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München:Auf dem Abstellgleis

Bahnhof Daglfing

Engpaß: Geschlossene Schranken wie in Daglfing nerven alle.

(Foto: Florian Peljak)

Bahnübergänge, bei denen sich Schiene und Straße unmittelbar kreuzen, verlangen in der ganzen Stadt viel Geduld. 23 dieser Problemstellen gibt es - und daran wird sich vorerst auch nichts ändern

Von ulrike steinbacher

Wenn sich Bahnschranken senken, ist Geduld gefragt: 23 sogenannte höhengleiche Bahnübergänge gibt es noch auf Münchner Gebiet, alle rundherum in den äußeren Stadtbezirken. Beim Warten dort wird sich schon mancher Fußgänger, Radler oder Autofahrer einen Tunnel oder eine Brücke herbeigewünscht haben. Aber nach einem Bericht des Baureferats bleibt an den beschrankten Bahnübergängen der Stadt in den kommenden Jahren alles beim alten. Das Papier teilt die 23 Übergänge zwar grob gesagt in drei verschiedene Kategorien ein. Gemeinsam ist ihnen aber, dass sich vorerst nichts ändert - wenn auch aus unterschiedlichen Gründen.

Am weitesten gediehen ist der Stillstand noch im Fall des Überganges Feldmochinger Straße am Bahnhof Fasanerie, wo sieben Straßen zusammentreffen. Über einen Tunnel wird seit etwa 30 Jahren diskutiert, im März 2014 haben Stadt und DB Netz AG eine Planungsvereinbarung unterschrieben. Das Baureferat hat für seinen Teil des Projektes inzwischen eine Vorplanung entwickelt, muss aber jetzt nach eigenen Angaben warten, bis die Bahn ihre Trassenplanung fertig hat. Denn es ist vom Kreuzungswinkel der Schienen mit der Straße abhängig, wo genau die endgültige Tunneltrasse verlaufen soll. Und das wiederum bestimmt, welche Privatgrundstücke betroffen sein werden, in welche Flächen, die für den Naturschutz relevant sind, eingegriffen werden muss. Inzwischen hat die Bahn immerhin ein Ingenieurbüro mit ihrem Teil der Planung beauftragt, im Frühjahr 2016 sollen Ergebnisse dazu vorliegen. Danach ist ein Workshop geplant, bei dem Bürger stadtgestalterische Wünsche äußern können.

In einer zweiten Kategorie lassen sich die Übergänge zusammenfassen, die erst dann einem Tunnel Platz machen werden, wenn der Umbau der zugehörigen Bahnstrecke ansteht. Die Schranken an der Daglfinger und Englschalkinger Straße etwa sollen verschwinden, wenn die Bahntrasse Richtung Flughafen und Güterbahnhof viergleisig ausgebaut und in einen Tunnel verlegt wird. Dann bekommt die Englschalkinger Straße auch eine gradlinige Verlängerung nach Osten zur Brodersenstraße, der Haken durch das Wohngebiet an der Barlowstraße entfällt. Das hört sich gut an, ein zeitlicher Rahmen für das Projekt ist aber gegenwärtig überhaupt nicht absehbar. Nach Angaben des Baureferates gab es im März ein "vertiefendes Gespräch" zwischen Vertretern der Bahn, der Obersten Baubehörde im Innenministerium, der Stadtkämmerei und des Planungsreferates. Der Stadtrat soll in der zweiten Jahreshälfte informiert werden.

In die Kategorie Umbau bei Ausbau fallen auch die Übergänge an der Hellensteinstraße, am Germeringer Weg und in der Aubinger Lohe, die sich die Bahn erst anschaut, wenn die Strecke München - Lindau modernisiert wird. Zum Germeringer Weg allerdings will jetzt das Planungsreferat der Stadt eine Machbarkeitsstudie in Auftrag geben. Denn die Straße ist eine wichtige Verbindung zwischen Aubing und dem neuen Stadtteil Freiham. Machbarkeitsstudien plant die Stadt auch für die Übergänge an der Lerchenauer und der Lerchenstraße in Feldmoching. Solche Untersuchungen laufen bereits für die Fasangarten- und die Unterhachinger Straße in Perlach. Die Ergebnisse dort sollen noch 2015 der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Gänzlich unverändert - das ist Kategorie Nummer drei - bleiben zumindest vorerst die Bahnübergänge Xaver-Weismor- und Thomas-Hauser-Straße in Kirchtrudering und Brunhamstraße in Neuaubing. Ad acta gelegt sind Pläne für die Übergänge an der Graf-Lehndorff-Straße in Riem und der Wilhelm-Hoegner-Straße in Perlach. Gar nicht zur Debatte stehen die Schranken an der Hochmuttinger Straße, am Industriegleis an der Lerchenauer Straße (beide Feldmoching), an der Berberitzen- und Schittgablerstraße in der Lerchenau, an der Balanstraße im Fasangarten, der Unterbiberger Straße in Perlach, der Arnold-Sommerfeld-Straße in Neuperlach und der Rotkäppchenstraße in Waldperlach.

Die einzige positive Nachricht kommt derzeit aus Freiham: An der Freihamer Allee wird der Bahnübergang derzeit durch eine Unterführung für Fußgänger und Radfahrer ersetzt. Sie kostet 1,5 Millionen Euro und soll in wenigen Wochen fertig sein.

© SZ vom 12.06.2015
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