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Kriminalität:Die Artefakte der Mafia

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Auch von der Weltkulturerbestätte Agrigent sollen Kunstschätze illegal ausgegraben und mit gefälschten Zertifikaten auf den Kunstmarkt gebracht worden sein.

(Foto: imago/robertharding)
  • Im Rahmen der Anti-Mafia-Operation "Demeter" sind nun auch zwei Münchner Auktionshäuser ins Visier der Ermittler geraten.
  • Hintergrund der Operation sind illegale Geschäfte mit Ausgrabungen bei Caltanissetta und an der Weltkulturerbestätte Agrigent.
  • Nach Angaben italienischer Ermittler wurden antike Vasen, Keramiken, Münzen und Statuetten heimlich nach Deutschland gebracht, mit fiktiven Herkunftsnachweisen versehen und auf den legalen Kunstmarkt gebracht.

Es handelt sich um antike Kunstschätze von größtem kulturellen und wissenschaftlichen Wert. Sizilianische Kriminelle haben sie unter anderem an der Weltkulturerbestätte Agrigent illegal ausgegraben und dann mit gefälschten Zertifikaten in den Kunsthandel eingespeist - via München. Gegen zwei Münchner Auktionshäuser wurden deshalb Ermittlungen eingeleitet. Das geht aus dem jüngsten Anti-Mafia-Bericht hervor, den das italienische Innenministerium in halbjährlichem Abstand dem Parlament in Rom vorlegt. Die Staatsanwaltschaft München I will "aus ermittlungstaktischen Gründen und aus Gründen der internationalen Zuständigkeit" keine nähere Auskunft geben.

Die Ermittlungen in München basieren auf einem italienischen Rechtshilfeersuchen im Rahmen der "operazione Demetra", der Anti-Mafia-Operation Demeter. Nach Angaben der zuständigen Direzione Investigativa Antimafia (DIA) schlugen die Beamten des Kulturerbeschutzkommandos bereits am 4. Juli vergangenen Jahres zu. Zunächst hatte es laut italienischem Kulturgüterministerium so ausgesehen, als sei man einer nur in Italien operierenden Gruppe auf der Spur, die schon seit Jahrzehnten archäologische Ausgrabungsstätten bei Caltanissetta und Agrigent plünderte und die Funde an wohlhabende Sammler in Norditalien verkaufte, die sich der illegalen Herkunft der Waren bewusst gewesen seien. Seit 2014 war die Spezialeinheit hinter der Bande her.

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Doch nach und nach wurde die internationale Dimension des Falles deutlich. Eine von London aus gesteuerte kriminelle Holding habe "dank eines komplexen logistisch-operativen Netzwerks zwischen Italien, Spanien und Deutschland ... beträchtliche Mengen des archäologischen Erbes Siziliens" außer Landes geschafft. Die Rede ist von mehr als 20 000 archäologischen Objekten mit einem Marktwert von mehr als 40 Millionen Euro.

Kuriere brachten die antiken Vasen, Keramiken, Münzen und Statuetten heimlich nach Deutschland, dort wurden sie nach offiziellen italienischen Angaben durch fiktive Herkunftsnachweise "gewaschen" und auf den legalen Kunstmarkt gebracht. Und zwar, so der Vorwurf der Ermittler, durch in München tätige Auktionshäuser. Um die Gewinne weiter zu steigern, gehörten zu der in der sizilianischen Provinz Caltanissetta beheimateten Mafia-Bande auch Fälscher mit eigenen Werkstätten bei Catania und Riesi. Das heißt: Offenbar gelangten so nicht nur illegal ausgebuddelte, sondern auch nachgemachte Antiken in den Kunsthandel.

Neben zahlreichen Haftbefehlen und Hausarresten, die auf Sizilien vollstreckt wurden, ließen die italienischen Behörden auch drei Personen mit Europäischem Haftbefehl festnehmen, darunter einen im baden-württembergischen Ehingen lebenden Sizilianer. Dort wurden im Rahmen eines Europäischen Ermittlungsbefehls 30 000 Euro in bar sichergestellt. Koordiniert wurde die Aktion von den EU-Sicherheitsbehörden Europol und Eurojust. Die Ermittler, so das italienische Kulturministerium weiter, hätten zahlreiche archäologische Funde sichergestellt, unter anderem römische Silbermünzen, die einer der Festgenommenen noch in der Tasche hatte. "In zwei großen Münchner Auktionshäusern" seien Untersuchungen angelaufen, so das Kulturgüterministerium über die Aktion vor einem Jahr.