Die Choreografie mit dem größten Ensemble ist vom 9. bis 11. April im Stadion der Galopprennbahn Riem zu Gast. 1000 Drohnen werden dort dann in den Münchner Nachthimmel aufsteigen. Und unten spielt live ein Streichquartett Werke Vivaldi, Debussy, Mussorgsky, Saint-Saëns und Tschaikowsky. „Musik wird sichtbar, Licht wird erzählerisch, Technologie wird emotional.“
Das versprechen zumindest die Veranstalter der 65-minütigen Drone Art Show, die auf ihrer Welttournee nun in München Station macht: Das sind Fever, eine Technologieplattform aus den USA für Kultur und Live-Unterhaltung, und Nova Sky Stories, ein amerikanischer Anbieter für immersive Drohnenshows.
Wer angesichts des weltweiten Wettrüstens und der Luftschlachten am Himmel das Schauspiel wunderschön synchron tanzender Drohnen-Schwärme gerade eher nicht braucht: Auch am (Tanz-)Boden ist in diesen Wochen einiges los. Das Bayerische Staatsballett etwa feiert – vor 100 Prozent ausverkauftem Haus – seine Ballettfestwoche. Die läuft bis zum 4. April. Wer leer ausgegangen ist bei den Karten für den neuen Dreiteiler Common Ground mit Stücken von Alexander Ekman, Johan Inger und Jiří Kylián: Die Vorstellungen im April am 16., 20., 23. und 25. April sind noch nicht ausgebucht.

Die Compagnie am Gärtnerplatztheater bietet ebenfalls einen neuen Triple-Abend, anders als am Bayerischen Staatsballett allerdings mit drei Uraufführungen und vor allem einem deutlich anderen Sound: Statt Giovanni Battista Pergolesi wie in Kyliáns „Bella Figura“ oder dem Streichquartett in Ekmans „Cacti“ ist in Rock to heaven Leonhard Kuhn am Werk, Gitarrist, Elektroniker, Mathematiker und natürlich Hauskomponist der Jazzrausch Bigband. Am Gärtnerplatz bebt man schon jetzt vor Aufregung und kündigt „brachiale Rhythmen, grungy Riffs und tänzelnde Instrumentalsoli“ für den Abend an. Mit Kuhns kühn-cooler Musik setzen sich die Choreografen Jacopo Godani, Frédérick Gravel, Ballettchef Karl Alfred Schreiner und natürlich die Tänzerinnen und Tänzer auseinander. Premiere ist am 24. April.
Auch die anderen Staatlichen Compagnien kommen im April mit neuen Stücken heraus: Das Staatstheater Augsburg zeigt von 18. April an in seiner Spielstätte Martini-Park das Double-Bill Les Noces von Choreografin Didy Veldman und eine Neu-Interpretation des Klassikers Le sacre du printemps, die Ballettdirektor Ricardo Fernandos anbietet. Beides zur Musik von Igor Strawinsky.

In Nürnberg läuft auch im April „New Ballets Russes“, der fulminante Abend von Richard Siegal. Der neue Tanz-Chef am Staatstheater präsentiert zudem „Les Ballets Actuels“: Choreografische Stimmen zur Gegenwart, die die Beziehung des Tanzes zur zeitgenössischen Musik und Kultur erforschen. Siegal selbst ist mit seinem Stück „My Generation“ dabei, Kirsten Wicklund zeigt „Overcast“ und Justin Peck sein Werk „Hurry Up, We’re Dreaming“, das er 2018 für das San Francisco Ballet geschaffen hat (Termine: 13. und 25. April).
Im Grunde aber ist es vor allem die freie Tanz-Szene, die zeitgenössische Entwicklungen vorantreibt, Neues austestet, sehr oft unter prekären Bedingungen: In München beispielsweise Hier=Jetzt, eine „Artist for Artist“-Initiative von Johanna Richter und der vor Kurzem gestorbenen Tanzpionierin Birgitta Trommler. Vom 30. März bis 12. April gibt es die mittlerweile elfte Ausgabe dieser Plattform, die Trommler gewidmet ist.

Zwei Wochen lang erhalten acht Choreografinnen und Choreografen Gelegenheit, kostenlos in Studios an ihren Stücken zu arbeiten und sie später an Open-Space-Abenden im Schwere Reiter einem Publikum zu präsentieren. Am 10. April, 20 Uhr, gehört die Bühne den Gewinnern des Publikumspreises 2025, Alonso Núñes Quirós (Costa Rica) und Dalila di Gennaro (Italien), und ihrem Stück „Narrative of an echo“. Am 11. April, 20 Uhr, und am 12. April, 18 Uhr, zeigen dann die diesjährigen Teilnehmer ihre Arbeiten.
Und dann ist da noch die großartige Choreografin und Tänzerin Zufit Simon, im vergangenen Jahr mit dem Tanzpreis der Stadt München ausgezeichnet. Sie zeigt am 29. und 30. April, 20 Uhr, im Schwere Reiter ihre neue Produktion The Fight Club: Simon schickt zwei Frauen und zwei Männer in den Ring, um die Körpersprache von Machtspielen, Angriffslust und Gewalt zu erforschen.

