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München:Attacke auf das Kriegerdenkmal

Giesinger Initiative schreibt Brief an Bürgermeisterin Habenschaden

Von Hubert Grundner, Obergiesing

Die Initiative "Giesing Denk(t)mal", die aus dem Kriegerdenkmal vor Heilig Kreuz ein Friedensmal machen will, versucht sich im Rathaus Gehör zu verschaffen. In einem Schreiben wenden sich die Mitglieder rund um den Aktionskünstler Wolfram P. Kastner an Bürgermeisterin Katrin Habenschaden (Grüne). Darin bitten sie um ein Gespräch, auch deshalb, weil diese zugleich Vorsitzende des Kulturausschusses ist und der Zuschussantrag der Initiative dort abgelehnt wurde.

Das städtische Kriegerdenkmal in Giesing, so heißt es im Schreiben, stelle nicht nur eine Verharmlosung der maschinellen Tötung von Millionen Soldaten und Zivilpersonen dar. Es diene auch der Verschleierung der Kriegsverbrechen im Ersten Weltkrieg (1914 bis 1918) und der faktischen Militärdiktatur Ludendorffs und Hindenburgs. "Weil das so ist, hätte das Kriegsmonument entsprechend der Kontrollratsdirektive 30 der Alliierten vom 13. Mai 1946 bereits zum 1. Januar 1947 entfernt werden müssen." Dennoch stehe es noch immer am Giesinger Berg.

Darin könne man weder Trauer um die Toten noch Friedenswillen erkennen. "Mit unserem konkreten Projekt ,Giesing Denk(t)mal' wollen wir der Verherrlichung des Todes für das Vaterland und der Verharmlosung des Militarismus eine heute angemessene Perspektive entgegensetzen", schreibt die Initiative. Dafür sei es unerheblich, ob das Kulturreferat darin ein Kunstprojekt oder, wie geschehen, ein bloß "kommentierend-erinnerungskulturelles" Projekt erkennen wolle. Erfreut würden die Mitglieder der Initiative aber zur Kenntnis nehmen, dass das Kulturreferat auch aufgrund ihrer Anregung dabei sei, einen Prozess für den Umgang mit belasteten Denkmälern zu entwickeln. "Da dies erfahrungsgemäß einige Jahre in Anspruch nimmt, schlagen wir vor, bis zu einem konkreten Ergebnis unser Projekt der informativen erinnerungskulturellen Verhüllung jetzt zu realisieren, um diesen Prozess zu beschleunigen."

© SZ vom 23.04.2021
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