Irritierender AuftrittBuhrufe gegen Thomas Gottschalk bei Bambi-Verleihung

Lesezeit: 3 Min.

Cher wird von Thomas Gottschalk umarmt, nachdem sie einen Bambi bekam.
Cher wird von Thomas Gottschalk umarmt, nachdem sie einen Bambi bekam. (Foto: Peter Kneffel/dpa)
  • Bei der Bambi-Verleihung wurden Prominente wie Cate Blanchett, Cher und Michael „Bully" Herbig ausgezeichnet.
  • Cate Blanchett widmete ihren Preis Filmschaffenden, die wegen Krieg oder Unterdrückung nicht arbeiten können, und betonte die Wichtigkeit furchtloser Künstlerstimmen.
  • Thomas Gottschalk sorgte als Laudator für Cher mit einem peinlichen Auftritt für Buhrufe.
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Wenn Burda zur Bambi-Verleihung lädt, geht es um alle boulevardtauglichen Gefühle. Auch diesmal bieten Cate Blanchett und Co Rührung, Euphorie und Begeisterung. Laudator Thomas Gottschalk dagegen liefert einen peinlichen Auftritt, für den er sich später entschuldigt.

Von Philipp Crone

Der fallschirmgroße bunte Blumenstrauß ist Barbara Meier. Das Model bewegt sich am Donnerstagabend über den roten Teppich, indem sie das offenbar durchaus gewichtige Kleidungsstück immer wieder mit beiden Händen anhebt und sich samt Kleid zum nächsten Mikrofon wuchtet.

Manche Beobachter schütteln den Kopf. Einem steht vor Begeisterung über so ein Outfit der Mund offen, bis er „geiles Kleid“ herausbringt. Das ist Bambi, die Verleihung des selbsternannten wichtigsten deutschen Medienpreises aus dem Medienhaus Burda, das auch diesmal in den Bavaria Studios alle Grund-Emotionen deutscher Boulevard-Berichterstattung zuverlässig heraufbeschwört.

Es ist von jeher beim Klatsch einfacher, sich lustig zu machen, statt etwas ernst zu nehmen. Die erwünschten Empfindungen sind Sehnsucht und Bewunderung auf der einen Seite, etwa für Reichtum und Prominenz, oder auch wie an diesem Abend für mutige oder teure Kleider. Auf der anderen Seite stehen Neid, Fremdscham und Schadenfreude.

Der Wunsch beim Aufschlagen oder Einschalten eines Boulevard-Magazins lautet ja schon immer: berühren, egal wie. Und da darf man an diesem Abend konstatieren: Hier arbeiten Profis, die bei jedem Prominenten und jeder Preisträgerin das prominere, das Herausragende, gekonnt herausarbeiten.

Wobei der rote Teppich als Gradmesser für eine gelungene Veranstaltung ungeeignet ist. Hier geht es um einen ordentlichen optischen Eindruck und um gute spontane Antworten. Es mag vor Ort seltsam aussehen, wie Meier herumwatet in ihrem Kleid. Auf Bildern und im TV ist es beeindruckend. Und es geht an diesem Abend ja nicht um Meier. Bambi ist schon noch Premium, diesmal etwa mit Cher oder Cate Blanchett.

Sky du Mont zum Beispiel kann das einfach, sich hinstellen und Zitate liefern. Der Schauspieler zeigt auf seinen Smoking und droht böse gewichtig in die Runde: „Wenn irgendeiner bei mir ein Bier bestellt, gehe ich nach Hause – ich seh’ ja aus wie ein Kellner.“ Dabei kann wohl kaum jemand eleganter Smoking tragen als dieser edelgraue Gentleman.

Models Franziska Knuppe (links) und Barbara Meier.
Models Franziska Knuppe (links) und Barbara Meier. (Foto: Peter Kneffel/dpa)
Kein Kellner: Sky du Mont mit Freundin Julia Schütze.
Kein Kellner: Sky du Mont mit Freundin Julia Schütze. (Foto: Johannes Simon)

Und auch wenn viele Gäste sehr konzentriert über den roten Untergrund schreiten und dabei angestrengt unangestrengt wirken, darf man einen Fehler an diesem Abend nicht machen: ihn allzu ernst nehmen. Da ist Stargast Cher ein Vorbild. Sie schlendert als Letzte in einer Entourage, gegen die Meiers Blumen-Fallschirm wie ein Gänseblümchen wirkt, gen Saal, als sie doch noch von einem bunten Mikro geködert wird, über das etwas atemlos die Frage kommt, wie Cher sich auf dem roten Teppich so fühle. „Es ist ein roter Teppich“, sagt sie. Pause, Gelächter. Einer, der auch nicht anders sei als die, über die sie schon gelaufen ist. Merke: Immer schön auf dem roten Teppich bleiben.

Als Letzte über den roten Teppich schlendert Stargast Cher.
Als Letzte über den roten Teppich schlendert Stargast Cher. (Foto: Johannes Simon)

Teil eins, Aufregung und Bewunderung, sind damit geschafft. Anschließend ist die große Frage jeder Gala: Welche Momente kitzeln sie noch raus bei Burda?

Wobei die Regie dann sofort mit vollem Emotions-Pressing vorne draufgeht. Michael „Bully“ Herbig als erster Preisträger spielt die Rolle des Gerührten derart überzeugend, dass man sie ihm einfach abnehmen möchte. Ovationen im Stehen und ein Herbig, der dem Publikum ein verzweifeltes „Hört’s auf!“ entgegenschleudert, natürlich vergeblich.

Sofort gefolgt von Cate Blanchett, die in ihrer Rede alle für sich einnimmt, ihren Preis den Filmschaffenden widmet, die wegen Krieg oder Unterdrückung nicht arbeiten können, und mit der auffordernden Feststellung endet, dass in diesen „drohenden dunklen Zeiten“ die furchtlose Stimme der Künstler noch nie so wichtig gewesen sei wie heute.

Hazel Brugger mit dem Bambi in der Kategorie Comedian.
Hazel Brugger mit dem Bambi in der Kategorie Comedian. (Foto: Peter Kneffel/dpa)

Dass in allen Anmoderationen Übertreibungen das Stilmittel der Wahl sind, kann man bemängeln. Dick auftragen gehört aber eben zum Geschäft. Der ebenfalls pompös angekündigte irische Erfinder Fionn Ferreira wird für seine Idee ausgezeichnet, Mikroplastik aus dem Wasser zu fischen. Er erzählt dann unbeschwert auf der Bühne, die Einladung zum Bambi für Spam gehalten zu haben, „weil den ja nur Models und Schauspieler bekommen“.

Nicht ganz. Auch Comedians wie Hazel Brugger, die wie üblich ohne größere Regungen im Gesicht zwei Minuten leise bis laute Lacher erzeugt, etwa als sie Gastgeber Hubert Burda anschaut und sagt: „Danke an Burda-Media, ohne die diese Veranstaltung nicht möglich  – und auch nicht nötig gewesen wäre.“

Gottschalks Auftritt gerät zu einem unangenehmen bis peinlichen Moment mit Buhrufen

Dann kommt am Ende natürlich noch Cher, die für ihre Karriere und ihr gesellschaftliches Engagement ausgezeichnet wird und deren größte Leistung es an diesem Abend auf der Bühne ist, sich von einem sichtlich dramaturgisch desorientierten Laudator Thomas Gottschalk nicht aus der Ruhe bringen zu lassen.

Geduldig wartet sie, bis der Moderator aufhört, von sich selbst zu sprechen, inklusive eines im besten Fall misslungenen Satzes darüber, dass Cher die einzige Frau sei, die er in seinem ganzen Leben ernst genommen habe. Ein unangenehm bis peinlicher Moment mit Buhrufen, den Cher rettet, indem sie ihn ignoriert. Am Freitag entschuldigt Gottschalk sich im Spiegel und nimmt seine Aussage zum „Frauen ernst nehmen“ explizit zurück. Er sei erst einen Tag vor der Veranstaltung für den Auftritt angefragt worden – und nicht über ein Cher-Double informiert gewesen, was ihn verwirrt habe.

Cher und Laudator Thomas Gottschalk.
Cher und Laudator Thomas Gottschalk. (Foto: Peter Kneffel/dpa)

Es wird sehr viel gelobt, geklatscht, gesungen, gelacht, auch mal beschämt weggeschaut oder weggehört bei den tausend Gästen im Saal, etwa wenn schon bei der Ankündigung des nächsten Preisträgers wieder alle in vorauseilender Ehrerbietung aufspringen oder noch einer der Mama dankt.

Die große Bambi-Schar schwelgt genüsslich in gegenseitiger Zuneigung und pappsüßer Bewunderung, was auf manche ansteckend und auf andere abschreckend wirkt. Letztlich stimmt es natürlich, was Hazel Brugger sagt: Dieser ganze Abend ist nicht nötig. Aber das ist Erdbeereis ja auch nicht.

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