Im kommenden Jahr hätte es ihn genau 50 Jahre lang gegeben, den "Austernkeller" in der Stollbergstraße 11. Doch ruft man jetzt die Telefonnummer des alteingesessenen Lokals an, so hört man nur noch eine Bandansage: "Nach nunmehr fast 50 Jahren in der Stollbergstraße müssen wir mit großem Bedauern unseren Geschäftsbetrieb ab sofort und dauerhaft einstellen." Die tiefe Enttäuschung ist der Stimme deutlich anzuhören.
Seit 1974 war das Kellerlokal südlich der Maximilianstraße auf die klassische französische Küche spezialisiert gewesen. Wie der Name schon sagte, gab es natürlich Austern und viele andere Meeresfrüchte und Fische - aber keineswegs nur die. Von der "französischen Zwiebelsuppe La Gratinée" und den "Weinbergschnecken mit Knoblauchbutter in Tontöpfchen" bis hin zum gebratenen Lammcarrée mit Thymianjus gab es einen breiten Querschnitt durch die französische Küche.
Bekannt war der "Austernkeller" aber vor allem für seine Gerichte mit Fisch und Meeresfrüchten, idealtypisch verkörpert in der klassischen Bouillabaisse, hier zumeist mit Filets von Dorade, Lotte und Viktoriabarsch. Laut SZ-Kostprobe von 2017 hat im Austernkeller "die von Frankreich geprägte kulinarische Kultur der Siebzigerjahre erstaunlich korrekt überlebt". Der Kritiker Felix Mostrich merkte noch leicht spöttisch an: "Auch das nicht mehr ganz junge Personal im weißen Dress agiert noch so zeremoniell, als würde es in einem der ersten deutschen Sterne-Lokale der Siebzigerjahre Dienst tun."


Nun hat die Zeitreise in der Altstadt leider ein Ende gefunden. Tatsächlich hat eine ganze Reihe von Faktoren die Schließung des "Austernkellers" bewirkt und war ausschlaggebend dafür, dass die Inhaber Alexander und Brigitte Knobl nicht mehr weitermachen wollten und konnten. Knobl war selbst ein Mann der ersten Stunde, er hat 1974 im "Austernkeller" seine gastronomische Karriere begonnen und das Restaurant 2007 dem Vorbesitzer abgekauft.
"Hummer kostet seit der Herbstsaison sehr viel mehr als früher, es ist der Wahnsinn"
"Die 50 Jahre hätten wir schon noch gerne gefeiert", sagt er am Telefon. Aber es war immer ein Geschäft mit Schwankungen; ein Kellerlokal ohne Freischankfläche macht sein Hauptgeschäft naturgemäß im Winter und Frühjahr, und gerade da gab es in den vergangenen Jahren Lockdowns in der Gastronomie. "Die Unterstützungszahlungen für 2021 sind immer noch nicht bei uns angekommen", sagt Knobl, "wir mussten erst erklären, warum wir im Sommer so wenige Einnahmen haben. Bei uns ist praktisch zweimal die Hauptsaison weggefallen."
Außerdem hatte das Lokal nach dem letzten Lockdown ebenso wie viele andere mit Personalproblemen zu kämpfen, und auch die Preissteigerungen machten ihm bald zu schaffen: "Hummer kostet seit der Herbstsaison sehr viel mehr als früher, es ist der Wahnsinn."
Schließlich kamen noch neue Auflagen der städtischen Behörden hinzu, die Räumlichkeiten müssten umfangreich renoviert werden. Dazu sind wiederum die Hauseigentümer nicht bereit, und die Inhaberfamilie des Restaurants könne das finanziell allein nicht stemmen: "Das rentiert sich einfach nicht." Das deutet jedenfalls darauf hin, dass in die Stollbergstraße 11 nach dem "Austernkeller" nicht wieder ein Restaurant einziehen wird.


