Der Mann geht rückwärts. Das Bild ist trist, ein bisschen grau, irgendwo in einer eigentlich beschaulichen Wohngegend. Der Mann raucht, seine Nase blutet, es nieselt ein bisschen. Aber er trägt Anzug. Und er geht immer weiter rückwärts, als wäre das der einzig richtige Weg. Ein bisschen melancholisch, vielleicht irritierend, so könnte man den aktuellen Sound von Saint Miles beschreiben. Er ist der traurige Mann im Musikvideo.
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Der Song „No Clip“, für den Saint Miles, der bürgerlich Leon Milovanov heißt, das Musikvideo gemacht hat, klingt nach Hyper-Pop – ab und zu hört man jedoch sehr rohe Gitarrensounds. Und einen Gesang, der sich anhört, als käme er aus einem anderen Raum. „Der Sound ist auf jeden Fall rough, hat Ecken und Kanten und ist unperfekt. Ein Gegenstück zu dem, was diese heile Welt sein soll. Ich suche nach so einem puren, rohen Gefühl. Es hat manchmal sogar etwas mit Weltschmerz zu tun“, sagt Leon.
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Wenn man den Künstler aus früheren Projekten kennt, als seine Musik fröhlicher, auch mainstreamiger war, ist man vielleicht überrascht. Noch vor gar nicht so langer Zeit hat Saint Miles R'n'B-lastige Tracks veröffentlicht, die nach lauem Sommerabend und weniger nach verregnetem Weltschmerz klingen. „Es geht gar nicht so sehr darum, was du für Musik machst. Sondern, wer du bist als Person und was du sagen willst. Und gerade spielt das für mich eben in dem Soundbild, das ich jetzt gerade mache. Und das ist vor einem Jahr ein bisschen ein anderer gewesen als jetzt. Aber weil ich super viele diverse Genres mag, bewege ich mich halt im Kontext von den Dingen, die ich sagen und ausdrücken will, immer in einem passenden Setting“, sagt Leon.

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Im Gegensatz zu seiner früheren Musik möchte er nun bewusst anecken, tiefer gehen, echt klingen. „Es soll nicht performativ sein. Es soll so sein, wie es sein muss. Es muss nicht unbedingt super direkt sein. Weil dann wird es für mich zu konstruiert. Ich finde es genau dann spannend, diese Sachen offen zu halten, damit der andere, der Counterpart, das einfach für sich selber fertig denken kann.“
Die Szenerie für seinen aktuellen Sound? „Wenn man nach einer langen Feiernacht auf dem Weg nach Hause ist. Eigentlich noch berauscht ist von der Nacht, aber so langsam die Melancholie reinkickt“, erklärt Leon.
Neben der Musik ist Leon Grafikdesigner. Auch deswegen hat er besonders Spaß daran, neben seiner Musik mit seinem Musikvideos und anderen visuellen Mitteln einen künstlerischen Kontext für seinen Sound zu schaffen. Das betrifft auch die Performance seiner Musik, die nicht nur in Form von klassischen Konzerten stattfinden soll. Er erzählt vom Theater, das ihn als Medium interessiert. Und: „Ich will auch mal so ähnlich wie Tobi Nickel auf dem Marienplatz stehen und irgendeine Art von Performance machen – die gekoppelt ist mit der Musik.“ Es bleibt: überraschend

