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Neubauprojekt:Doch keine imposante Skyline im Osten

Neubau Vogelweideplatz

So soll es aussehen: der Entwurf des Architekturbüros Henn.

(Foto: Simulation: Giesecke+Devrient)
  • Am Vogelweideplatz in Bogenhausen hatte die Firma Giesecke und Devrient eine zusammenhängende Gebäudegruppe mit unterschiedlicher Höhenentwicklung geplant.
  • Doch nun ist es vorbei mit diesen Neubauplänen, denn Giesecke und Devrient hat sich für den Zweitplatzierten des Architekturwettbewerbes entschieden.
  • Das Münchner Architekturbüro Henn hat nun den Auftrag für den Neubau erhalten.

Eine der spannendsten städtebaulichen Visionen hätte Wirklichkeit werden können - eine imposante Hochhaus-Skyline am Vogelweideplatz in Bogenhausen. Im vergangenen Mai hatte das Münchner Büro 03 Architekten den Wettbewerb für den neuen Technologie-Campus auf dem Areal von Giesecke und Devrient (G+D) - dem weltweit tätigen Konzern für Sicherheitssysteme - gewonnen. Geplant war eine zusammenhängende Gebäudegruppe mit unterschiedlicher Höhenentwicklung. Das höchste Gebäude erreichte 60 Meter. Zusammen mit dem Hochhaus-Ensemble der vier neuen Bavaria-Towers am Beginn der Autobahn A 94 hätte das einen wahrhaft beeindruckenden Stadteingang bilden können. Doch von dieser bestechenden Vision muss man inzwischen im Konjunktiv sprechen.

Denn nun ist es vorbei mit den schönen Neubauplänen mit abwechslungsreichen Gebäuden, unterschiedlichen Höhen und ungewöhnlichen Perspektiven. Den oft gehörten Vorwurf, dass in München meist nur langweilige und immer gleiche Schuhschachtel-Architektur produziert wird, hätte man an dieser Stelle entkräften können. Nun hat das Münchner Architekturbüro Henn, das im Wettbewerb den zweiten Platz belegte, den Auftrag für den Neubau auf dem Gelände der Firmenzentrale von Giesecke und Devrient erhalten.

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Henn zählt weltweit zu den renommiertesten Büros im Hinblick auf Gewerbe-, Wissenschafts- und Kulturarchitektur. In München gestaltet Henn zum Beispiel den Gasteig um und plant die Erweiterung des Forschungszentrums von BMW. Auch Firmenzentralen und Business-Distrikte mit mächtigen Wolkenkratzern in der ganzen Welt stehen auf der Projektliste. Bei Giesecke und Devrient entsteht ein eher niedriger Komplex in geschwungener Form und mit Innenhöfen. Hochwertige Fassaden in ökologischer und nachhaltiger Bauweise, ruhige Innenbereiche und für die Bewohner in der Nachbarschaft nutzbare Grünflächen und Wege sollen nach Ansicht von G+D das Quartier beleben und einen städtebaulichen Akzent setzen. Der fällt nun allerdings weit weniger spektakulär aus.

Es ist nicht ungewöhnlich, dass ein erster Preis am Ende doch nicht realisiert wird. Meist folgt nach dem Wettbewerbsergebnis noch eine Überarbeitungsphase. Die Wirtschaftlichkeit der Immobilie sei ein wesentlicher Aspekt gewesen, sagt Marian von Mitschke-Collande als Vertreter des Bauherrn: "Das Architekturbüro Henn hat uns letztlich in technischer, wirtschaftlicher und terminlicher Hinsicht überzeugt." Die "innovative Architektur" passe sich harmonisch in die Umgebung ein. Das Vorhaben kann relativ zügig nach Paragraf 34 des Baugesetzbuches genehmigt werden, wenn es sich "in die Eigenart der näheren Umgebung" einfügt. Das Hochhaus-Ensemble von 03 Architekten hätte ein Bebauungsplan-Verfahren mit weit mehr Zeitaufwand erfordert.

Stadtbaurätin Elisabeth Merk hatte damals das Wettbewerbsergebnis ausdrücklich begrüßt. Es sei ein klares Ziel, den ersten Preis auch umzusetzen. Mit dem Entwurf von 03 Architekten gelinge es, auf die Besonderheiten des Übergangs von der äußeren Stadt zur inneren Stadt zu antworten und zusammen mit den Bavaria Towers einen Stadteingang zu bilden, kommentierte sie damals. Heute ist sie weit weniger euphorisch. Auch der zweite Preis habe hohe Qualitäten: "Ich respektiere die Entscheidung des Bauherrn."

Es sei ein äußerst spannender Wettbewerb mit einem hochkarätigen Feld aus jungen und renommierten internationalen und lokalen Architekten gewesen, sagte Marian von Mitschke-Collande bei der Verkündung der Jury-Entscheidung im Mai. Sowohl 03 Architekten als auch Henn und Steidle Architekten hätten "innovative Lösungen" vorgelegt.

G+D entwickelt seine Zentrale in München weiter. Das künftige Technologie-Zentrum, in dem 2000 Arbeitsplätze unterkommen, soll für Start-up-Unternehmen und andere Partner aus der IT- und Sicherheitsbranche zur Verfügung stehen. In den Erdgeschoss-Bereich ziehen Läden und Gastronomie-Einheiten ein, von denen auch die Nachbarschaft etwas hat. Die große Frage habe gelautet, wie man die Tradition des Firmenstandortes wahren und zugleich etwas völlig Neues schaffen könne, sagte Mitschke-Collande zum Wettbewerb. Die Entscheidung für den zweiten Preis wirkt ernüchternd. "Völlig neu" wäre in der Tat das mutige Konzept von 03 Architekten gewesen.

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