Ausstellung:Augen auf im Paradies

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Ausstellung: "Nachts im Paradies": Eine Skizze aus dem Comic von Frank Schmolke ist nun neben weiteren Zeichnungen im HP8 zu sehen.

"Nachts im Paradies": Eine Skizze aus dem Comic von Frank Schmolke ist nun neben weiteren Zeichnungen im HP8 zu sehen.

(Foto: Marcus Antritter)

Im HP8 läuft eine Ausstellung mit Werken des Münchner Comic-Künstlers Frank Schmolke, der bei der Eröffnung auch so einiges über seine aktuellen Projekte verriet.

Von Jürgen Moises, München

Wenn gegen Mitternacht auf dem Oktoberfest die Zelte schließen, dann ist es wieder soweit. Eine Horde schwankender Gestalten verlässt die Theresienwiese und fällt über die Stadt her. Eine Szene wie aus einem Zombie-Film. Zumindest hat man sich das ab und zu gedacht. In einer Ausstellung in der Münchner Stadtbibliothek im HP8 kam man es nun auch genauso sehen. Das heißt: die Betrunkenen als Monster mit gespenstischen Fratzen, die vom Festzelt in Richtung Bavaria wanken. Der Münchner Zeichner Frank Schmolke hat sie so dargestellt, in seinem großartigen Comic "Nachts im Paradies". Daraus sind in der Ausstellung ausgesuchte Seiten und Szenen zu sehen, genauso wie aus Schmolkes letztem Werk: einer Adaption von Sebastian Fitzeks Thriller "Der Augensammler".

"Zerbrochene Menschen und ein kaputter Held" heißt die von Michael Khambekar vom Comicfestival München kuratierte Schau, die mit "Nachts im Paradies" und "Der Augensammler" Schmolkes wichtigsten und seinen bisher erfolgreichsten Comic zusammenführt. Der erstgenannte bescherte dem 1967 in München geborenen Zeichner vor drei Jahren den Durchbruch und wird aktuell vom Streamingdienst Starzplay als Serie verfilmt. In der Hauptrolle des Taxifahrers Vincent: Jürgen Vogel. Das Drehbuch wurde von Matthias Glasner ("Der freie Wille", "Das Boot") und Hannah Schopf ("Tiger Girl") verfasst. Neben Vogel sind unter anderen Lea Drinda und Birgit Minichmayr in der Serie zu sehen, deren erste Staffel im nächsten Jahr laufen soll.

Während Schmolke in "Nachts im Paradies" seine Erfahrungen aus 30 Jahren Taxifahren destillierte und diese mit einer fiktiven Crimestory verband, war "Der Augensammler" eine Auftragsarbeit. Auch der Stil ist etwas anders. Die Neo-Noir-Taxifahrer-Ballade ist geprägt von einem kräftigen Schwarzweiß, wirkt optisch ruppiger und rauer. Vieles davon beruht auf spontanen Skizzen, von denen man in der Ausstellung fünf sieht: drei Miniaturen von einer "Füchsin", einem "Frettchen" und einem "Helmkasuar", die im Taxi sitzen. Eine rauchende Frau. Und eine bisher unveröffentlichte Skizze von Vincent mit Taxi vor einem Riesenrad. Beim "Augensammler" gibt es mit Blau, Gelb, Rot auch bunte Farben, das Ganze wirkt opulenter, aber ebenfalls recht düster.

Ausstellung: Frank Schmolke bei der Eröffnung der Ausstellung im HP8.

Frank Schmolke bei der Eröffnung der Ausstellung im HP8.

(Foto: Marcus Antritter)

Als die Anfrage vom Splitter-Verlag für eine Fitzek-Adaption kam, da habe er erstmal "lange überlegt". Das war von Schmolke bei einem Künstlergespräch bei der Eröffnung zu erfahren. Er kannte Fitzeks Namen, aber nicht seine Bücher, und als er sie las, kam er damit auch "nicht so klar". Schließlich war es seine Tochter, die sagte: "Spinnst du, du musst das machen, er hat so viele Fans." Danach folgte ein harter "Ritt", er habe nur noch gearbeitet und sogar im Atelier geschlafen, verriet Schmolke. Aber das Schöne: "Splitter gab mir alle Freiheiten". Und am Ende habe sogar Fitzek nur "zwei kleine Korrekturen" gemacht.

Aktuell arbeitet Schmolke für die Archäologische Staatssammlung

Mit "Trabanten" und "Freaks" ging es auch noch um zwei weitere Comics. Schmolke erzählte, dass er als Zeichner und Illustrator jahrelang vor sich "hin krebste" und seinen jetzigen Erfolg kaum glauben kann. Dazu gehört mit "Der Augenjäger" eine weitere Fitzek-Adaption, die er dem Splitter-Verlag zugesichert hat. Die er wegen eines weiteren Auftrags aber aktuell zurückgestellt hat. Denn bis kommenden Mai wird Schmolke die Dauerausstellung der aktuell wegen Generalsanierung geschlossenen Archäologischen Staatssammlung gestalten. Deren Leiter Rupert Gebhard sei Comic-Fan, erzählte Schmolke. Er habe bereits eine große "Schlachtenszene" gemalt und sich ansonsten die Serie "Es war einmal...der Mensch" als loses Vorbild genommen. "Das ist der Wahnsinn", so Schmolke über die Arbeit, auf deren Ergebnis man gespannt sein kann.

Zerbrochene Menschen und ein kaputter Held, bis 3. Okt., Münchner Stadtbibliothek im HP8, Hans-Preißinger-Str. 8

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