„Gibt es hier etwas umsonst?“, fragt ein Mann seine Frau, als die beiden in der gastronomisch hart umkämpften Adlzreiterstraße an einer zehn Meter langen Schlange vorbeilaufen. Die ganze Isarvorstadt, so scheint es zu sein, möchte an diesem Samstagmittag ins Bageri, ein unscheinbares Café, das am ehesten wegen seiner Fassade auffällt: Efeu rankt bis ans Dach. Das ältere Ehepaar hat sich mittlerweile in die Schlange eingereiht. Der Bandwagon-Effekt: Was viele Menschen wollen, so denkt man, muss gut sein, und das Gute möchte man selbst auch haben. In der Schlange erfährt das Ehepaar, dass es hier zwar nichts umsonst, aber laut einigen aufgeregt Wartenden „die besten Zimt- und Kardamomknoten der Stadt“ gibt. Das muss natürlich überprüft werden.
Das Innere des neuen Ladens - die erste Backstube im Bahnwärter Thiel wurde irgendwann zu klein - erinnert an einen Co-Working-Space. Zwei große Holztische zieren den Raum. Zwischen ihnen thront ein Feigenbaum. Außerdem eine Wimpelkette. Die Farbe Blau zieht sich durch das gesamte Café. Es gibt blaue Stühle, ein blaues Regal, blau-weißes Geschirr. Und auch das Logo des Cafés, ein Knoten, ist blau. Eine Speise- oder Getränkekarte gibt es nicht.
Auf einer überschaubaren Tafel steht, was angeboten wird: Espresso (2,50 Euro), Cappuccino (3,90 Euro), Sauerteigbrot (800 Gramm für 7,10 Euro). In der Ablage neben dem Tresen befindet sich das Schmuckstück des Cafés: der Knoten. Das Gebäck wird wahlweise mit Zimt (3,90 Euro) oder mit Kardamom (4 Euro) angeboten. Optisch sind die Knoten ein Highlight. Sie sind nicht zu hell, aber auch nicht zu dunkel gebacken, und werden mit ein wenig Hagelzucker und ohne Topping serviert.
Geschmacklich halten sie mit ihrer perfekten Optik mit. Der Teig ist fluffig und schmeckt intensiv; gleichzeitig süß, aber nicht zu zuckrig. Der Kardamomknoten ist oft schon einige Stunden vor Feierabend ausverkauft. Früh kommen (und anstehen) lohnt sich also.


Möchte man etwas anderes essen als süße Knoten, muss man mit einer kleinen Auswahl Vorlieb nehmen. Es gibt Käsebrot (3,50 Euro) und Focaccia (4,80 Euro), neuerdings auch immer mal wieder Pausenbrote. All das schmeckt lecker, aber am Ende sind es doch die Knoten, für die man Schlange steht. Dazu passt: ein außergewöhnlich guter Kaffee.
Man muss nur wissen: Kuhmilch gibt es nicht. Alle Kaffeevarianten werden ausschließlich mit Hafermilch serviert. Leider bietet das Bageri weder koffeinfreien Kaffee noch Tee an. Menschen, die lieber ohne Koffein durch den Tag gehen, müssen sich also an die Kaltgetränke halten. Sprudelwasser kostet genauso viel wie Rhabarberschorle (3,50 Euro).
Das Bageri ist ein Ort ohne viel Schnickschnack. Der Lack auf den Bierbänken vor dem Café blättert ab, die Essens- und Getränkeauswahl ist sehr begrenzt. Vielleicht kommt daher – und natürlich von den außergewöhnlich guten Knoten aus Sauerteig – der Andrang. Im Bageri muss man keine großen Entscheidungen treffen. Hier wird einem klar und einfach präsentiert, was gut ist.
Bageri, Adlzreiterstraße 21, Öffnungszeiten: Donnerstag und Freitag 10 bis 16 Uhr, Samstags und Sonntag 8.30 Uhr bis 16 Uhr

