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München:Auf der Strecke geblieben

Autobahn A96 Blick vom Blumenauersteg

Hohes Tempo, viel Lärm: Die Wohngebäude in der Blumenau (rechts im Bild) stehen dicht an der Autobahn - die Bewohner leiden an ihr.

(Foto: Catherina Hess)

Die Autobahnen im Stadtgebiet sind neuerdings größtenteils auf 60 Stundenkilometer beschränkt. Aber westlich der Ausfahrt Blumenau gilt weiter Tempo 80. Dort bleibt nur die Hoffnung, dass der Flüsterasphalt bald erneuert wird

Von Berthold Neff

Wer auf einer Autobahn dahinbrettert, ist vor allem eines: schnell und laut. Bisher war es so, dass man auch auf den innerstädtischen Autobahnstrecken ungestraft flott mit Tempo 80 unterwegs sein durfte, was die Anwohner entlang dieser Rennstrecken tagsüber nervte und ihnen nachts den Schlaf raubte. Immer wieder setzten sich die Bezirksausschüsse (BA) von Hadern, Laim und Sendling-Westpark dafür ein, dass auf diesen Autobahn-Strecken Tempo 60 eingeführt wird.

Nun ist es endlich soweit - aber nur zum Teil: Um die Lärmbelastung der Anwohner an der Autobahn Richtung Lindau (A 96) zwischen dem Autobahnende in Sendling und der Anschlussstelle Blumenau zu verringern, wurde die Höchstgeschwindigkeit in diesem Abschnitt in beiden Richtungen generell auf 60 Stundenkilometer festgesetzt. "Wir müssen das Thema Lärmschutz insgesamt stärker gewichten, weil die Menschen immer geräuschempfindlicher werden", sagte Bayerns Verkehrsministerin Kerstin Schreyer (CSU) Mitte März, also sie sich in Neubiberg beim Aufstellen der ersten Schilder für die Tempobegrenzung fotografieren ließ. Nach wie vor bleibt es aber dabei, dass die gesamte Blumenau weiter unter dem Lärm leiden muss, den der Verkehr anrichtet, wenn er mit Tempo 80 unterwegs ist. Josef Seebacher, Pressesprecher der Niederlassung Südbayern der Autobahn GmbH des Bundes, verwies auf schwierige rechtliche Abwägungen.

Nach langwierigen Untersuchungen waren die Experten des Freistaates und des Bundes (der für die Autobahnen zuständig ist) zu dem Schluss gekommen, dass der Lärmpegel nur durch Tempobeschränkung reduziert werden kann. Für den Westen der Stadt kam man zu der Entscheidung, eine Reduzierung der Höchstgeschwindigkeit auf Temo 60 sei "die einzige verhältnismäßige Maßnahme, um die Lärmbelastung der Anwohner zwischen dem Autobahnende in München-Sendling und der Anschlussstelle München-Blumenau zu verringern", so die Behörden des Freistaats. Eine solche Entscheidung, so das Fazit zweier Ministerien, bedürfe einer "sorgfältigen und rechtssicheren Abwägung." Schließlich, so die Begründung , hätten solche Entscheidung möglicherweise weitreichende Auswirkungen auf alle Autobahnen in Ballungsräumen.

Für die Anwohner der Blumenau westlich der Silberdistelstraße sind das keine guten Nachrichten. Ihnen hätte eine Reduzierung auf Tempo 60 eine große Erleichterung gebracht. Nun bleibt für sie alles beim Alten, obwohl sie vom Lärm der Autobahn genauso betroffen sind wie die Wohngebiete entlang der restlichen innerstädtischen Route, von Sendling bis zur Anschlussstelle Blumenau. Im Prinzip gibt es zwei Möglichkeiten, ein geringeres Tempo auf der Autobahn vorzuschreiben, entweder aus Gründen der Verkehrssicherheit oder wegen des Lärmschutzes. Auf der A 96 auf ihrem Weg durch die Stadt hatte man bisher schon ab der Anschlussstelle Laim in Richtung München Tempo 60 festgesetzt und sich dabei auf die Verkehrssicherheit berufen. Nun haben die Behörden auch den Lärmschutz ins Spiel gebracht und für die Strecke zwischen den Anschlussstellen Blumenau und Sendling Tempo 60 gesetzt.

Für den Bezirksausschuss Hadern geht dies nicht weit genug. Man bestehe, so der jüngste Beschluss des Stadtviertel-Gremiums, nach wie vor darauf, dass die Blumenau durch eine Lärmschutzwand oder zumindest durch ein Tempolimit geschützt wird. Die BA-Vorsitzende Renate Unterberg (Grüne) sagte auf Anfrage: "Insbesondere wollen wir immer noch wissen, wo die gesetzliche Grundlage dafür liegt, den Streckenabschnitt von Sendling bis zur Blumenau anders zu behandeln als den von der Blumenau nach Westen, obwohl beide Bereiche innerstädtisch sind, und obwohl auch die Blumenau sehr dicht besiedelt und relativ hoch bebaut ist. Eine rechtliche Verpflichtung des Bundes dafür gibt es nur dann, wenn eine Autobahn ausgebaut wird - was dort nicht der Fall ist. Bleibt also nur als Hoffnung, dass der lärmreduzierende Fahrbahnbelag erneuert wird. Das ist, auf der Fahrbahn stadteinwärts, für die nächsten zwei bis drei Jahren vorgesehen.

© SZ vom 14.04.2021
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