Ende September, Anfang Oktober ist quasi Silvester im Theater. Zumindest fühlt es sich so an. Nachdem die Häuser über den Sommer geschlossen waren, scheint irgendjemand von zehn heruntergezählt zu haben – und mit einem Schlag geht es los. Eine Premiere nach der anderen wird gezündet mit Stücken, die alle die gesamte Spielzeit über möglichst hell leuchten sollen am Theaterhimmel. Irgendwann ist es dann weit nach Mitternacht, und das Publikum bricht erschöpft zusammen.
In Bamberg hat der neue Intendant John von Düffel seine erste Saison am E.T.A.-Hoffmann-Theater schon eröffnet oder vielmehr, wie er sagt, den „poetischen Raum“. Am 2. Oktober kommt zu „Kafkas Erzählungen“ und „Das letzte Bier“ von Jaroslav Rudiš nun die dritte Inszenierung hinzu: Für die Hainbad-Revue wurden die Bamberger aufgerufen, ihre schönste Erinnerung an die Hainbadestelle an der Regnitz ans Theater zu schicken. Zusammen soll das zu einem großen Ensembleabend wachsen, vermutlich einem poetischen.

Spielzeiteröffnung am Theater in Bamberg:Kafka, Bier und schöne Bilder
John von Düffel beginnt seine Intendanz am E.T.A-Hoffmann-Theater in Bamberg mit der Uraufführung von „Das letzte Bier“ von Jaroslav Rudiš und „Kafkas Erzählungen“. Er verspricht nicht zu viel, wenn er sagt: „Der poetische Raum ist eröffnet!“
Auch an den Staatstheatern in Augsburg und Nürnberg beginnt die Spielzeit. Augsburgs Staatsintendant André Bücker machte gleichsam selbst die Tür auf, indem er gerade Leonce und Lena auf die Bühne brachte. Nach ihm ist nun Armin Petras dran. Mit „Meister und Margarita“ hat er der Brechtbühne vor zwei Jahren einen herausragenden Abend geschenkt. Da ist die Erwartung groß für seine jetzige Produktion, die Bühnenadaption von Victor Hugos Der lachende Mann, der Vorlage für den Batman-Gegenspieler „Joker“, Premiere ist am 3. Oktober.

Das Staatstheater Nürnberg setzt zur Eröffnung auf neue Texte: An der ersten Produktion sind gleich sechs Autorinnen und Autoren beteiligt, unter anderem Bestseller-Autor Ewald Arenz. Das Auftragswerk Die erste Liebe hält 5 Jahre – Eine politische Toystory mit Musik feiert am 3. Oktober Premiere. Zwei Tage später kommt eine weitere Uraufführung heraus, geschrieben von Hausautorin Raphaela Bardutzky, die mit 74 Minuten einen machtkritischen Blick auf die Zeit werfen will.
In München wird es derweil auch nicht langweilig. Nach Volkstheater und Residenztheater gibt es auch an den Kammerspielen die erste Premiere: Wallenstein am 4. Oktober. Hausregisseur Jan-Christoph Gockel hat die große Theatermaschine angeworfen, sieben Stunden soll der Klassiker hier dauern, inklusive dreier Pausen. In der Titelrolle ist Samuel Koch zu sehen, und Annette Paulmann als dessen Gegenspieler Octavio Piccolomini wird auf der Bühne kochen.
Kammerspiel-Premiere zwei ist dann von der Größe her das Gegenstück: Schauspielerin Wiebke Puls inszeniert und spielt einen Soloabend im Schauspielhaus. Dafür adaptiert sie Anne Paulys ausgezeichneten Roman Bevor ich es vergesse für die Bühne, in dem es um die Erinnerung an den gerade verstorbenen Vater geht und den eigenen Umgang mit der Trauer (8. Oktober).

„Persona“ am Münchner Volkstheater:Die vielen Ichs im Du
Ingmar Bergman erzählt in „Persona“, von zwei Frauen, die sich immer mehr gleichen. Am Münchner Volkstheater setzt Sophie Glaser den Film von 1966 bildstark auf der Bühne um.
Gänzlich unermüdlich zeigt sich das Residenztheater: Haben schon mit „Kasimir und Karoline“ und „Nach Mitternacht“ zwei Produktionen die Saison eröffnet, folgt erneut ein Doppelpack. Und bei Weitem kein kleines. Am 9. Oktober bringt Hausregisseur Alexander Eisenach Der Untertan nach Heinrich Mann im Cuvilliéstheater heraus. Der Roman ist ein Gesellschaftsporträt um die opportunistische Hauptfigur Diederich Heßling in einem Deutschland vor dem Ersten Weltkrieg. Den Protagonisten spielt Lukas Rüppel, den eine längere Zusammenarbeit mit Eisenach verbindet. Beispielsweise übernahm er in dessen „Götz von Berlichingen“ die Titelrolle.
Das Funkeln am Theaterhimmel hört aber noch nicht auf: Autor Rainald Goetz hat sein neues Stück in die Hände der Resi-Hausregisseurin Elsa-Sophie Jach gelegt. Lapidarium handelt von München, von einem fiktiven Drehbuchvorhaben mit Helmut Dietl und Franz Xaver Kroetz, dem Goetz seinen Text widmet. Es geht um die Achtzigerjahre in der Landeshauptstadt, in denen Goetz einige bekannte Figuren aufeinandertreffen lässt, und im Kern um Freundschaft. Die Uraufführung kommt auf der großen Bühne am 10. Oktober heraus. Aber Achtung: All das ist erst der Anfang dieser Spielzeit.

