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Bogenhausen:Ufo mit Ausguck

Eine runde Sache: Der Entwurf für die Kinderkrippe der Hypo Vereinsbank an der Arabellastraße ist auch im Bezirksausschuss auf große Zustimmung gestoßen. Bis man ihn in Wirklichkeit bestaunen kann, vergehen aber noch rund zwei Jahre. Simulation: Betz Architekten

Die Hypo-Vereinsbank lässt an der Arabellastraße für ihre Mitarbeiter eine Kindertageskrippe errichten. Der futuristisch anmutende Rundbau soll im zweiten Halbjahr 2022 fertiggestellt sein

Von Nicole Graner, Bogenhausen

Es ist Ende 2022. Ein Ufo ist gelandet. Mitten im Arabellapark. Neben dem großen, in der Sonne silbrig glänzenden Tower der Hypo-Vereinsbank. Dafür, dass es aus dem All kommt, sieht es ganz schön sauber und gepflegt aus. Es hat sogar Fenster. Und geht man aus Neugierde ganz nah an das Objekt heran, dann hört man vielleicht lautes Kinderlachen.

Diese Vision wird Wirklichkeit werden. Denn die Hypo-Vereinsbank will an der Arabellastraße 10 eine Kindertageskrippe errichten, um für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeitsplatznahe Kinderbetreuungsmöglichkeiten anzubieten. Schon 2014 hat die Bank im Lehel den Kulturkindergarten geschaffen mit Platz für 36 Kinder im Alter von sechs Monaten bis drei Jahre. "Und jetzt", erklärt Christoph Auerbach, Personalleiter der Hypo-Vereinsbank, "wollen wir ein weiteres, klares Signal für unsere Mitarbeiter setzen und zeigen, dass wir engagiert sind, Zeit und Geld in die Hand nehmen, um ein Thema, das die Mitarbeiter umtreibt, umzusetzen: Kinderbetreuung." Er habe selbst zwei kleine Töchter und verstehe die Nöte vieler Eltern gut, sagt er. Mit dem "HVB-Daycare Center" in der Arabellastraße wolle man, so Auerbach weiter, das Betreuungsangebot für Kinder im Alter von drei Monaten bis drei Jahre erweitern.

Es ist ein schönes, ästhetisches Ufo, das im Arabellapark landen wird. Und es wird, wie bei den Lokalpolitikern auch schon, auf Begeisterung stoßen. Nicht nur bei den Kleinen, die mit Sicherheit schon immer einmal in einem Ufo spielen wollten, sondern auch bei den Mitarbeitern und den Bürgern. Denn es ist ein Bauwerk, das in München auffallen wird. Nicht nur wegen der außergewöhnlichen, konisch zulaufenden Form, sondern weil es einmal keine eintönig gleichen Fensterreihen aufweist, weil Funktionalität und Homogenität eine Balance eingehen.

"Die Form ist eigentlich aus ganz funktionalen Gründen entstanden", sagt Oliver Betz, Geschäftsführer von Betz Architekten. Die erste Frage sei bei einer Kinderkrippe immer, wo die Spiel- und Freiflächen entstehen könnten. "Und da kam uns die Idee, diese in den Innenhof zu verlegen", sagt Betz. Spielen im geschützten Raum, geborgen sein - im grünen Innenhof wird das wunderbar möglich sein. Rund um die Grünfläche, auf der eine Sandfläche, ein Platz für Stühlchen und ein Bambuswäldchen entstehen sollen, haben die Architekten dann die Räume entwickelt. Im Erdgeschoss wird es 36 Arbeitsplätze geben, als Erweiterung des Büroraums im Tower. Im Obergeschoss, das über zwei Treppen mit dem Erdgeschoss verbunden ist, sind dann die Spiel- und Aufenthaltsräume für die dreizügige Kinderkrippe. 1000 Quadratmeter Nutzfläche wird das Gebäude haben. Gar nicht so groß also.

Hell werden die Büroräume, die im Innenhofbereich große Fenster bekommen, und auch im Obergeschoss ist es hell - durch Fensterbänder, die in zwei unterschiedlichen Höhen verlaufen. Auch das hat einen Grund, einen sehr nachvollziehbaren: Die Kinder müssten, so Oliver Betz, einfach nach draußen schauen können. Schließlich wollen sie ja wissen, ob etwa die Eltern kommen oder sie noch getrost weiterspielen können. Also habe man Fensterreihen auf ein Meter Höhe geplant, einen Ausguck auf Augenhöhe für die Kleinsten. Die höhere Fensterreihe spende Licht für Sanitär- und Küchenräume.

Auch an den Blick von oben haben die Planer gedacht - sei es für die eigenen Mitarbeiter im HVB-Tower oder für die Gäste im angrenzenden Hotel. Es soll ein grüner sein, kein typischer Flachdach-Blick. Die runde Dachscheibe, die sich über Erd- und Obergeschoss legt, soll begrünt werden. Die Fassade soll sich dem HVB-Tower in seinem silbernen Glanz anpassen. Was die Kosten der Krippe anbelangt, will sich die HVB nicht festlegen, sie seien aber, erklärt Peter Weidenhöfer, Vorstand der HVB-Immobilien AG, in den für die Gesamtsanierung des Towers und des Flachbaus veranschlagten 250 Millionen Euro mit enthalten. Auch wenn die Summe immer angepasst worden sei, sei man im Budget geblieben.

Die Landebahn wird es schon bald geben, denn Baubeginn ist noch Ende dieses Jahres. Aufsetzen wird das silberne Ufo im Arabellapark dann voraussichtlich im zweiten Halbjahr 2022.

© SZ vom 10.07.2020

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