Süddeutsche Zeitung

Abstandskonzerte im Backstage:Normal ist was anderes

Mit namhaften Künstlern kehrt wieder ein Stück Normalität ins Backstage: Energetisch, aber coronasicher wird es bei "Russkaja", Soulbär Andreas Kümmert geht es wie immer etwas ruhiger an, und der Münchner Rapper Monaco F. ist Stammgast seit eh und je.

Von Michael Zirnstein

Wer eines der energetischen Konzerte von Russkaja überstanden hat, kann sich kaum vorstellen, wie das funktionieren soll bei den gängigen Abstandsregeln. So schmeißt man sich etwa beim Stück "Psychotraktor" (oder so ähnlich) in einen Menschenstrudel, also die ganze Menge kreist dann tanzend um die Mitte des Publikums. Schwitz! Wenn derlei irgendwo momentan hinpasst, dann ins Backstage, wo die kostümierte Russenparade Stammgast ist. Und wo sie nun im Biergarten vor immerhin 400 Gästen (jeweils zu zehnt an Biertischgarnituren) Stimmung machen kann. Russkaja stehen übrigens nicht für tumbe Feierei, die Mitglieder der Band - die Hauskapelle von "Steermann & Grissemann" in der ORF-Show "Willkommen Österreich" - haben bei Austro-Größen wie Joe Zawinul oder Drahdiwaberl mitgemischt.

So kehrt mit namhaften Künstlern wieder ein Stück Normalität ins Backstage zurück, so auch wenn der "The Voice"-Sieger von 2013, der Soul-Rock-Bär Andreas Kümmert, hier nun Station macht. Gerne hat man in diesem alternativen Kulturzentrum auch Liedermacher eingeladen. Und immer wieder Götz Widmann, einen Paten seiner Zunft, der schon im Duo Joint Venture ab 1993 Spaß mit Anspruch und Kiffer-Ungehorsam ("Zöllner vom Vollzug abhalten") verband. Momentan hat er ein neues Album ("Tohuwabohu") und unterstützt junge Kollegen. Ein solcher ist Tristan Brusch, der für sein Konzert im Backstage-Backyard gute Referenzen vorweisen kann: Die Pianoballade "Moritat vom Schweighöfer" mit der schönen Zeile "Schweighöfer, hör auf mir was vorzuspielen" sowie diverse Kooperationen mit den Orsons. Als diese Schwaben zu rappen begannen, war Monaco F schon ein Held der bayerischen Hip-Hop-Szene mit Doppel D. Als Stammgast im Backstage bringt er nun seine Show "Bierbankphilosoph", Live-Drums, einen DJ und eine Zithern mit.

Mit dem Konzert der Alternative-Rockstars Annisokay aus Halle und ihrer Münchner Kumpels Machete Dance Club weicht das Backstage am 28. August auf die "Sommerbühne" der Stadt im Olympiastadion aus - daran sieht man, dass es doch eine recht spezielle Rock-Saison ist.

Russkaja, Götz Widmann, Do., 27. Aug.; Andreas Kümmert, Mo., 31. Aug.; Monaco F, Tristan Brusch, Fr., 28. Aug., Backstage, Reitknechtstraße 6, Telefon 1266100

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Quelle:
SZ vom 27.08.2020
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