Einen halben Meter vor dem Fußballtor – dort also, wo gewöhnlich der Torwart in Habachtstellung steht – gibt der Boden plötzlich spürbar nach. „Sehen Sie das?“, fragt Schulleiter Peter Heinz Rothmann und drückt mit seinem Schuh eine Delle in den roten Hartplatz.

„Und jetzt stellen Sie sich vor, hier rennt ein Fünft- oder Sechstklässler drüber. Da ist das Verletzungsrisiko groß.“ Deshalb hat das Asam-Gymnasium in Obergiesing seinen neuen Sportplatz auf dem Dach der Turnhalle gesperrt – und das schon seit Jahren.
Wo eigentlich Kinder und Jugendliche Fuß- und Basketball spielen sowie in den Pausen herumtollen sollten, herrscht umzäunte Leere. „Und die Stadt verschleppt oder ignoriert das Problem.“ So sieht das zumindest Schulleiter Rothmann.
Im Rathaus bewertet man die Situation ganz anders – doch dazu später. Zunächst zur Vorgeschichte und zum 60 Millionen Euro teuren Erweiterungsbau des Gymnasiums, das aktuell 1250 Schülerinnen und Schüler besuchen. Dieser wurde im Herbst 2021 fertiggestellt; Anfang 2022 folgte die neue Dreifachturnhalle samt Allwetterplatz auf dem Dach – „die größte Sonnenterrasse Obergiesings“, nennt es Rothmann. Sie diente der Schule nicht nur für Sport- und Ganztagsunterricht, sondern auch als Pausenhof.

Aber nicht lange. Denn kaum ein Jahr nach der Eröffnung musste das Gymnasium den Hartplatz sperren – zunächst nur für die Sportstunden, seit Frühjahr 2024 komplett. Der Grund waren Wellen, Blasen und Risse, die sich auf dem Tartanboden gebildet hatten. Verantwortlich hierfür sei vermutlich eingedrungenes Wasser, sagt Rothmann, der von „Baupfusch“ spricht.
Dieses Wort nimmt der Schulleiter beim Rundgang mehrmals in den Mund. Etwa, wenn er im Erweiterungsbau das Treppenhaus hinabsteigt, wo die Stufen ihm zufolge unterschiedlich hoch und tief sind. „Der Hausmeister hat das ausgemessen“, sagt Rothmann. „Eine Referendarin ist deswegen schon gestürzt.“
Gefährlich sei auch die Sache mit der Attika gewesen, dem erhöhten Rand des Flachdachs. Dort hätten sich die darauf befestigten „messerscharfen“ Bleche an mehreren Stellen gelöst und seien zu Boden gekracht, sagt Rothmann. Bei einer Abendveranstaltung im Januar 2025 sei dadurch ein angerückter Rettungswagen beschädigt worden. „Die herabfallenden Bleche haben das Dach zerstört. Der Schaden lag bei 25 000 Euro“, sagt der Schulleiter. Und wäre die Attika etwas früher hinabgestürzt, hätte es die Sanitäter oder ihn selbst erwischen können.

„Die Schule ist jetzt mehrfach mit personengefährdenden und Leib und Leben gefährdenden Baumängeln konfrontiert gewesen.“ Dieser Satz steht in einem Brief, den das Gymnasium Anfang 2025 an Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) schrieb. Dies sei nötig gewesen, da das städtische Referat für Bildung und Sport (RBS) „unheimlich langsam“ auf die Beschwerden reagiert habe, sagt der Schulleiter. Zwar wurden die Mängel an der Attika umgehend behoben – nachdem noch am selben Tag eine Überprüfung stattgefunden habe, wie das RBS mitteilt. Beim Allwetterplatz dagegen hänge man seit Jahren in der Luft, klagt Rothmann. Dabei hätte der ramponierte Boden „schon längst“ saniert werden können, findet der Schulleiter, der dem RBS „Verschleppungstaktik“ vorwirft. „Die Dringlichkeit wird dort nicht gesehen.“
Da das Gymnasium laut Rothmann auf seinen Brief keine Antwort erhielt, schrieb es dem Oberbürgermeister im Januar erneut – inklusive Stellungnahme der Schülervertretung. Sie beklagt darin, dass die jahrelange Sperrung des Sportplatzes „zu erheblichen Einschränkungen im Unterricht und im schulischen Leben führt“. Auf dieses zweite Schreiben erhielt man kürzlich eine Antwort von Stadtschulrat Florian Kraus, der darin unter anderem auf den gesperrten Hartplatz eingeht. Für diesen liege inzwischen ein Sanierungskonzept vor, das aktuell aber noch nicht umgesetzt werde. Denn zunächst müsse die Haftungsfrage geklärt werden, schreibt Kraus, auch um etwaige „hohe Schadensersatzansprüche“ der Stadt nicht zu verwirken. „Wann der Allwetterplatz wieder nutzbar sein wird, kann somit zum aktuellen Zeitpunkt nicht belastbar vorausgesagt werden.“
Derweil teilt das RBS auf Anfrage mit, dass ihm – anders als im Schulbrief dargelegt – keine personengefährdenden Schäden am Erweiterungsbau bekannt seien. Ursächlich für das herabfallende Attikablech sei ein „schweres Sturmereignis“ gewesen, das in der gesamten Stadt zu Schäden geführt habe. Mit Blick auf das Treppenhaus verweist die Behörde auf „Abweichungen der Tiefen im Millimeterbereich“; zur endgültigen Klärung habe man ein noch laufendes Gerichtsgutachten angestrengt. Hinsichtlich des Allwetterplatzes auf dem Dach bestätigt das RBS, dass dieser komplett erneuert werden müsse. Angestrebt werde eine Sanierung bis Sommer 2026 – „diese bleibt jedoch abhängig von der rechtlichen Klärung“.
Peter Heinz Rothmann kann das nicht nachvollziehen. „Spätestens seit Ende 2023 steht fest, dass der Platz erneuert werden muss, und trotzdem ist bislang nichts passiert“, kritisiert er. Es gäbe Kinder, die als Fünftklässler an die Schule gekommen seien und inzwischen die achte Klasse besuchten – und die noch nie Sportunterricht auf dem Platz gehabt hätten. Unterdessen bestreitet das RBS, dass die Sperrung „Auswirkungen auf die Qualität von Pausenaufenthalt und Sportunterricht“ habe. Schließlich stünden unabhängig von dem Allwetterplatz ausreichend Flächen an der Schule zur Verfügung, teilt die Behörde mit.

