Ramen-Nudeln, Vermicelli oder vielleicht doch lieber Kartoffelnudeln? Ein Schälchen Surimi, ein gekochtes Ei, Enoki-Pilze oder etwas Brokkoli? Es sind derlei Entscheidungen, die es zu treffen gilt, bevor man an die Kasse und gleich im Anschluss an eine der Kochstation gehen kann. Dort heißt es dann: Instant-Nudelpackung und Gewürzpäckchen aufreißen, alles mit den Toppings in eine Schüssel geben; auswählen, ob man dicke oder dünne Nudeln gewählt hat, auf den Knopf drücken und schwups läuft Wasser aus einem Hahn. Die Nudeln kochen, ein paar Mal umrühren, und nach nicht einmal zwei Minuten ist sie fertig: die eigens zusammengestellte Nudelsuppe.
Instant-Ramen
Heißes Wasser und eben in vielen Fällen einiges mehr, um Instantnudeln zuzubereiten – in vielen asiatischen Ländern ist das in Minimärkten Standard, am Flughafen Incheon in Südkorea gibt es neuerdings sogar eine „Ramen Library“ samt Kochstation, dort gibt es eine riesige Sammlung an Instantnudeln. Nun hält das Konzept auch in München Einzug, in der Augustenstraße hat zum Beispiel 2025 Yashi’s Asia Store eröffnet. Den größten Convenience Store namens Super K gibt es aber seit Anfang Februar im PEP-Einkaufszentrum in Neuperlach.
Betreiber Thien Bui, gebürtiger Vietnamese, war schon oft in Südkorea und hat dort sein Faible für jene kleinen Supermärkte mit Kochstation entdeckt, die für ihn so viel mehr sind, nämlich „Treffpunkt, Alltagsort und eine unkomplizierte Möglichkeit, schnell etwas zu essen“. Genau das wollte er nach München bringen, allerdings ganz bewusst mit dem Fokus auf das Essen und K-Pop-Musik im Hintergrund.


Das scheint nicht nur bei Jugendlichen anzukommen, beim Besuch sitzen Menschen jeden Alters auf den roten Hockern, die das Zentrum des Geschäfts bilden, in dem man, ganz im Sinne eines Supermarkts, auch allerlei koreanische Produkte für daheim kaufen kann. Bui sieht sein Konzept als eine Ergänzung zu bereits bestehenden koreanischen Restaurants und „weitere Möglichkeit, koreanische Alltagskultur kennenzulernen“.
Pho
Super K ist damit zwar kein ganz klassisches Restaurant, ein Beleg dafür, dass Läden, in denen man authentische asiatische Nudelgerichte bekommt, in München gut laufen, ist der Convenience Store trotzdem. Man nehme Pho, jene Nudelsuppe aus Buis Heimat Vietnam. Seit Jahren erfreut sie sich in Deutschland großer Beliebtheit, auch wenn Garküchen, die sich ausschließlich darauf spezialisiert haben, zumindest in München fehlen. Wo man Pho trotzdem authentisch zubereitet bekommt? Bui empfiehlt unter anderem das Frau Vo in der Maistraße.
Wenn es um asiatische Nudelsuppen geht, ist Pho auch nur eine von vielen. Allerdings ist die Menge an Restaurants ausbaufähig, die japanische Ramen anbieten, die nicht aus der Tüte kommen. Sicher ist: Am besten schmecken Variationen wie Tonkotsu oder Shoyu aktuell bei Monaco Ramen. Betreiber Erim Kreidel hat nach einigen Zwischenstationen eine feste Bleibe in der Pestalozzistraße gefunden.
Udon
Neben Ramen gibt es aber eine weitere japanische Nudelart: Udon. Auch hier gibt es bislang nur vereinzelt Restaurants, die sich darauf spezialisiert haben. Seit Oktober 2025 etwa das Umi in der Amalienstraße. Dessen Betreiberin Ika Chen hat mit der Eröffnung sogar einen echten Foodtrend nach München gebracht: die dicken, weichen Nudeln werden hier nicht nur mit japanischem Curry oder mit Suppe serviert, sondern auch als eine Art Carbonara, also Eigelb, Parmesan und wahlweise mit knusprigem Speck oder Pilzen. Oft wird etwas als Fusionküche beschrieben, hier wird sie gekocht.

Pad Thai
Noch ein Beispiel: Pad Thai. Ähnlich wie im Fall von Pho gibt es kein thailändisches Restaurant, dass sich ausschließlich auf die Zubereitung der Reisbandnudeln spezialisiert, auf der Speisekarte steht es jedoch immer. So auch im Krua Thai in der Dachauer Straße. Dort bekommt man Pad Thai sehr authentisch serviert. Überhaupt landet, wer authentische asiatische Küche sucht, gerade bei Nudelgerichten noch immer in kleinen Imbissen.
Jede Region schmeckt anders.Yina Xu, betreibt Mamma Bao und Uncle Chen
Wirklich beachtlich ist die Vielfalt an Restaurants und kleinen Imbissen, die chinesische Nudelgerichte anbieten. Bei einem Streifzug durch die Stadt merkt man schnell: Die kulinarische Vielfalt Chinas ist mindestens so groß wie das Land. Mian & Co in der Augustenstraße bietet eine Auswahl an Nudeln in kräftiger Rinderbrühe. Diese stehen in einer Variation bei Max Beef Noodles am Sendlinger Tor, wo sich regelmäßig Schlangen bilden, ebenso auf der Speisekarte wie in der Sichuan Küche Nudelbar in der Schillerstraße. Das Highlight dort: die scharfen Chongqing-Nudeln.
Biang-Biang
Bei Mamma Bao – mittlerweile mit zwei Filialen vertreten – gibt es dagegen die deutlich dickeren Biang-Biang-Nudeln, die ohne Brühe auskommen und in der Region Shaanxi im Nordwesten Chinas ihren Ursprung haben. Im vergangenen Jahr sind zudem zahlreiche Malatang-Läden aus dem Boden geschossen: Ähnlich wie im Super K sucht man sich hier Nudelart und Toppings selbst zusammen, wie viel es kostet, bestimmt die Waage, das Kochen in der gewünschten Brühe übernimmt das Personal. Scharf und leicht betäubend wie in der südwestlichen Region Sichuan, aus der Malatang stammt, muss das in Deutschland nicht immer sein, neben klassischem Hotpot sind auch Tomaten- oder Currybrühen denkbar.


Fragt man Yina Xu, warum chinesische Nudeln so beliebt sind, ist die Antwort für sie schnell klar: Es liege daran, sagt die Betreiberin der zwei Mamma-Bao-Filialen und des Uncle Chen, wo es wiederum Dan-Dan-Nudeln gibt, dass die Nudeln in Handarbeit hergestellt werden: „Gerade heute, wo vieles industriell produziert ist, merkt man den Unterschied, wenn etwas noch von Hand gemacht wird.“ Tatsächlich ist das bei allen Unterschieden eine Gemeinsamkeit vieler Läden, die chinesische Nudelgerichte anbieten: egal ob Mian & Co, Max Beef Noodles oder Mamma Bao, überall werden die Nudeln von Hand gezogen. Und noch etwas trägt für Xu zum Erfolg bei: Die Gerichte seien für viele etwas Neues und dabei „trotzdem total zugänglich“.
Letzteres ist Xu auch deshalb wichtig, weil sie den Menschen in Deutschland zeigen will: Chinesische Küche ist so viel mehr als gebackene Ente und Frühlingsrollen. Auch diese Gerichte hätten ihre Berechtigung, aber es gebe noch viel mehr zu entdecken: „Jede Region schmeckt anders.“
Lagman
Ein weiterer Beleg dafür sind auch Lagman. Lange gab es lediglich ein paar Imbisse, die neben Döner auch eine kleine Auswahl an uigurischen Gerichten anboten. Obwohl die größte Exilcommunity der in China unterdrückten Uiguren in München lebt, blieb ihre Küche lange weitestgehend im Verborgenen. Und so begann auch die Geschichte von Rinat Rahim 2006 mit einem kleinen Laden am Hauptbahnhof. Erst 2019 wagt sie den Schritt zum Restaurant. Heute befindet sich das Taklamakan in bester Lage am Isartor.

„Dieses Konzept wurde glücklicherweise zu einer Erfolgsgeschichte“, sagt Rahim heute sichtlich stolz, und es hat sie ermutigt, auch in den Riem-Arcaden uigurische Gerichte und allen voran handgezogene Lagman anzubieten. Ein drittes Restaurant soll noch in diesem Frühjahr am Stiglmaierplatz eröffnen. Und, auch das sagt Rahim: München habe noch großes Potenzial, wenn es um „authentische regionale Küchen“ geht, allein die Vielfalt asiatischer Nudelgerichte sei schier endlos.
Aber egal, ob nun ein Imbiss wie „Tengri Tagh Uyghur“ in der Häberlstraße, Taklamakan am Isartor oder einer der vielen anderen asiatischen Nudelläden, die es schon gibt: Die Technik und das Handwerk stammen immer von einem Ort, der viele Tausend Kilometer von München entfernt liegt und dabei doch in fast allen Fällen ein Stück Heimat oder zumindest Sehnsuchtsort ist. Was für die einen nur ein leckeres Nudelgericht ist, ist für andere auch ein Stück kulturelle Identität.

