Bauprojekt an der PaketposthalleMillionen-Streit um Lärm zwischen Hochhaus-Investor und Backstage

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Künftige Nachbarn? Das Backstage hat Umbaupläne, die Büschl-Gruppe Neubaupläne. Darüber streiten nun bei de Parteien.
Künftige Nachbarn? Das Backstage hat Umbaupläne, die Büschl-Gruppe Neubaupläne. Darüber streiten nun bei de Parteien. MKNG_Architektur/Backstage Concerts GmbH
  • Das Backstage und die Büschl-Gruppe streiten über Lärmschutz und Ausgleichszahlungen beim geplanten Neubauquartier mit zwei 155 Meter hohen Türmen am Paketpostareal.
  • Die Verhandlungen zwischen beiden Parteien sind im Januar geplatzt, das Backstage forderte zuletzt 25 Millionen Euro Ausgleich für die jahrelange Baustelle.
  • Backstage-Chef Stocker befürchtet das Ende seines Kulturzentrums und sieht die geplante Modernisierung gefährdet, falls keine Einigung erzielt wird.
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Wankt der geplante Umbau des Clubs? Könnten künftige Anwohner das Backstage in den Ruin klagen? Und wer muss wem einen Ausgleich zahlen? Über einen Zwist, den beide Seiten öffentlich austragen.

Von Patrik Stäbler

Als Hans-Georg Stocker im vergangenen Sommer die ambitionierten Umbaupläne für das Backstage öffentlich vorgestellt hat, da saßen im Publikum auch Vertreter der Büschl-Gruppe. Diese will in direkter Nachbarschaft des Kulturzentrums an der Friedenheimer Brücke auf dem Paketpostareal ein neues Quartier um zwei 155 Meter hohe Türme bauen, was immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen beiden Seiten geführt hat. Beim Dauerstreitthema Lärmschutz gebe es zwar weiterhin keine Einigung, sagte Stocker damals, man sei aber in Gesprächen. „Und ich hoffe, dass wir bis Ende des Jahres sagen können, dass wir uns geeinigt haben“, so der Mitgründer und Geschäftsführer des Backstage.

So zuversichtlich Stocker damals klang, so erzürnt ist er heute. „Das Tischtuch ist zerschnitten“, sagt der Backstage-Chef mit Blick auf die Büschl-Gruppe. Dieser wirft er vor, die notwendige Absicherung des Kulturzentrums beim Bau des neuen Quartiers zu blockieren. Im November hat der Stadtrat den Satzungsbeschluss für den Bebauungsplan zum Paketpostareal gefasst, auf dem unter anderem 1200 Wohnungen und 3000 Arbeitsplätze entstehen sollen. In der Folge war laut Stocker vorgesehen, dass das städtische Planungsreferat bis Ende Januar eine Vereinbarung zwischen der Büschl-Gruppe und dem Backstage verhandelt, die den Bestand des Kulturzentrums absichert. Erst danach habe der Bebauungsplan veröffentlicht werden und das Baurecht endgültig in Kraft treten sollen.

Diese Gespräche seien jedoch geplatzt, sagt Hans-Georg Stocker, der dafür die Gegenseite verantwortlich macht. „Wenn die Büschl-Gruppe ihr Baurecht bekommt, wird es das Backstage in seiner jetzigen Form nicht mehr geben.“ Konkret geht es vor allem um den Lärmschutz beim Paketpost-Projekt. Laut Stocker würden dem Backstage Klagen von künftigen Wohnungseigentümern in dem neuen Quartier drohen. Aber auch um Geld wird gestritten – etwa die Höhe der Ausgleichszahlungen, die das Backstage für die jahrelange Baustelle vor seiner Tür erhalten soll. Laut Büschl-Gruppe hat das Kulturzentrum zuletzt 25 Millionen Euro verlangt. „Eine solche Forderung ist jenseits jeder Realität und zeigt deutlich, worum es der Familie Stocker geht: um Gewinnmaximierung“, heißt es in einer Mitteilung der Firma.

Derweil sieht der Backstage-Chef durch das Vorgehen der Büschl-Gruppe auch die Modernisierungspläne für sein Kulturzentrum gefährdet. Sie umfassen unter anderem einen Ausbau der sogenannten Arena im Osten des Geländes in eine Multifunktionshalle für bis zu 4000 Gäste. Zudem sollen ein Parkhaus, Sport- und Grünflächen, ein Biergarten, ein Veranstaltungssaal und ein unterirdischer Techno-Club entstehen. Die Kosten bezifferte Stocker im Vorjahr auf 35 Millionen Euro; inzwischen gehe er aber von 57 Millionen Euro aus. Angesichts dieser Summe müssten die Betreiber hohe Darlehen aufnehmen, was nur bei einer Absicherung des Backstage möglich sei, sagt Hans-Georg Stocker. „Für uns ist es jetzt nicht fünf vor zwölf, sondern eins vor zwölf. Deshalb haben wir uns entschieden, an die Öffentlichkeit zu gehen.“

Dies hat das Backstage mit einer dreiseitigen Pressemitteilung getan, in der es schwere Vorwürfe gegen die Büschl-Gruppe und ihren Chef erhebt. Dieser habe beim jüngsten Verhandlungstermin nicht nur alle Einigungsversuche abgelehnt, schreibt das Kulturzentrum. Sondern obendrein habe Büschl auch gesagt, dass er 50 Millionen Euro als „Schadensersatz“ verlangen würde für den Fall, dass die Eigentümer aller Wohnungen in dem Neubauquartier – wie vom Backstage gefordert – eine Lärmduldung gegenüber dem Kulturzentrum akzeptieren.

Diese Darstellung weist das Unternehmen scharf zurück: „Ralf Büschl hat eine solche Aussage zu keinem Zeitpunkt getroffen.“ Man werde sich nun „mit allen zu Gebote stehenden Mitteln rechtlich gegen verleumderische Aussagen wehren und die zuletzt von der Familie Stocker schriftlich hinterlassenen Drohungen einer rechtlichen Prüfung unterziehen“. Zum Thema Lärmschutz heißt es von der Büschl-Gruppe: „Nicht die Neubebauung stellt das Problem dar, sondern vielmehr die Frage, wie das Backstage den eigenen Lärm, der nachweisbar schon heute die umliegenden Anwohner belastet und extreme gesundheitsschädliche Auswirkungen hat, künftig auf das zulässige Maß reduziert.“

Unterdessen hat der Streit zwischen Büschl und dem Backstage auch die Politik erreicht. So hat die Stadtratsfraktion von ÖDP und München-Liste eine Anfrage an den Oberbürgermeister gestellt, wie das Rathaus das Backstage vor dem Neubauprojekt schützen wolle. „Wir werden nicht zulassen, dass gewachsene Kulturorte dem Hochhaus-Luxus geopfert werden“, sagt ÖDP-Fraktionschef Tobias Ruff. Schließlich sei das Backstage „kein Störfaktor, sondern ein Herzstück der Münchner Kulturszene“.

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