Die Augustiner-Brauerei und ihr Bier gehören für viele Einheimische zu München wie das Oktoberfest oder die Frauenkirche. Groß gemacht und dabei im privaten Eigentum gehalten hat das Unternehmen die Familie Wagner, in der immer auch die Frauen ein gehöriges Wort mitgesprochen haben. Die letzte Brauerei-Inhaberin aus dieser Dynastie, Edith Haberland-Wagner, wird von der Stadt nun auf eine ganz besondere Weise geehrt. Der Arnulfsteg wird auf Initiative der SPD künftig Edith-Haberland-Wagner-Brücke heißen.
Das beschloss der Kommunalausschuss des Stadtrats mit nur einer Gegenstimme. Zuvor hatte sich bereits der Ältestenrat der Stadt dafür ausgesprochen. Die künftige Edith-Haberland-Wagner-Brücke führt zwischen Hackerbrücke und Donnersbergerbrücke über die Bahngleise. Sie ist Radfahrern und Fußgängern vorbehalten, verbindet die Stadtteile Neuhausen und Westend und endet unweit der Brauerei an der Landsberger Straße.
„Wenn der Stadtrat so gestimmt hat, freut mich, meine Kollegen und alle Augustiner*innen aus der Stiftung und der Brauerei das natürlich ganz außerordentlich“, erklärte Catherine Demeter, Vorständin der nach der letzten Eignerin benannten Edith-Haberland-Wagner-Stiftung, die bis heute die Geschicke der Brauerei bestimmt. Die Auszeichnung sei „mehr als verdient, denn all das Gute, das wir mit den Gewinnen der Augustinerbrauerei der Gesellschaft wieder zurückgeben, ist nur dank unserer von ihr ins Leben gerufenen Stiftung möglich“.

Dabei mochte Edith Wagner lange nichts von der Brauerei und den Familienstreitereien ums Geld und Erbe wissen. Geboren im Jahr 1896, ließ sie sich als Opernsängerin ausbilden und lebte in Berlin, wo sie den Schauspieler Edmund Haberland heiratete. Als sie den Anteil ihres Vaters und der früh verstorbenen Schwester erbte, gehörte ihr auf einmal die Hälfte der Brauerei. Doch genervt vom Gezerre um Geld und Macht verkaufte sie in den 1950er-Jahren ihren Anteil an ihre Tante.
Sie lebte nach der Berliner Zeit unter anderem in Garmisch-Partenkirchen, wo sie sich 1955 von ihrem Mann scheiden ließ. Immer noch kulturell interessiert und engagiert, widmete sie sich der Malerei, stand der Künstlergruppe „Murnauer Kreis“ nahe. Daneben reiste sie viel, unter anderem in den Himalaya, nach Nordafrika und nach Japan. Im Alter von über 80 Jahren erbte sie 1981 ein zweites Mal Anteile der Augustiner-Brauerei, und diesmal nutzte sie ihre 50 Prozent, um das Unternehmen zu führen.
Viele dieser biografischen Details sind dem Roman „Thereses Töchter“ entnommen, einem auf historisch gesicherten Tatsachen aufgebauten Werk, in dem das Leben und die Verdienste der Frauen aus der Wagner-Dynastie beschrieben sind. „Ihre hilfsbereite Großzügigkeit allen Arbeitern und Angestellten gegenüber war legendär“, sagt Stiftungs-Vorständin Demeter, die das Buch selbst angeregt hat.
Dass sie nun als Vertreterin der Mehrheitseigentümerin für die Brauerei sprechen kann, hat sie Edith Haberland-Wagner zu verdanken. Diese hielt das Unternehmen in der Familie und leitete es mit dem Direktor und Freund Ferdinand Schmid in ihrem Sinne. „Sie hat Verantwortung übernommen – für ihr Familienunternehmen, für die Stadt München und die Menschen dieser Stadt“, sagte Grünen-Stadträtin Sibylle Stöhr.
In folgerichtiger Konsequenz regelte die kinderlos gebliebene Eignerin schon zu Lebzeiten die Zukunft der Brauerei nach ihrem Tod. Mit Schmid sicherte sie, dass die Anteile in der nach ihr benannten Stiftung verbleiben und damit die Brauerei nicht an einen Großkonzern verkauft werden kann. Neben dem Hofbräuhaus ist Augustiner die einzige große Brauerei in der Stadt, die in privater Münchner Hand geblieben ist. „Edith reiht sich in die großherzigen visionären und durchsetzungsstarken Augustinerinnen ein“, sagt Demeter.
Wie von der 1996 verstorbenen Haberland-Wagner gewünscht, engagiert sich die Stiftung bis heute sozial und kulturell. Man kann sie als Stütze der Münchner Gesellschaft bezeichnen, die Liste der unterstützten Projekte im Denkmalschutz oder im Sozialbereich ist lang. Es gibt nicht umsonst in Anspielung auf die 50 Prozent der Anteile der Stiftung den Spruch, dass man mit jedem zweiten Schluck Augustiner etwas Gutes tue.
Vertreter der Grünen, der SPD und der CSU stellten im Stadtrat das Erbe von Haberland-Wagner heraus und betonten, dass eine Brücke ganz besonders gut als Ehrung tauge: Schließlich verbinde eine solche immer etwas, hier konkret zwei Stadtteile. Gedanklich passe das wunderbar zu Edith Haberland-Wagner, die das geschickte Wirtschaften mit sozialem und kulturellem Engagement verbunden habe.

