Zwischen dem Deutschen Museum und dem Tierpark Hellabrunn lädt am Isarufer der Planetenweg zu einer „Wanderung durch unser Sonnensystem“ ein. Und kurz hinter der Infotafel zum Mars kommen Spaziergänger derzeit an einem Bauvorhaben an der Zeppelinstraße vorbei, dessen Preise in den Augen vieler Menschen tatsächlich extraterrestrisch sind. Gemeint ist das „L’Isar“, wie die Grünwalder Immobilienfirma Monvest ihr Vorhaben in der Au an der Kreuzung zum Kreuzplätzchen getauft hat. Dort liegt der Abriss eines Mietshauses gerade in den letzten Zügen, bevor es mit dem Neubau losgeht. Und schon jetzt werden einige der insgesamt 16 Wohnungen auf Immobilienbörsen feilgeboten – etwa ein Zwei-Zimmer-Apartment mit 90 Quadratmetern im vierten Stock für 2,17 Millionen Euro.
„Pro Zimmer eine Million Euro, das ist Irrsinn“, sagt dazu Jörg Spengler (Grüne), Vorsitzender des Bezirksausschusses Au-Haidhausen (BA), der sich vergeblich gegen den Luxusbau an der Zeppelinstraße gestemmt hat. Das L’Isar ist freilich nicht das einzige Projekt in dem Stadtbezirk, das aktuell durch seine happigen Preise für Aufsehen sorgt.
So entsteht auch am Johannisplatz, direkt neben dem kultigen „Johannis Café“, ein siebengeschossiger Neubau mit zwölf Wohnungen, die laut der Immobilienfirma Legat Living in einigen Monaten bezugsfertig sein sollen. Auf der Webseite des Unternehmens aus Unterföhring, das auf Luxusimmobilien spezialisiert ist, wird unter anderem ein 30-Quadratmeter-Apartment im Erdgeschoss angepriesen – für 945 000 Euro. Wer etwas mehr Platzbedarf und etwas mehr Geld auf der hohen Kante hat, kann das 173 Quadratmeter große Penthouse mit sechs Zimmern ins Auge fassen. Kostenpunkt: knapp sechs Millionen Euro. Eine Vier-Zimmer-Wohnung mit 125 Quadratmetern im dritten Stock soll demnach gut 4,1 Millionen Euro kosten.
Während der Münchner Immobilienmarkt insgesamt zuletzt etwas abgekühlt ist, scheint im Spitzensegment die Nachfrage also weiterhin hoch. Fragt man bei Monvest nach, wie Quadratmeterpreise von fast 25 000 Euro zustande kommen, verweist das Unternehmen auf die „Kombination von Lage, begrenztem Angebot, architektonischem Anspruch sowie der konkreten Ausgestaltung der einzelnen Einheiten“. Und weiter heißt es: „Entsprechend richtet sich das Projekt an Käuferinnen und Käufer, die gezielt nach dieser besonderen Lage- und Wohnqualität suchen.“
Tatsächlich liegt der Neubau, der Anfang 2028 bezugsbereit sein soll, direkt an der Isar und gegenüber der Museumsinsel. Dem Bauträger zufolge wird das Haus über ein „repräsentatives Entree“ sowie Balkone, Loggien und weitläufige Dachterrassen verfügen; hinzu kommen ein grüner Innenhofgarten und eine Tiefgarage mit Autoaufzug. Bis vor Kurzem stand auf dem Grundstück in der Au noch ein fünfgeschossiges Gebäude, dessen Mietwohnungen der Bezirksausschuss gerne erhalten hätte.
Zudem habe man sich aus Sorge vor teuren Luxusapartments in einem Neubau mehrfach gegen das Vorhaben ausgesprochen, sagt Jörg Spengler. Jedoch hat der BA in derlei Angelegenheiten kein Entscheidungsrecht. Und auch eine Erhaltungssatzung, deren Ziel die Bewahrung von preiswertem Wohnraum ist, lief in diesem Fall ins Leere. Der Grund: Die bestehende Satzung für das Gebiet Untere Au/Untergiesing wurde zwar erst kürzlich um den Bereich zwischen Zeppelin- und Lilienstraße erweitert. Das L’Isar war zu dem Zeitpunkt aber schon genehmigt.

Ebenfalls vergeblich hat sich der Bezirksausschuss gegen das Neubauvorhaben am Johannisplatz gewehrt, das mittlerweile auf eine längere Geschichte zurückblickt. So wollte Legat Living das im Herbst 2020 erworbene Haus ursprünglich schon Mitte 2021 abreißen und durch einen Neubau ersetzen, der zwei Jahre später fertig sein sollte. Doch dann verzögerte sich das Projekt; zu den Gründen macht die Firma keine Angaben.
Inzwischen ist der Bau jedoch weit fortgeschritten, Legat Living zufolge sollen die zwölf Wohnungen über und neben einer Ladenfläche im Erdgeschoss im Sommer 2026 bezugsfertig sein.

