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Aubing:Dynamisch in die Zukunft

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Auch das Areal mit der Pferdekoppel - der Architekt Werner Dilg krault den mittlerweile eingegangenen Hengst Xaver - soll neu gestaltet werden.

(Foto: Privat)

Wie sich der historische Ortskern bewahren lässt, diskutierten die Teilnehmer der "Aubinger Gespräche" diesmal im Netz

Von Berthold Neff, Aubing

Was tun, wenn Corona wichtige Projekte in den Hintergrund rückt und wenn man sich wegen der Pandemie auch nicht im großen Kreis treffen kann? Man verabredet sich zu den "Aubinger Gesprächen" online und fragt unter dem Motto "Zeit zu handeln" die wichtigsten Akteure: "Was hat Aubing von der Städtebauförderung?" Oder anders gefragt: Wann greift dieses Instrument endlich, um den Ortskern der einst eigenständigen Gemeinde dauerhaft zu sichern, in eine stabile Zukunft zu führen? Am Dienstagabend war es soweit, man traf sich - nachdem man ein Treffen im März aus gegebenem Anlass hatte absagen müssen - in recht großer Runde (insgesamt 26 Teilnehmer) per Zoom-Videokonferenz. Moderiert von der Journalistin Ellen Draxel, die für die SZ unter anderem Aubing und Freiham im Blick hat, erörterte man mit den maßgeblichen Akteuren, wie umzugehen sei mit der historischen Substanz im Aubinger Ortskern, zum Beispiel rund um die Kirche St. Quirin, aber auch mit all den anderen Zeugnissen der Vergangenheit, die auf der Denkmalliste stehen.

Klaus Bichlmayer weiß genau, was zu tun wäre in dem Viertel, das seit 65 Jahren seine Heimat ist. In die Kamera blickt er vor einer Luftbildaufnahme Aubings und plädiert dafür, den Platz vor St. Quirin so zu gestalten, "dass er wieder eine soziale Wirkung entfaltet". Boris Schwartz, einst Grünen-Stadtrat, nunmehr Markthallen-Chef und seit Kurzem stellvertretender Vorsitzender des Bezirksausschusses (BA) Aubing-Lochhausen-Langwied, brachte die Idee eines Dorfplatzes ins Spiel, wo sich Leben entfalten könnte, wenn die Autos dort wegkämen. Von einem Dorfplatz mochte Gerhard Ongyerth vom Landesamt für Denkmalpflege aber nicht reden, dort sei nie der historische Dorfplatz gewesen, es handle sich lediglich um eine Baulücke, die man sinnvoll gestalten müsse.

Wie genau das vonstatten gehen soll, wird ein städtebaulicher Wettbewerb klären, der sich aber - so Andreas Kacinari vom Planungsreferat - noch bis 2021 hinziehen könnte. Es gehe darum, dieses Areal zu entwickeln, "die Qualität zu erhalten". Klaus Bichlmayer erinnerte daran, dass dort einst die älteste Wirtschaft Aubings gestanden habe, und auch der Maibaum habe lange dort seinen Standort gehabt. Daran sollte man sicher anknüpfen.

Etwas länger wurde darüber diskutiert, ob sich das Technische Hilfswerk (THW) verkleinern könnte, indem man den platzfressenden Fuhrpark auslagert. Eine solche Trennung, sagte THW-Vertreter Andreas Bieleck, sei unmöglich. Das sieht der Aubinger BA-Vorsitzende Sebastian Kriesel (CSU) ähnlich, schlug aber vor, die Fahrzeuge platzsparender aufzustellen. Dann wandten die Teilnehmer der Runde ihre Blicke von St. Quirin Richtung S-Bahnhof. Andreas Kacinari betonte, man wolle diesen "städtebaulichen Missstand" durchaus im Wettbewerb berücksichtigen und so zu einer besseren Lösung kommen.

Die braucht es auch andernorts. Klaus Bichlmayer, treibende Kraft im Verein "1000 Jahre Urkunde Aubing", brachte die fast 200 Jahre alte Dorfschule ins Spiel. Die sei wichtig für die Identifikation der Bürger mit ihrem Ort. Die Stadt dürfe dieses Gebäude nicht verfallen lassen. Andreas Kacinari erwiderte, eine Sanierung sei für die nächsten Jahre geplant. Genau das, so Bichlmayer, sei essenziell, die Bürger sollten sehen, dass unter der Ägide der Stadt nicht nur diskutiert und geplant, sondern auch tatsächlich saniert werde.

Weitere Baustellen gibt es ohnehin noch genug, etwa die Pferdeschwemme im Eck zwischen Schwemmstraße, Flunk- und Zwillergasse. Dort soll der Verkehr reduziert und die Aufenthaltsqualität erhöht werden. Stadtteilmanager Daniel Genée, im Auftrag der Münchner Gesellschaft für Stadterneuerung (MGS) in Aubing aktiv, berichtete von den Vorschlägen der Bürger, die von einer Streuobstwiese bis hin zu einem Bachlauf reichten. Konkreteres werde das Baureferat liefern. Und was wäre das Fazit des Abends? Man muss versuchen, wie es Gerhard Ongyerth formulierte, die Dynamik zwischen dem ländlichen und dem städtischen Raum in Einklang zu bringen.

© SZ vom 16.07.2020

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