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Insekten:"Friedhöfe und Kleingartenanlagen sind für Mücken ideale Plätze"

Asiatische Tigermücke

Die Asiatische Tigermücke sticht mittlerweile auch in Deutschland zu.

(Foto: James Gathany/dpa)

Die Asiatische Tigermücke ist erstmals in München nachgewiesen worden. Mücken-Experte Helge Kampen über die Gefahr, die von dem Insekt ausgeht, und wie man die Verbreitung verhindert.

Die Experten des Friedrich-Loeffler-Instituts für Tiergesundheit in Greifswald und des Leibniz-Zentrums für Agrarlandschaftsforschung in Müncheberg haben vor Kurzem drei Exemplare der Asiatischen Tigermücke (Aedes albopictus) aus München zugeschickt bekommen. Die Institute erstellen gemeinsam einen nationalen Mückenatlas. Helge Kampen aus Greifswald ist Spezialist für die Tigermücke.

SZ: Sie haben vor Kurzem Tigermücken aus München zugeschickt bekommen. Wie gefährlich sind diese Tierchen?

Helge Kampen: Sie sind zunächst ungefährlich. Denn sie können ja nur Krankheitserreger übertragen, wenn sie vorher jemanden gestochen haben, der infiziert war. Dass die Mücke, die bei uns immer noch extrem selten ist, auf einen Tropenreisenden trifft, der gerade infiziert wurde, ist äußerst unwahrscheinlich. Aber potenziell können sie Viren übertragen, die Dengue-, Chikungunya-, West-Nil-Fieber und Zika-Infektionen auslösen.

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Wie kommt die Tigermücke überhaupt nach Deutschland?

Durch ihre Eier und den weltweiten Handel. In Südeuropa, vor allem Italien, ist sie weit verbreitet. Dort gab es in den vergangenen Jahren auch schon Epidemien mit Dengue oder Chikungunya.

Wer hat Ihnen denn die Tigermücke aus München zugeschickt?

Eine aufmerksame Friedhofsbesucherin. Es war ein besonders gut erhaltenes Exemplar, ein Topmodel sozusagen, sodass wir davon ausgingen, dass sie auf diesem Friedhof geschlüpft war.

Helge Kampen vom Friedrich-Loeffler-Institut für Tiergesundheit in Greifswald ist Spezialist für Tigermücken und untersucht Exemplare aus ganz Deutschland.

(Foto: Wolfram Maginot)

Wie fängt man eine Mücke, ohne sie zu zerquetschen?

Am besten mit einem Glas, das man verschließt und über Nacht einfriert. Die Anleitung finden Sie auf unserer Homepage mueckenatlas.com.

Wie viele Mücken bekommen Sie?

Seit wir begonnen haben, waren es schon mehr als 120 000. Die allermeisten sind nichts Besonderes. Nur einige wenige sind seltene oder invasive, also eingeschleppte Arten. Denen gehen wir dann nach.

Was machen Sie in so einem Fall?

Wir fahren zum Fundort und untersuchen möglichst das ganze Gelände nach Larven. Friedhöfe und Kleingartenanlagen sind für Mücken ideale Plätze wegen der vielen Wassergefäße, die dort herumstehen. Vor drei Jahren haben wir im Spätherbst in Erding auf einem Friedhof Tigermückenlarven entdeckt. Als wir im nächsten Jahr wiederkamen, fanden wir neue Larven. Deshalb gingen wir davon aus, dass die Mücke dort überwintert hat. Stadt und Friedhofsverwaltung haben dann die Mückenquellen eliminiert.

Ist es den tropischen Mücken in unseren Wintern nicht zu kalt?

Wir gehen davon aus, dass die Eier überwintern können. Das ist eine Anpassungsleistung. Wir haben das auch schon an anderen Orten in Deutschland beobachtet.

Liegt es am Klimawandel, dass die tropischen Arten inzwischen bei uns überleben?

Ja. Wenn es wärmer wird, laufen alle biologischen Prozesse schneller ab. Mücken benötigen aber auch eine hohe Luftfeuchtigkeit und stehendes Wasser. Deshalb hoffen wir, dass die Behörden die Bürger aufklären. Man sollte alle Wassergefäße - Vogeltränken, Regentonnen, Pflanzenuntersetzer, leere Blumenvasen - auf dem Friedhof einmal in der Woche ausleeren. Die Mücke fliegt nicht weit, sie hat einen Radius von 100 bis 200 Metern.

Dieses Jahr ist die Saison beendet?

Ja, aber es wäre gut, wenn die Bevölkerung aufmerksam bliebe. Und jede Mücke, die einem unbekannt vorkommt, sollte man zu uns schicken.

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