Allerspätestens wenn beim Franziskaner die gewaltige Fischplatte von zwei kräftigen Kellnern hereingetragen wird, ist der Fasching wirklich vorbei. An diesem Aschermittwoch ist das um 17.48 Uhr der Fall. Kurzzeitig kommt da am Eingang zum Saal namens „Hofgarten“ beinahe so etwas wie Hektik auf. Hausherr Edi Reinbold verfolgt das Gedränge und die Suche nach dem besten Foto-Spot mit der Gelassenheit eines Wirtes, der schon alles erlebt hat, um sich dann in aller Ruhe vor der mit Hummer, Seeteufel, Forelle und natürlich dem so obligaten wie imposanten Waller belegten Platte zu positionieren und sein Gewinner-Lächeln anzuknipsen. Ein paar Sekunden später sind die Bilder im Kasten, die Fischplatte wandert zurück in die Küche, und es ist wieder Zeit zum Plaudern.
Denn vor allem deswegen sind die mehr als 500 Gäste gekommen. Klar, schon auch wegen des guten Essens, aber für viele ist das traditionelle Fischessen im Franziskaner ein willkommener Boxen-Stopp auf dem ja noch so langen Weg bis zum nächsten Oktoberfest.
Strauß-Sohn Franz Georg sagt: „Die fünfte Jahreszeit in München ist die Wiesn, nicht der Fasching. München ist keine Faschings-Hochburg.“ Sein Sohn sei gerade in Düsseldorf gewesen und habe dort in kürzester Zeit „so viel Fasching erlebt wie hier in 30 Jahren nicht“. Wie er selbst es mit dem Fasching hält? „Filserball ja, sonst nicht.“
Hach, die Bälle. Egal, wen man an diesem Abend nach den zuletzt durchlebten tollen Tagen fragt, in neun von zehn Fällen lautet die Antwort: „Früher war mehr Lametta.“ Maßschneider Max Dietl meint: „Heute kann man immer feiern und sein wer, immer man will, viel mehr als früher. Den Fasching braucht’s eigentlich gar nicht mehr. Ich finde den Aschermittwoch super: Halbzeit zur Wiesn.“ Gattin Inge stimmt zu: „Früher gab’s überall Bälle: Wilderer-Ball, beim Süßmeier, in der Emmeramsmühle. Und heute? Gibt’s noch den Filserball, aber sonst …“

Ein paar bekennende Faschingsmuffel sind auch da: Wirte-Sohn Mathias zum Beispiel, aber auch Filmkomponist Harold Faltermeyer, der die Faschingstage ganz woanders verbracht hat: auf Safari in Südafrika, von wo der passionierte Jäger gerade mit einem Job als Nashorn-Botschafter zurückgekehrt ist.

Und sonst wirklich niemand, der sich im Fasching wenigstens ein bisschen verkleidet hat? Doch: Axel Munz. Die Bälle im Deutschen Theater, Schlager-Fasching im Hacker-Haus, Roses&Love-Ball: Der Chef von Trachten-Angermaier war überall am Start, meist im Trachten-Smoking, wie er sagt, aber schon auch mal mit Totenkopf-Hemd und Rod-Stewart-Perücke, „wilder Scheiß“, wie er es nennt.
Und die Gastgeber? Edi Reinbold erzählt, dass der Franziskaner dienstags immer eine Faschings-Hochburg gewesen sei. Diesmal war er mit seiner Frau Petra auf dem Viktualienmarkt, ganz ohne Verkleidung: „Meine Leut’ sind alle schon gestorben – oder beim Skifahren.“
Die Gattin hat indes eine besondere Beziehung zum Fasching respektive Karneval: Als gebürtige Düsseldorferin war sie einst Funkenmariechen. „Ich hab’ in meinem Leben schon so viel Fasching gefeiert, im Deutschen Theater früher als ob’s kein Morgen gäbe, als Clown oder Squaw oder in opulenten Kleidern, jedes Jahr was anderes. Aber man muss Lust darauf haben.“ Die Zeit der großen Bälle von Chrysanthemen- bis Gaukler-Ball habe in München Anfang der Neunzigerjahre geendet: „Da sind viele der prägenden Charaktere der Stadt, die diese Bälle oft auch gefördert haben, nach Kitzbühel abgewandert – und nicht mehr wieder gekommen.“

Zum Fischessen sind sie dann aber alle brav wieder da: Thomas Haffa mit Freundin Pia Hahn, Erich Lejeune mit Frau Irene, Käfer-Witwe Uschi Ackermann, Haar-Chirurg Bruce Reith mit Freundin China, und auch Lambert Dinzinger, der Ex von Christine Neubauer, lässt sich nach langer Zeit mal wieder blicken. An seiner Seite: Andrea, die er vor den ausnehmend begeisterten Fotografen innig und ausdauernd küsst. So schön kann das Faschingsende sein.

