Was läuft in der KunstDie besten Ausstellungen in München und Augsburg im August

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Felix Hörhagers poetischer Kosmos im WOW Museum öffnet ein Tor zum Universum – zumindest digital.
Felix Hörhagers poetischer Kosmos im WOW Museum öffnet ein Tor zum Universum – zumindest digital. Sophie-Charlotte Bombeck

In München kann man in die Vergangenheit reisen und das Universum betreten, in Augsburg Störgeräuschen nachspüren und Schmusekätzchen anschmachten.

Von Evelyn Vogel

Nachdem die Münchner Museen im Juli ein wahres Feuerwerk gezündet und sehr viele Ausstellungen eröffnet haben, wird es im August und September deutlich ruhiger – um nicht zu sagen sehr ruhig. Aber beinahe alles, was vor der Sommerpause eröffnet wurde, ist mindestens bis zum Spätsommer oder noch länger zu sehen. Wer also in der Ferienzeit nicht groß verreist, hat viel Auswahl.

Zunächst ein Blick in ein Münchner Museum, das nicht unbedingt zu den Blockbustern zählt, aber immer wieder wissenschaftliche Forschung mit interessanten kleinen Ausstellungen verbindet: dem Museum für Abgüsse Klassischer Bildwerke. Die Wanderausstellung Ein gut Theil Eigenheit wurde von AktArcha auf die Beine gestellt, einem interdisziplinären Projekt zwischen Archäologie, Geschlechter- und Wissenschaftsgeschichte sowie Public History. Sie spürt den Lebenswegen früher Archäologinnen nach.

Denn lange bevor Frauen an den Universitäten zugelassen waren und Archäologie als akademisches Fach etabliert war, waren Frauen als Altertumskundlerinnen und Archäologinnen unterwegs. Manche dieser Frauen wie die prähistorische Archäologin, Museumsdirektorin und Professorin Johanna Mestorf, auf die der Titel der Ausstellung zurückgeht, waren zu ihrer Zeit wegen ihrer Fachkenntnis und ihrer wissenschaftlichen Arbeit sehr geschätzt. Andere blieben allzu oft im Schatten ihrer Ehemänner oder Vorgesetzten. Heute sind fast alle vergessen. Das will die Ausstellung (bis 19. September) anhand von neun Lebensläufen von Archäologinnen ändern. In München wurde die Präsentation um die Biografie der klassischen Archäologin Ingeborg Scheibler erweitert. Sie hat die Münchner Sammlung in den Jahren des Wieder­aufbaues von 1966 bis 1991 geleitet und geprägt.

Noch ein paar Kurztipps, bevor wir uns aus München hinausbewegen: Wer die Jahresausstellung der Kunstakademie bisher nicht gesehen hat, muss sich sputen. Diese ist nur noch bis einschließlich diesen Sonntag, 3. August, bis 20 Uhr zu sehen. Und noch bis 10. August verwandelt der Münchner Medienkünstler Felix Hörhager das WOW Museum mit seinem Spaceprojekt in eine visuelle Reise durch Raum und Zeit. Bei diesem immersiven Erlebnis gibt es ein Labyrinth voller Sterne, poetische Bilder aus dem All und ein Portal ins Universum zu erkunden. Ein wenig mehr Zeit, nämlich bis 7. September, hat man, um die Künstler-Biennale im Haus der Kunst zu erleben. Im Mittelpunkt dort: Arbeiten von internationalen Künstler-Duos wie Christo und Jeanne-Claude, Elmgreen & Dragset und Fischli/Weiss oder auch Empfangshalle aus München.

Und damit auf nach Augsburg, denn auch die Fugger-Stadt hat ausstellungstechnisch einiges zu bietet. Für Spontane wäre an diesem Samstag, 2. August, um 18.30 Uhr die Eröffnung der Ausstellung Interceptible Flutter im Augsburger Kunstverein zu empfehlen. Etliche der dort ausstellenden Künstlerinnen und Künstler sind auch aus der Münchner Szene bekannt. Cana Bilir-Meier, Philipp Hoelzgen, Eunju Hong, Jonas Höschl, Valerie Prinz, René Radomsky, Sophie Thun, Michael Wegerer und Anna Witt setzen sich mit dem Entstehen von Fotos auseinander: Wie wer posiert, mit der Kamera interagiert, wann man abdrückt, wie und wo man publiziert, speichert und – Instagram, Tiktok & Co. lassen grüßen – veröffentlicht. Das alles ist zu sehen bis 15. November.

Schmusekätzchen in ihrer ganzen doppeldeutigen Bedeutung: Martin Eders poppig buntes Gemälde „Elysium Rising“ von 2023.
Schmusekätzchen in ihrer ganzen doppeldeutigen Bedeutung: Martin Eders poppig buntes Gemälde „Elysium Rising“ von 2023. Uwe Walter, © Martin Eder, VG Bildkunst Bonn 2025

Wer nach zeitgenössischer Kunst in Augsburg Ausschau hält, wird natürlich auch im Glaspalast fündig. Nicht nur im privaten Kunstmuseum Walter, sondern auch in der Galerie Noah, wo vor einigen Tagen die Ausstellung PSYCHO? Augsburg crazy on canvas! eröffnet hat. In der Gruppenausstellung sind bis 12. Oktober Werke von zehn Künstlerinnen und Künstlern zu sehen. Darunter auch herrlich trashige Bilder des Malers Martin Eder.

Die Arbeit „dÜstopia“ von Gülbin Ünlü, wie sie 2021 in der Artothek München zu sehen war.
Die Arbeit „dÜstopia“ von Gülbin Ünlü, wie sie 2021 in der Artothek München zu sehen war. Gülbin Ünlü

Im H2 – Zentrum für Gegenwartskunst im Glaspalast ist eine weitere Münchner Künstlerin zu Gast, die ein inhaltliches Schwergewicht ist: Gülbin Ünlü. Sie hat dort nicht nur eine Einzelausstellung bis 2. November, sie ist auch die aktuelle Preisträgerin des Augsburger „Zeitsicht Art Award“. Der wurde ihr vor wenigen Tagen bei der Eröffnung ihrer Ausstellung „really?“ verliehen. In „really?“ geht es um Stör-Momente. Die klingen schon beim Lesen des Titels an: von ungläubigem Erstaunen über ein sich Lustig machen bis hin zur sarkastisch-wütenden Zustimmung schwingt da alles mit. Reichlich Abwechslung also.

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