Band der Woche:"Es passiert immer noch. Und es passiert jeden Tag."

Band der Woche: "Mir ist es wichtig herauszustellen, dass Diskriminierung auch in Deutschland existiert", sagt Isabel Leila Gütlein. Als Musikerin nennt sie sich Gündalein.

"Mir ist es wichtig herauszustellen, dass Diskriminierung auch in Deutschland existiert", sagt Isabel Leila Gütlein. Als Musikerin nennt sie sich Gündalein.

(Foto: Florian Petermann)

Gündalein ist Sängerin. Und sie ist Aktivistin - weil Menschen wie sie wegen ihrer Hautfarbe und ihrer Herkunft diskriminiert werden.

Von Amelie Völker, München

Eine einzelne Faust im Publikum. Sie streckt sich in den Abendhimmel. Nach und nach erheben sich immer mehr Fäuste von den circa 100 Zuschauern, die sich an diesem Abend Ende September vor dem Bahnwärter Thiel versammelt haben. Auf dessen Außenbühne stehen drei jungen Münchner Musikerinnen. Schulter an Schulter. Mit erhobenen Fäusten. Den Refrain des Liedes singen die Frauen gemeinsam. Aus drei starken Stimmen wird eine wichtige Botschaft: "Black Lives Matter. Today. Tomorrow. Always. And Forever."

Eine dieser Musikerinnen ist Gündalein, 20, die mit richtigem Namen Isabel Leila Gütlein heißt. Konzerte spielen konnte sie pandemiebedingt erst 2021. Erlebt man Gündalein auf der Bühne, so ist das mitreißend. Gündaleins Songs sind ein Mix aus R & B und Hip-Hop, gespickt mit Soul- und Jazzelementen. Bei ihren Auftritten ist ihr DJ, der die energetischen Beats beisteuert, stets mit dabei. Ihre Stimme, mal rappend, mal singend zu hören, ist einprägsam. Das weiß sie auch selbst: "Wenn sich Lauryn Hill und Amy Winehouse in eine Person zusammenfügen würden, dann könnte das ich sein", sagt Gündalein. In ihren Texten geht es um sie selbst. Zum Beispiel in ihrem Debüt-Song "I'm crazy", in dem sie sich ihren Zuhörern vorstellt. "Für mich ist alles, was mit Kunst zu tun hat, Ich-bezogen und hat eine Bedeutung für mich", sagt Gündalein.

Manchmal käme es ihr so vor, als würden Menschen eher zuhören, wenn sie wichtige Inhalte über Kunst zu hören oder zu sehen bekämen, sagt Gündalein. Ihr Song "Black Lives Matter" beginnt mit einer Aufforderung: "White Folks listen to me." In den folgenden Lyrics geht es um die Diskriminierung schwarzer Menschen. Gündalein bezeichnet sich selbst als Aktivistin. Das sei sie schon immer gewesen, seit George Floyds Tod im Mai 2020 und den darauf folgenden Protesten jedoch umso mehr. "Ich habe das Gefühl, vor allem als Person of Colour muss mir das Thema am Herzen liegen. Weil wir leider immer noch in einer Welt leben, wo Menschen wie ich wegen ihrer Hautfarbe und ihrer Herkunft diskriminiert werden", sagt sie. "Es passiert immer noch. Und es passiert jeden Tag." Auch sie selbst sei in München bereits Opfer von Diskriminierung geworden, sagt Gündalein. Beispielsweise hätten sich in der S-Bahn Menschen von ihr weggesetzt. Oder ihr in die Haare gefasst. "Mir ist es wichtig herauszustellen, dass Diskriminierung auch in Deutschland existiert", sagt Gündalein.

Nach den letzten Klängen von "Black Lives Matter" ist der Applaus vor dem Bahnwärter Thiel besonders laut. Gündalein wird nach diesem Konzert auf ihrem Instagram-Profil schreiben: "Vielen Dank. Heute Abend war magisch."

Gündalein

  • Stil: Hip-Hop, R & B
  • Besetzung: Isabel Leila Gütlein
  • Aus: München
  • Seit: 2020
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB