München Auf der Beschleunigungsspur

Der Münchner Verkehrsverbund will die Tangentialverbindungen im Landkreis München stärken - zunächst mit Expressbussen zwischen den S-Bahn-Stationen, später vielleicht mit einer Stadt-Umland-Bahn

Von Martin Mühlfenzl

Die Stadt-Umland-Bahn gehört zu den Untoten in der Verkehrsplanung für die Münchner Peripherie. Zwar wurde nie auch nur ein Meter Schiene des ringförmigen Nahverkehrssystems verlegt, doch in regelmäßigen Abständen ploppt die Idee einer tangentialen Verbindung vor allem durch den Landkreis München immer wieder auf.

Und so hat es die Stadt-Umland-Bahn auch in den neuesten Regionalen Nahverkehrsplan des Münchner Verkehrs- und Tarifverbunds (MVV) geschafft. Als Alternative, beziehungsweise "Vorläuferbetrieb" zu einem auf die Schiene ausgerichteten System schlagen die Verkehrsplaner des MVV vor, ein sogenanntes Bus-Rapid-Transit-System (BRT) aufzubauen, das auf bereits bestehenden tangentialen Buslinien im Regionalbussystem aufbauen könnte. Eine solche Trasse mit "Beschleunigungspotenzial" wäre aus Sicht des MVV der Korridor Eching-Neufahrn-Garching bis zur Technischen Universität im Münchner Norden.

Der Nahverkehrsplan des MVV ist also keine reine Bestandsaufnahme, sondern zeigt auf, wie der öffentliche Personennahverkehr in der Metropolregion künftig aussehen soll - und welche Maßnahmen kurz-, aber auch langfristig den Infarkt des bereits überlasteten Systems verhindern könnten. Eine Stadt-Umland-Verbindung ist dabei nur ein Baustein. Ein Hauptaugenmerk der Planer liegt für den Landkreis München auf dem Ausbau des Regionalbussystems. Schließlich lassen sich mit Bussen am schnellsten und effektivsten Verbesserungen herbeiführen. Etwa mit einer Taktverdichtung wie bei der Linie 210 von Neuperlach Süd über Neubiberg bis Ottobrunn ins Gewerbegebiet Brunnthal Nord, der bis abends durchgehend im Zehn-Minuten-Takt verkehrt - und dank des Umbaus aller Haltestellen in Ottobrunn noch einmal beschleunigt werden kann.

Tangentiale Buslinien sollen ausgebaut und beschleunigt werden. Eine Möglichkeit dazu sind eigene Busspuren.

(Foto: Rene Traut/imago)

Es sind zunächst die kleinen Stellschrauben, an denen gedreht werden soll, um im Landkreis den Verkehr flüssiger, komfortabler und auch innovativer zu gestalten. Querverbindungen zwischen den S-Bahnästen wie die Buslinie 230 von Garching nach Ismaning, die Linie 241 zwischen Haar, Ottobrunn und Taufkirchen sowie die Linie 285 von Ismaning über Feldkirchen nach Haar sind bereits geschaffen worden. Der barrierefreie Ausbau der S-Bahnhaltestellen Höllriegelskreuth (S 7) sowie Feldkirchen und Heimstetten (S 2) ist beschlossen und wird laut Nahverkehrsplan bis spätestens 2023 umgesetzt. Der Umbau des Bahnhofs Ebenhausen-Schäftlarn ist in Planung.

Doch der MVV peilt auch große Lösungen an, um mehr Menschen zum Umstieg auf den öffentlichen Personennahverkehr zu bewegen. Über allem steht dabei der Bau der zweiten Stammstrecke in der Landeshauptstadt, die im Jahr 2026 in Betrieb gehen soll. Noch in diesem Jahr könnte der Spatenstich für die Verlängerung der U 6 vom Klinikum Großhadern bis zum Campus Martinsried erfolgen. Für den vollkommen überlasteten Münchner Norden wird noch in diesem Jahr anhand einer Systemuntersuchung geprüft, ob ein S-Bahn-Nordring die radial auf das Münchner Zentrum zulaufenden S- und U-Bahnlinien entlasten könnte.

Nahverkehrsplan

Der sogenannte Regionale Nahverkehrsplan (RNP) für den Bereich des Münchner Verkehrs- und Tarifverbundes wurde im Jahr 2002 erstmals erstellt. Seitdem wird er im Fünf-Jahres-Rhythmus fortgeschrieben. Die Ausarbeitung eines RNP ist nach dem Gesetz über den öffentlichen Personennahverkehr in Bayern vorgeschrieben, wenn zwischen mehreren Gebietskörperschaften (in diesem Falle der Landeshauptstadt und den Landkreisen) Verkehrsbeziehungen "in erheblichem Umfang" bestehen. Der RNP beinhaltet eine Schwachstellenanalyse der bestehenden Verkehrseinrichtungen sowie eine Prognose des zu erwartenden Verkehrsaufkommens, in ihm werden künftige Projekte und Planungen zusammengestellt, und es werden Verbesserungsmaßnahmen für den ÖPNV angeführt. müh

Was indes - noch - nicht Eingang in den neuen Nahverkehrsplan gefunden hat, ist die Ankündigung der damaligen Verkehrsministerin Ilse Aigner (CSU) vom vergangenen Herbst, den Ausbau der S-Bahn-Außenäste und eine Taktverdichtung vor allem im Landkreis München mit bis zu 15 Millionen Euro jährlich voranzutreiben. Darauf warten vor allem die Pendler im Süden auf den Streckenabschnitten von Höllriegelskreuth bis Wolfratshausen und Höhenkirchen bis Aying auf der Linie S 7 sowie zwischen Deisenhofen und Holzkirchen auf der Linie S 3.

Denn nicht zuletzt das anhaltend gute Wirtschaftswachstum sowie der nicht nachlassende Zuzug in alle Teile des Landkreises bringen den öffentlichen Nahverkehr täglich an oder bereits über seine Kapazitätsgrenze. Im gesamten MVV-Gebiet waren im Jahr 2017 weit mehr als 700 Millionen Menschen mit dem ÖPNV unterwegs, jeden Tag nutzen mehr als zwei Millionen Menschen S-, U-Bahn, Tram oder Bus.

Diese Zahlen bewegen insbesondere den Landkreis München, über weitergehende Lösungen nachzudenken und selbst Konzepte zu entwickeln, die punktuell die Verkehrsproblematik lösen sollen. Hierzu gehören bereits ausgearbeitete Machbarkeitsstudien für eine Stadtbahn etwa von Garching über Unter- bis Oberschleißheim sowie die Verlängerung der U 5 von Neuperlach Süd über Ottobrunn bis Brunnthal Nord. Auch Seilbahnen zum schnellen Transport etwa zwischen Grünwald und Pullach über die Isar und weiter bis ins Hachinger Tal werden von der Kreispolitik ernsthaft erwogen. Und die Stadt-Umland-Bahn bleibt ein Thema: etwa im Osten auf der bisherigen B 471, nachdem diese durch eine Autobahnparallele entlastet worden ist.