ARD-Musikwettbewerb:Gleichwertig

Beim Finale im Fach Violine bestachen drei Musiker auf höchst unterschiedliche Weise mit modernem Repertoire. Einen Sieger zu küren, fiel da nicht leicht.

Von Klaus Kalchschmid, München

Was für ein aufregendes letztes Finale beim 70. Internationalen Musikwettbewerb der ARD in der Begegnung mit zwei selten gespielten Violinkonzerten des 20. Jahrhundert sowie drei fast gleichwertigen, wenn auch in Charakter und Vortrag sehr unterschiedlichen Musikern. Dmitry Smirnov spielte als Erster und Einziger Frank Martins Violinkonzert von 1951: Was für eine Energie und Präzision noch in den heikelsten Doppelgriffen, aber auch enorm druckvoll in den kleinteiligen melodischen Phrasen, die bei ihm jedoch wunderbare Leuchtkraft bekamen. Leider war das Symphonieorchester des BR unter Radoslaw Szulc in den Tutti-Passagen oft allzu laut und grob. Aber das tat dem Vergnügen wenig Abbruch, dieses überaus raffinierte, nicht nur klanglich exquisite Konzert mit diesem großartigen russischen Geiger zu hören. Er bestach mit Ernsthaftigkeit, die manchmal gepaart war mit einer Spur Wildheit.

Danach gab es zweimal Paul Hindemiths Violinkonzert von 1939. Da durfte dann trotz herber Faktur im Orchester vom Solisten auch mal geschwelgt und ein opulenter, süßer Ton eingesetzt werden. Die moldawisch-rumänische Geigerin Alexandra Tirsu überzeugte mit wunderbar klarem, geschmackvollem Spiel, gerade, wenn es leise und verhalten sein durfte, brachte aber auch feine Strahlkraft und rhythmisches Feuer auf. Leider stachelte Szulc das Orchester wieder oftmals zu brachialem Lärm an.

Gottseidank ließ sich auch Seiji Okamoto davon nicht anstecken, war freilich intensiv bemüht, jeden Ton und jede Phrase mit Bedeutung und schönem Vibrato aufzuladen. Das war manchmal des Guten zu viel, bescherte dem Finale aber ein vitales Musikantentum.

Dafür erhielt der Japaner den ersten Preis, Dmitry Smirnov kam leider nur auf Platz zwei, während sich Alexandra Tirsu mit dem dritten Rang begnügen musste. Aber sie gefiel den Zuhörern sowohl online wie live vor Ort am besten und errang somit zu Recht auch den Publikumspreis.

© SZ/arga/aw
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