein“, sagt Johannes. „Es geht ums Ausprobieren und Weitermachen, selbst wenn es mal nicht so einfach ist.“

Nach der sympathischen „Coming Of Age“-Musik mit Identifikationswert von „Eigentlich ganz normal“, wurde es für Judi&Cocho in ihrer neuen EP „Riese“ Zeit für andere Themen. In den erst kürzlich erschienenen Songs texten sie etwas ernster, gewichtiger, gesellschaftskritischer. „Es gab ein paar Themen, die uns ziemlich in den Fingern gejuckt haben, die wir ansprechen wollten“, sagt Johannes.

Im Song „Schäme mich“ beispielsweise, geht es um Belästigungen an Frauen und um die daraus resultierende Scham für das eigene männliche Geschlecht. Im Refrain heißt es zum Beispiel: „Wie kann das nur normal sein. Paar Tropfen ins Glas rein. Immer, wenn ein Nein nicht reicht. Schäm ich mich, ein Mann zu sein.“ Mit wenigen Worten ist hier vieles gesagt: „Wir haben uns zunächst tatsächlich sehr schwergetan, hier die richtigen Worte zu finden, weil wir uns ja aus einer männlichen Sicht äußern“, sagt Johannes. „Wir wollten uns nicht anmaßen, verstehen zu können, wie Frauen sich in solchen Situationen fühlen.“

Diesem Thema einen Song zu widmen, lag den beiden jungen Musikern am Herzen, da sie von Bekannten immer wieder Geschichten in diese Richtung mitbekommen hatten. „Man kennt leider so viele Menschen, denen zum Beispiel beim Feierngehen, blöde Sachen passiert sind“, sagt Johannes, „und das hat uns irgendwie sehr bewegt.“

Judi&Cocho

Stil: Indie-Pop

Besetzung: Julian Deller (Gesang, Piano), Johannes Winkler (Percussion, Synthesizer)

Seit: 2020

Internet: www.instagram.com/judicochoband

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