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München:Händler rüsten sich für die Auer Dult

Von Trödel bis Raritäten gibt es auf der Dult für jeden etwas.

(Foto: Moses Omeogo)

In den kommenden neun Tagen werden Tausende Besucher am Mariahilfplatz erwartet. Und wer noch mal im Russenrad mitfahren will, sollte sich beeilen.

Zeit für ein Gespräch? Nein, sie seien gerade beim Aufbauen, sagt Christine Holfert und rückt die Porzellanfiguren an ihrem Stand mit Volkskunst und Antiquitäten zurecht. Ihr Sohn Christian musste gerade einem Dieb eine Warenkiste wieder abnehmen, die dieser aus dem Transporter entwenden wollte. Und dann kommt es doch zu einer Unterhaltung. Auch Gildo Seifert will gar nicht aufhören, von seinen Erlebnissen und Eindrücken zu erzählen, die er mit seiner Keramikware auf Märkten in ganz Deutschland gesammelt hat. Und Tatjana Stieglitz unterbricht gerne ihre Vorbereitungen, um von den Vorlieben der Kunden zu erzählen, die an ihrem Stand Küchengeräte vom Gurkenhobel bis zu Holzmodeln für Lebkuchen finden. Als dann die Glocken vom benachbarten Kirchturm zu Mittag läuten, lassen einige Aussteller alles liegen und stehen und setzen sich in aller Ruhe zum Essen auf die Kirchentreppen.

Dass an diesem Samstag die Auer Kirchweihdult beginnt, davon ist vorher hier auf dem Mariahilfplatz noch wenig zu spüren. Wenn sich innerhalb der neun Dult-Tage wieder an die 100 000 Besucher durch die Straßen mit den vielen Buden und Ständen drängen, dann wird es hier rund gehen. Hektisch aber wird es nie, versichern die Fieranten. Liegt darin vielleicht das Geheimnis der Auer Dult, die so gar nicht in die Kategorie "Event" passen will? Auch, aber nicht nur, wenn man den Händlern glaubt. Ja, es sind Händler, denn gehandelt wird auf der Auer Dult, das hat Tradition. Die Holferts haben zwar kleine Preiszettel an ihrer Ware, doch die seien nur als Anhaltspunkt gedacht, ein kleiner Nachlass sei immer drin, sagt der Sohn. Dass allerdings manche nur zehn Euro bezahlen wollen, wenn etwas mit 100 Euro ausgezeichnet sei, das finden er und seine Mutter ebenso unverschämt wie das Verhalten einiger Händler, die bewusst auf einen Preishinweis verzichten würden, um so Kaufwillige zu übervorteilen.

Für die goldene Herbststimmung sorgt das bunte Laub.

(Foto: Moses Omeogo)

Inzwischen, so sagt Christine Holfert, "gehen nur noch hochwertige Sachen". Sie ist seit 39 Jahren auf jeder Auer Dult, die dreimal im Jahr stattfindet, an Kirchweih, im Frühjahr und an Jakobi mitten im Hochsommer. Dann wird im Geschäft an der Kreuzstraße eingepackt, was hier am Mariahilfplatz Käufer finden soll. Was jeweils im Moment gefragt ist, das lasse sich nicht voraussehen. Einmal sei es Silber, einmal alter Schmuck, ein anderes Mal teures Porzellan. Möbel seien derzeit nicht mehr gefragt, weiß die Antiquitätenhändlerin. Für schöne, alte Stücke seien die meisten Wohnungen einfach zu klein.

Einige Kollegen hätten ihr Stände auf der Dult inzwischen aufgegeben, sagt Christine Holfert. Es sei ganz schön aufwendig, immer wieder alles für den Transport einzupacken, den Stand aufzubauen und sich jedes Mal aufs Neue zu bewerben. Denn auf eine ausführliche Bewerbung legt die Stadt als Ausrichterin der Dult großen Wert. Mithilfe eines Kriterienkatalogs werden rund 300 Fieranten aus etwa doppelt so vielen Bewerbungen ausgewählt nach dem Motto: Die Mischung muss stimmen. Man will wohl den Charakter dieses Jahrmarkts, der schon seit 700 Jahren in München abgehalten wird, bewahren. Und das ist gar nicht so einfach. Wo früher noch ein Trödler Volkskunst anbot, werden inzwischen Socken verkauft. Oder auch Crêpes gebacken.

Das Angebot an Speisen und Getränken halte sich hier rund um den roten Backsteinbau der Kirche noch im Rahmen, lobt Gildo Seifert die Dult-Atmosphäre. Im Gegensatz zu Tollwood, wo es nur noch um Musik und kulinarische Genüsse gehe. Der Töpfer aus dem Hunsrück hat sich ganz auf den Verkauf spezialisiert. Auf der Auer Dult ist er mit seinem großen Stand voller einheimischer Gebrauchskeramik seit 20 Jahren. Seine Frau Carmen Seifert versichert, sie kämen immer wieder gerne nach München, die Auer Dult habe ihren "ganz besonderen Charme". Und dann warten schon Stammkunden, die bestimmte Stücke vorbestellt haben. Auch dieser Kontakt zur Kundschaft ist für Gildo Seifert etwas Besonderes. Die Mehrheit stammt bei ihm aus der Region München, doch es kämen auch Touristen, um Souvenirs einzukaufen. Deren Verhalten beobachtet Antiquitätenhändler Holfert ganz besonders. Demnach suchen die Asiaten an seinem Münchner Stand ausgerechnet Fernöstliches. Und die Kunden aus Russland forderten Spottpreise beim Handeln.

Antiquitätenhandel als Familienunternehmen: Michael Holfert hilft seinen Eltern gern.

(Foto: Moses Omeogo)

"Keine Töpfe, keine Pfannen, kein Geschirr", umschreibt Tatjana Stieglitz ihr Angebot. Bei ihr gibt es Küchengeräte zu entdecken, "die es sonst nirgends gibt": Nicht nur ausgefallene Schäl- und Kochutensilien, auch Ersatzteile für bestimmte Geräte und im Hinblick auf Weihnachten ein riesiges Sortiment für das Backen zu Hause. Ein Totenkopf als Plätzchen sei aber vielleicht doch etwas makaber? Im Gegenteil, lacht Stieglitz, der gehöre zu den Rennern unter den Ausstechformen.

Im Vergnügungspark gleich hinter der Kirche dagegen ist ganz Tradition angesagt. Schießbude, Autoscooter, Kinder- und Kettenkarussell und natürlich das Riesenrad. In ihm habe sich sogar ihr eigener Sohn verlobt, erzählt Edith Simon, die zusammen mit ihrem Bruder das ehrwürdige Stück betreibt. Viele Münchner kommen wegen des Fahrgeschäfts immer wieder. Doch das Riesenrad muss den Jahren ebenso Tribut zollen wie seine Besitzer. Dass es sich aber für die Dultbesucher auch weiterhin gemächlich drehen wird, ist Edith Simon ein großes Anliegen. Man werde alles daransetzen, eine Nachfolgeregelung zu finden, versichert sie. Das wird man auch im städtischen Wirtschaftsreferat gerne hören, das für die Organisation und Ausrichtung zuständig ist. Das Rad ist eine Attraktion der Dult, für die inzwischen sogar Führungen angeboten werden.

Markt nebst Vergnügen

Die diesjährige Auer Kirchweihdult findet vom Samstag, 19. Oktober, bis Sonntag, 27. Oktober, auf dem Münchner Mariahilfplatz in der Au statt. Etwa 300 Fieranten bieten dort täglich von 10 bis 19 Uhr ihre Waren an, darunter viel Keramik und Porzellan, denn die Dult gilt als der größte Geschirrmarkt Mitteleuropas. Einen eigenen Biergarten gibt es ebenso wie einen kleinen Vergnügungspark mit Fahrgeschäften und Kasperltheater sowie natürlich viele Stände mit Speisen und Getränken. Am Dienstag, 22. Oktober, ist Familientag mit ermäßigten Preisen im Schaustellerteil. Parkplätze gibt es im Dultbereich nicht, doch ist der Mariahilfplatz per Bus, Trambahn oder U-Bahn gut zu erreichen. Führungen kann man unter tourismus.guides@muenchen.de oder unter www.einfach-muenchen.de/guides buchen. kg

In einem sind sich die Händler und die Imbissverkäufer einig: Das Wetter muss stimmen, damit auch die Kasse stimmt. "Wenn das Wetter so bleibt, kommen wir am Abend nicht zum Essen, weil wir Geld zählen müssen", scherzt Tatjana Stieglitz. Früher seien die Besucher auch bei Regen gekommen, jetzt schrecke sie nasses Wetter ebenso ab wie die Hitze auf der Jakobi-Dult im Sommer, sagt Seifert. Diese sei in den vergangenen zwei Jahren zur Dauersauna geworden, so die Holferts. Sie haben aber auch das andere Extrem erlebt: die Kirchweih-Dult im Schnee. Das alles kann echte "Standl-Leut" wie Christine Holfert aber nicht abhalten: "Wenn man 39 Jahre lang dabei ist, kommt man immer wieder".