Bachauskehr am EisbachSurfer und große Fische müssen weichen

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Trockengelegt: Sandsäcke und Schläuche prägen derzeit das Bild an der Eisbachwelle.
Trockengelegt: Sandsäcke und Schläuche prägen derzeit das Bild an der Eisbachwelle. (Foto: Paul Dittmann)
  • Die Stadt München arbeitet bis Ende Oktober an der Bachauskehr im Gewässersystem der Großen Isar, bei der der Wasserstand abgesenkt wird.
  • Etwa 4000 Fische wurden bereits mit elektrischem Strom aus den Bächen im Englischen Garten gefangen und in die Isar umgesiedelt.
  • Die Eisbachwelle wird mit Sandsäcken auf ihre Tragwerkssicherheit geprüft, was laut Baureferat nicht mit dem tödlichen Surfunfall vom April zusammenhängt.
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Für die Bachauskehr im Englischen Garten hat die Stadt die Pegel stark abgesenkt. Nach dem tödlichen Surfunfall vom April werden auch die Bauten an der Eisbachwelle erneut überprüft.

Von Carla Toenneßen

An der Eisbachwelle wird derzeit nicht gesurft, sondern gearbeitet. Statt Surfer in Neoprenanzügen sind Bauarbeiter in orangefarbenen Westen zu sehen. Sie verlegen Schläuche, platzieren Sandsäcke auf dem Flussbett, stiefeln durch das Wasser. Zwei Passanten schauen interessiert einem Mann in einem Bagger zu, der die Schaufel immer wieder in den Boden des Baches steuert. „Da wird wohl etwas ausgebaggert“, rätseln sie vor dem Surfspot im Englischen Garten. Tatsächlich läuft hier derzeit die sogenannte Bachauskehr.

Noch bis Ende Oktober arbeitet sich das Baureferat durch das Gewässersystem der Großen Isar – dazu gehören der Fabrik- und der Eisbach im Englischen Garten und die nachfolgenden Gewässer bis Garching. Doch wie funktioniert die Bachauskehr? Und steht sie in Zusammenhang mit dem Tod einer Surferin im April?

Im Frühling war eine 33-jährige Frau nach einem Surfunfall im Eisbach ums Leben gekommen. Zwei Wochen nach dem Unglück wurde das Wasser abgesenkt, um den Unfallhergang zu klären. Gut zwei Monate später wurde die Welle wieder freigegeben.

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Und nun, etwa vier Monate danach, stehen da lauter Sandsäcke im Flussbett. Dem Isarfischer-Vorsitzenden Klaus Betlejewski zufolge nimmt die Stadt die Bachauskehr zum Anlass, die Eisbachwelle erneut zu überprüfen. Ein Zusammenhang zwischen dem tödlichen Unfall und der aktuellen Kontrolle besteht laut Baureferat jedoch nicht – die Untersuchung falle lediglich mit der regulären Auskehr zusammen.

„Die Sandsäcke auf dem Flussbett sind eine Besonderheit“, erklärt jedoch Betlejewski. Bei einer gewöhnlichen Bachauskehr werde lediglich das Wasser abgesenkt. „Dieses Jahr wird mit den Sandsäcken in dem Bereich der Eisbachwelle die Tragwerkssicherheit geprüft.“

Bei der Bachauskehr wird der Wasserstand auf eine ökologisch vertretbare Menge abgesenkt, sodass genügend Restwasser zum Schutz der Tierwelt bleibt. Größere Fische werden von den Fischereivereinen abgefischt und umgesetzt. Danach kann das Bachbett von Unrat, Schlamm und Sedimenten befreit, Bauwerke am Gewässersystem überprüft und repariert werden.

Eine Bachauskehr kann auch Schaden anrichten

Die Bachauskehr beginnt mit der Schließung der Schiebetore am Wehr, den sogenannten Wehrschützen, die den Zulauf des Fabrikbachs regulieren, der den Eisbach speist. Wenn sie geschlossen werden, fließt kein Wasser mehr nach – der Pegel im Eisbach sinkt. Zudem werden die beiden Wehranlagen an der Isar geöffnet, das Praterwehr und das Wehr gegenüber der Lukaskirche, sodass das Wasser in der Großen Isar abfließen kann. Dann muss es schnell gehen.

„Wir sind mit der Fischumsiedlung quasi die Ersten, die tätig werden“, sagt Betlejewski. Kleinere Fische kommen im Restwasser zurecht, größere – bis zu 60 Zentimeter lang und mehrere Kilo schwer – müssten geborgen und umgesetzt werden. Etwa 4000 Fische hat der Fischereiverein am ersten Wochenende der Bachauskehr von den Bächen im Englischen Garten in die Isar umgesiedelt.

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Das funktioniert ohne Köder, ohne Angel und ohne Netz. „Wir fischen mit elektrischem Strom“, erklärt Betlejewski. Dabei werden Elektrogeneratoren mit Plus- und Minuspol ins Wasser gehalten. Entsteht ein Stromkreis, reagieren die Fische darauf: In Randbereichen fliehen sie durch seine „Scheuchwirkung“, im Zentrum schwimmen sie auf die Quelle zu und werden kurzzeitig betäubt. Die Fische werden dann mit Keschern aus den Bächen geholt und auf Fahrzeugen in Wasserwannen zur Isar transportiert.

Die Umsiedlung ist eine Notmaßnahme: „Eine Bachauskehr kann auch Schaden anrichten, weil sie das Gewässer ökologisch belastet“, sagt Betlejewski. In schwer zugänglichen Bereichen, etwa nördlich des Föhringer Rings, konnten Fische früher nicht immer rechtzeitig geborgen werden.

Eine Bachauskehr wird daher inzwischen seltener vorgenommen. Bis vor einigen Jahren habe diese noch jährlich stattgefunden, berichtet Betlejewski. Später sei der Abstand auf 18 Monate ausgeweitet worden. Heute erfolge die Maßnahme nur noch auf Antrag, etwa wenn Bauwerksreparaturen nötig seien. „Es geht weniger um die Säuberung des Baches, sondern mehr um den Bauwerksunterhalt der Anlieger“, betont Betlejewski.

Sobald alle Arbeiten erledigt sind, werden die beiden großen Isarwehre wieder geschlossen und das Wasser staut sich. Wird dann der Abzweig zum Fabrikbach geöffnet, fließt wieder Wasser in den Englischen Garten – und damit in den Eisbach. Und auf der Eisbachwelle kann wieder gesurft werden.

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