bedeckt München 22°

Nachruf auf David Dushman:Der letzte Befreier von Auschwitz ist tot

Ipad Nachruf David Dushman, 2015

David Dushman, einer der Befreier von Auschwitz, in seiner Münchner Wohnung.

(Foto: Stephan Rumpf)

Als junger Mann walzte er mit einem Panzer der Roten Armee den Elektrozaun des Konzentrationslagers Auschwitz nieder. Nun ist David Dushman mit 98 Jahren in einem Münchner Krankenhaus gestorben.

Der letzte lebende Befreier des Konzentrationslagers Auschwitz, David Dushman, ist im Alter von 98 Jahren gestorben. Das bestätigte ein Sprecher der Israelitischen Kultusgemeinde München (IKG) am Sonntag. Dushman sei in der Nacht zum Samstag in einem Münchner Krankenhaus gestorben. Anlässlich seines letzten Geburtstages war er zum Ehrenmitglied der IKG ernannt worden. David Dushman stammte aus der ehemaligen Sowjetunion und kämpfte als Panzerfahrer unter anderem in den Schlachten von Stalingrad und Kursk.

Am 27. Januar 1945 walzte er im Alter von 21 Jahren als Major mit einem Panzer der Roten Armee den Elektrozaun des Konzentrationslagers Auschwitz nieder. "Ich sage Ihnen die Wahrheit. Wir wussten kaum etwas von Auschwitz", sagte er vor einigen Jahren der Süddeutschen Zeitung. Was er damals sah: "Überall Skelette. Aus den Baracken wankten sie, zwischen den Toten saßen und lagen sie. Schrecklich. Wir warfen ihnen alle unsere Konserven zu und fuhren sofort weiter, um die Faschisten zu verjagen." Erst nach dem Krieg erfuhr er vom ganzen Ausmaß des Vernichtungslagers.

Dushman wurde im Krieg dreimal verwundet. Insgesamt erhielt er 40 Orden - doch für die Befreiung von Auschwitz bekam er keinen. "Von 12 000 Mann meiner Division lebten nach Kriegsende noch 69 Soldaten", berichtete er. Nach dem Krieg trainierte er von 1952 bis 1988 als Fechttrainer die Frauennationalmannschaft der Sowjetunion. Dabei erlebte er auch den Terroranschlag auf die israelische Mannschaft beim Olympia-Attentat 1972 in München mit. Sein Quartier lag genau gegenüber dem der Israelis.

Als Zeitzeuge trat Dushman später an Schulen auf und erzählte seine Geschichte. Anlässlich seines 95. Geburtstag resümierte Charlotte Knobloch, die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde: "Was Sie an physischen und seelischen Schmerzen erleiden mussten, aber auch, was Sie an Großartigem geleistet haben und welche außergewöhnlichen Erfolge Sie feiern konnten - das reicht eigentlich für drei Leben", heißt es auf der Seite der IKG.

Dushman lebte seit 1996 in München, nach dem Tod seiner Frau Zoja zuletzt vereinsamt in Neuperlach. Bis ins hohe Alter trainierte Dushman noch dreimal in der Woche mit dem Degen: "Du musst schnell denken, wissen, was der Gegner machen wird, und ihn täuschen."

© SZ vom 07.06.2021 / dpa/bas
Zur SZ-Startseite

Gedenken an NS-Opfer
:"Jeder Mensch hat einen Namen"

Das Stadtarchiv hat die Geschichten von Tausenden Münchner Jüdinnen und Juden während der NS-Zeit gesammelt. Die Schicksale lassen sich nun in einem digitalen Gedenkbuch nachlesen.

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB