Was könnte ein böhmischer Barockkomponist namens Heinrich Ignaz Franz von Biber gemeinsam haben mit David Gilmour und Roger Waters? Vielleicht die zu seiner Zeit angesagte stattliche Länge des Haupthaares (Perücke)? Nun, jedenfalls sind seine Werke und die von Pink Floyd jetzt im Prinzregententheater zu hören. Zu ihnen gesellt sich auch noch Gustav Mahler. Hört sich nach einer recht eigenwilligen Konzertprogrammierung an.
Doch kein Konzert, sondern ein Ballettabend führt diese denkbar unterschiedlichen Musiken am 29., 30. und 31. Mai (jeweils 20 Uhr) im Prinzregententheater zusammen. Dort präsentiert sich das Bayerische Junior Ballett München, und diesmal nicht mit ihrer grandiosen Version des „Triadischem Balletts“, die dort zuletzt für ausverkaufte Vorstellungsserien sorgte. Die Junioren werden nun – losgelöst von Oskar Schlemmers ikonischem Avantgarde-Spektakel – Einblick in ihr tänzerisches Arbeiten geben. Für das Münchner Publikum also die Gelegenheit, die Nachwuchs-Compagnie auch außerhalb der beliebten Frühlings- und Herbst-Matineen der Heinz-Bosl-Stiftung zu erleben.

Zwischen den Stücken, die an diesen Triple-Abenden zu sehen sind, liegen jeweils Jahrzehnte. Jiří Kyliáns Choreografie zu Mahlers „Lieder eines fahrenden Gesellen“ entstand 1982, kurz nachdem der gebürtige Prager zum ersten Mal nach 14 Jahren in seine Heimatstadt zurückgekehrt war. Kylián, der sich im Prager Frühling engagierte, hatte die damalige Tschechoslowakei 1968 kurz nach dem Einmarsch der Armeen des Warschauer Paktes mit dem letztmöglichen Zug Richtung Deutschland verlassen und beim Stuttgarter Ballett angeheuert. Sein Stück zu Mahlers Lied-Zyklus drückt die ganze emotionale Zerrissenheit aus, die das Wiedersehen mit Prag in ihm auslöste.
Eine Herausforderung für die Junioren, die zwischen 17 und 21 Jahre alt sind und für jeweils zwei Jahre die Gelegenheit haben, erste Berufserfahrungen auf der großen Bühne zu sammeln. Nicht minder anspruchsvoll ist Jorma Elos’ „Slice to Sharp“, das der finnische Choreograf 2006 für das New York City Ballet schuf, zur Musik Vivaldis und des Geigenvirtuosen Ignaz Franz von Biber. Dessen Kompositionen vom Ende des 17. Jahrhunderts klingen ungeheuer modern, messerscharf, klar, energetisch – wie Elos’ Tanzsprache. Womit wir auch schon in des Teufels Küche angekommen sind, in Marco Goeckes „Devil’s Kitchen“, ein Stück, das der Choreograf 2025 mit dem Junior Ballett einstudiert hat. Jetzt ist die nächste Generation dran, sich diese explosive, atemlose Goecke-Nummer anzueignen, zum Sound von Pink Floyds Superalbum „Wish You Were Here“.

Kompositionen von Bryce Dessner oder Arvo Pärt kommen live aus dem Graben, wenn im Gärtnerplatztheater der Trojanische Krieg die Welt und Menschenseelen versehrt zurücklässt. Wenn Frauen zu Kriegstrophäen werden. Wenn Verlust, Verzweiflung, Wut über allem liegt. Mit seinem Ballett Troja hat der griechische Choreograf Andonis Foniadakis 2024 für das Münchner Haus eine beeindruckende, zeitlose Parabel über den Krieg und seine Folgen geschaffen, die der französische Komponist Julien Tarride zudem mit einem faszinierenden, elektronischen Sounddesign unterlegt. Jetzt kehrt dieses starke Tanztheater zurück, Spielzeitpremiere ist am 27. Mai.

Ein weiteres spannendes Sound-Experiment auf einer Münchner Tanzbühne: Füße singen, Worte beginnen zu tanzen, Sprünge sprechen und sechs Körper klingen. Ursache und Wirkung, das interessiert die Münchner Choreografin Anna Konjetzky in ihrem neuen Stück „beat silence beat“, das am 19. Juni (19.30 Uhr) im Werkraum der Münchner Kammerspiele uraufgeführt wird. Die Körper ihrer sechs Tänzerinnen und Tänzer hat Konjetzky mit Trigger Pads versehen, durch ihre Bewegungen können sie Klänge, Melodien, Texte, aber auch das Licht steuern und die Choreografie nicht nur sichtbar, sondern auch hörbar machen. Eine weitere Vorstellung gibt es am 20. Juni.


