Süddeutsche Zeitung

Was läuft in der Kunst?:Spannende Ausstellungen im April

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Endlich geht das Bergson Kunstkraftwerk an den Start und auch die Archäologische Staatssammlung wird nach langer Sanierung eröffnet. Derweil wird im Haus der Kunst mit Licht und Wellen experimentiert und das Lenbachhaus lädt in ein Metaversum ein.

Von Evelyn Vogel

Was auch immer in der ersten Aprilhälfte an neuen Ausstellungen in München eröffnet wird - und da sind ein paar spannende dabei -, überstrahlt wird alles von zwei großen Kulturereignissen, auf die viele lange gewartet haben. Am 9. April wird endlich das neue Bergson Kunstkraftwerk in Aubing seine kulturelle Eröffnungskaskade zünden, die bis in den Herbst reichen wird. Die ersten Termine haben zwar vor allem mit Musik und Kulinarik zu tun, aber das ganze Ding ist ja ein Gesamtkunstwerk, das sich peu à peu zu entdecken lohnt. Am 7. Mai soll dann auch die Galerie in den Silos mit einer Ausstellung von Monira Al Qadiri eröffnen und am 12. Juli die Galerie im Neubau vorgestellt werden. Das wird ein ganz großes Ding für den von kulturellen Höhepunkten nicht gerade verwöhnten Münchner Westen.

Das zweite Großereignis ist die Wiedereröffnung der Archäologischen Staatssammlung, die nach dem Staatsakt am 16. April mit Politprominenz vom 17. April an fürs Publikum zugänglich sein wird. Nach acht Jahren Bauzeit und einer Investition von 66 Millionen Euro ist der Bau generalsaniert und bietet viel Platz für die mehr als 15 000 Objekte der Vor- und Frühgeschichte. Doch muss keiner wie Indiana Jones mit Spitzhacke und Schaufel unterwegs sein, um die Schätze zu heben. Das besorgen hier digitale und interaktive Nutzerstationen sowie Klanginstallationen. Spannend dürfte werden, was in dem neuen unterirdischen Sonderausstellungsraum gezeigt werden wird. Und wer mal eine Pause braucht: Es gibt auch ein Museumscafé und eine neue Rooftop Bar. Könnte launig werden.

Aber wie schon erwähnt gibt es in dieser ersten Aprilhälfte auch ein paar tolle singuläre Neustarts in Museen. Wer das Werk der 1939 in New York geborenen Künstlerin Liliane Lijn kennenlernen will, hat dazu vom 5. April an Gelegenheit (bis 22. September). Unter dem Titel "Arise Alive" zeigt das Haus der Kunst Arbeiten aus sechs Jahrzehnten, die von surrealistischen Ideen, antiken Mythologien, dem Feminismus und Wissenschaftsströmungen beeinflusst sind und mit elektronischen Wellen, Vibrationen, Licht und Klang arbeiten.

Wem das noch nicht abgedreht genug klingt - das Lenbachhaus kann noch eins draufsetzen. Denn dort lässt sich unter dem Titel "Meta-mentary" vom 13. April an das Metaversum der 1978 in Guangzhou geborenen, in Beijing lebenden Multimedia-Künstlerin Cao Fei erkunden. Schon früh hat sie sich in ihrem Werk, vor allem in ihren mitunter dystopischen Filmen, dafür interessiert, wie Digitalisierung und Globalisierung urbane Strukturen und Lebensräume verändern. Was vermutlich damit zusammenhängt, dass sie in einer chinesischen Region aufwuchs, die von rasantem Wirtschaftswachstum und größenwahnsinniger städtebaulicher Entwicklung geprägt war. Dazu kam, dass Popkultur, Computerspiele, Unterhaltungselektronik und neueste Technologien Teil ihrer Kindheit und Jugend waren, was sich direkt auf ihre Bildwelt auswirkte.

Inzwischen taucht sie nicht nur mithilfe ihrer Avatare in dieses Metaversum ein, sie überträgt ihre Erlebnisse auch in einen digitalen Raum aus virtueller, erweiterter und physischer Realität. Eine Hyperrealität, die poppig und bunt, skurril und fantastisch, zugleich aber auch bedrohlich und mitunter beängstigend wirken kann. Eine unglaubliche Entdeckungsreise.

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