GeburtshilfeJuno Aurora heißt das letzte Baby im Neuperlacher Kreißsaal

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Ein Bündel Glück: Juno Aurora kam am Montag um 10.55 Uhr mit 3370 Gramm auf die  Welt. Das letzte Baby, das im Kreißsaal der Neuperlacher Frauenklinik geboren wurde, liegt in den Armen von Mama Christina. Die große Schwester Eden liebt ihre kleine Schwester schon sehr.
Ein Bündel Glück: Juno Aurora kam am Montag um 10.55 Uhr mit 3370 Gramm auf die  Welt. Das letzte Baby, das im Kreißsaal der Neuperlacher Frauenklinik geboren wurde, liegt in den Armen von Mama Christina. Die große Schwester Eden liebt ihre kleine Schwester schon sehr. (Foto: Robert Haas)
  • Juno Aurora ist am Montag um 10.55 Uhr das letzte Baby, das im Neuperlacher Kreißsaal geboren wurde, nach 53 Jahren und 53 111 Geburten.
  • Frauenklinik und Geburtshilfe ziehen von Neuperlach nach Harlaching um, wo 26 Beleghebammen und 29 angestellte Hebammen künftig arbeiten werden.
  • Das komplette Team aus 34 Ärzten und 18 Hebammen wechselt mit nach Harlaching, sechs Hebammen kündigten im vergangenen halben Jahr.
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In 53 Jahren sind im Neuperlacher Krankenhaus 53 111 Kinder zur Welt gekommen. Nun endet eine Ära. Frauenklinik und Geburtshilfe ziehen nach Harlaching um.

Von Nicole Graner

Anlass waren die Olympischen Sommerspiele 1972. In diesem Jahr wurde in Neuperlach das städtische Krankenhaus mit Frauenhilfe und Geburtshilfe eröffnet. In 53 Jahren fanden dort 53 111 Geburten statt. Im Neuperlacher Kreißsaal wurden damit fast so viele Babys geboren, wie aktuell Menschen im Stadtteil Neuperlach leben. Das letzte Baby hat dort am Montag um 10.55 Uhr das Licht der Welt erblickt. Denn fortan finden keine Geburten mehr in Neuperlach statt: Frauenklinik und Geburtshilfe ziehen in den nächsten Tagen in die München Klinik (Mük) Harlaching um.

Umzugskisten stehen auf der Station. Da und dort wird gepackt. Doch im Zimmer 4C62 bekommt man davon nichts mit. Ein kleines Bündel Glück liegt in den Armen seiner Mutter: Juno Aurora. 3370 Gramm schwer. Das Mädchen hat die Händchen zu winzigen Fäustchen geballt und schläft – mit großen Augen bestaunt von der Schwester. Um ganz nah bei dem Baby zu sein, hat sich die dreijährige Eden einfach gleich ins Bett neben Mama Christina gekuschelt.

Die 33-Jährige wollte unbedingt in Neuperlach entbinden. „Mir hat es hier schon bei der Anmeldung gut gefallen“, sagt sie und ist begeistert, in was für einer „herzlichen Atmosphäre“ sie dann auch aufgefangen war. Bis acht Uhr morgens konnten am Montag noch werdende Mütter auf der Geburtsstation Neuperlach angenommen werden. „Aber wir kamen zum Glück um 6.20 Uhr gerade noch rechtzeitig“, sagt Papa Yuri und lacht. Juno Aurora habe deutsche, koreanische und italienische Wurzeln, erzählt er. Juno bedeute „Beschützerin“ und Aurora stehe für die Morgendämmerung. Für einen neuen Tag.

Das letzte Baby. „Ein sehr schönes Gefühl“, sagt Hebamme Sabine Sieber, die Juno Aurora mit auf die Welt gebracht hat. Sie lächelt glücklich, aber Wehmut schwingt in ihrer Stimme mit. Wie bei allen Hebammen. „Überall auf der Station hat man diesen Abschiedseffekt“, sagt die leitende Hebamme Helene Schmidt.

Lange hatten sich die Neuperlacher Hebammen dafür eingesetzt, dass die Geburtsstation erhalten bleibt. Die Sorge, dass der Wegfall eine geburtshilfliche Versorgungslücke reißen könnte, war groß. Auch wie die fest angestellten Hebammen aus Neuperlach mit den Beleghebammen aus Harlaching künftig gemeinsam auf einer rechtlich sicheren Basis arbeiten können.

In vielen Workshops haben die Hebammen beider Kliniken seit Dezember 2024 an einer neuen Organisationsstruktur gearbeitet. Nun gibt es ein „duales Betriebsmodell“, wie Isabell Böttrich sagt. Die leitende Hebamme an der München Klinik Schwabing hat als Projektleiterin den Findungsprozess geführt. „Ich bin stolz darauf, dass uns das geglückt ist“, sagt die 39-Jährige. Jetzt werde bei der Aufnahme einer Schwangeren in Harlaching gleich festgelegt, von wem die Frau während der ganzen Geburt begleitet werde: von einer fest angestellten Hebamme oder einer Beleghebamme. Eine Mischung der Systeme dürfe „aus rechtlichen Gründen nicht stattfinden“. Die Geburten würden, erklärt Böttrich weiter, auf „Basis der Geburtenhistorie beider Häuser fair verteilt“.

Gepackte Umzugskartons: Die Wehmut, nach 53 Jahren die Klinik Neuperlach zu verlassen, ist groß. Doch das Team um Christoph Scholz (Mitte), Chefarzt der Frauenklinik, blickt in die Zukunft. (v. l.): die Leiterin der Wochenbettstation, Christa Dengel-Lederer, Bereichsleiterin Susanne Boekhoff, Oberärztin Anna-Lena Nussbaum und Hebamme Denise Schwaier.
Gepackte Umzugskartons: Die Wehmut, nach 53 Jahren die Klinik Neuperlach zu verlassen, ist groß. Doch das Team um Christoph Scholz (Mitte), Chefarzt der Frauenklinik, blickt in die Zukunft. (v. l.): die Leiterin der Wochenbettstation, Christa Dengel-Lederer, Bereichsleiterin Susanne Boekhoff, Oberärztin Anna-Lena Nussbaum und Hebamme Denise Schwaier. (Foto: Robert Haas)

Der Umzug der Frauenklinik und der Geburtshilfe noch im Dezember stieß auf Kritik bei den Hebammen in Neuperlach. „Dass man bei Veränderungen mit Unsicherheit reagiert, verstehe ich menschlich sehr gut“, sagt Susanne Boekhoff.  Aber die Bereichsleiterin findet es „sehr positiv“, dass die Zusammenführung beider Teams schon vor dem großen Umzug der alten in die neue Harlachinger Klinik erfolge. „Beide Teams haben sich dann schon ihre Standards erarbeitet, und die Abläufe funktionieren bereits.“

Ein voll besetztes Team mit 18 Hebammen zieht von Neuperlach mit nach Harlaching um. Sechs machen den Wechsel nicht mit. Sie haben laut Boekhoff im vergangenen halben Jahr gekündigt. In Harlaching arbeiten dann künftig insgesamt 26 Beleghebammen und 29 angestellte Hebammen.

Nun sind Frauenklinik und Geburtshilfe für sechs Monate vorübergehend in einem Bestandsgebäude der München Klinik Harlaching untergebracht. Im Juli werden sie endgültig ihre Räume in der neuen Klinik beziehen, von 15. Dezember an stehen dem Team im Interimsgebäude sechs Kreißsäle und sechs Wehenzimmer zur Verfügung. Später sind es in der neuen Klinik sechs Kreißsäle und ein eigener OP für Kaiserschnitte.

„Klar ist das jetzt eine große Anstrengung, alles gut hinzubekommen“, sagt Christoph Scholz. Der Chefarzt der Frauenklinik Neuperlach sieht aber vor allem die „Chance“, die der Umzug mit sich bringt. „Wir haben jetzt sechs Monate Zeit, dort alle Details zu steuern“, sagt er und nennt „die Verzahnung“ beider Frauenkliniken einen „positiven Aufbruch“. Schon jetzt arbeiteten die ärztlichen Teams aus Neuperlach und Harlaching miteinander. Sein Team bestehe aus 34 Ärztinnen und Ärzten. „Alle gehen nach Harlaching mit“, sagt Scholz. Wie auch alle Pflegefachkräfte der Wochenbettstation.

Der Umzug von Neuperlach nach Harlaching ist Juno Aurora mit Sicherheit egal. Für sie kann es ohnehin nur einen Umzug geben: den nach Hause.

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