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Fotografie:Richtige Schönheiten einer falschen Welt

Christian Schmid porträtiert leere Clubs und Kneipen zu Zeiten der Ausgangsbeschränkung. Nun sind seine Bilder im Farbenladen zu sehen, wo er sie zum guten Zweck verkauft.

Von Bernhard Blöchl

Ein leerer Club in der Nacht ist wie ein Fußballstadion ohne Fans. Trostlos. Nun haben Kulturbühnen, Bars und Kneipen nicht annähernd eine vergleichbare Lobby wie Bundesligamannschaften (zudem das Problem der Enge), weshalb es für Musik-Clubs noch immer keine Perspektive im Pandemie-Schlamassel gibt. Daran wird auch der Münchner Grafikdesigner Christian Schmid nichts ändern können, so sehr er sich das wünscht. Aber ein bisschen finanzielle Hilfe, noch mehr Trost und, vor allem, Aufmerksamkeit kann er mit seinem Fotoprojekt "Geschlossene Gesellschaft" durchaus schenken.

Seit Anfang Mai fotografiert der 42-Jährige unter diesem Motto Münchner Clubs und Bars, nachts, von außen, auf Distanz. Auf Instagram und seiner Website sind die Bilder seitdem zu sehen, inzwischen gibt es auch Ausstellungen zum Projekt. Die Werke sind richtige Schönheiten einer falschen Welt, Dokumente des nie Geahnten. Sie zeigen leere Kulissen und Fassaden, Szenerien, wo sich normalerweise Menschen begegnen, dicht an dich, rauchend, lachend, Schlange stehend. Die neue Leere wirkt surreal. Zum Beispiel der einladend erleuchtete Durchgang zum Harry Klein, oder die nicht besetzten Bänke vor der Milla, die verlassene Alte Utting. In Sendling, unmittelbar in der Nähe des Vergnügungsdampfers, ist das erste Bild entstanden: die Boazn "Zur Gruam". Bisher sind es 86 Fotos, die Christian Schmid mit Kamera und Stativ kreiert hat. Die Auswahl reicht von Blitz und Backstage über Feierwerk und Flaschenöffner, bis Milchbar und Unter Deck. Zuletzt kam die Unhaltbar dazu. Das Besondere an Schmids bedrückend schöner Fotoserie: Mit dem Erlös der Fotoabzüge (je nach Format ab 40 Euro) unterstützt er die Clubs. Herstellungskosten und Versand abgezogen, wird das Geld komplett weitergereicht, verspricht er. Einen vierstelligen Betrag hat der selbständige Grafikdesigner und Art Director auf diese Weise schon gesammelt.

Förderlich dürfte nun die Ausstellung sein, die am Samstag, 5. September, um 16 Uhr im Farbenladen eröffnet wird. Bis 27. September können Besucher alle 86 Motive aus der Nähe betrachten und quasi direkt von der Wand kaufen. Der Eintritt ist frei. Parallel dazu läuft noch eine kleinere Ausstellung: In der Boulangerie Dompierre, Schellingstraße 10, sind noch bis Herbst 20 Bilder aus der Reihe "Geschlossene Gesellschaft" zu sehen. Eine Fotobuch ist in Arbeit.

Christian Schmid: Geschlossene Gesellschaft, Sa., 5., bis So., 27. Sep., Do.-Sa. 16-21 Uhr, So. 13-18 Uhr, Farbenladen/Feierwerk, Hansastr. 31, Eintritt frei; www.schmidchristian.com, www.instagram.com/geschlossenegesellschaft.muc

© SZ vom 02.09.2020

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