Immobiliendeal in München:Ein Verkauf an Apple wäre ein politischer Fehler

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Apple

Apple will seine Präsenz in München massiv erweitern.

(Foto: dpa)

Dass der Tech-Riese aus den USA auf dem Grundstück an der Seidlstraße weiter wachsen will, ist klar. Dass der Freistaat es abtreten will, ist nachvollziehbar. Er muss aber den richtigen Weg wählen.

Kommentar von Sebastian Krass

Für Menschen, die sich für den Wirtschaftsstandort München einsetzen, waren es Worte, die klangen wie Himmelsmusik. Die Stadt sei "der größte Entwicklungsstandort in Europa", sagte Apple-Vorstand Johny Srouji bei einem Besuch diese Woche. "Viele Ingenieure wollen gern hier arbeiten." Wie früher im Silicon Valley, ergänzte sein Chef Tim Cook. Silicon Valley, Apple, München: Die kurze Aneinanderreihung zeigt, welchen enormen Werbewert die Expansion des US-Konzerns für die hiesige Wirtschaft hat - flankiert von Giganten wie Google und Amazon und lokalen Tech-Gewächsen wie Celonis und Personio, die allesamt ebenfalls ihre Präsenz in München massiv ausbauen.

Insofern ist es wirtschaftspolitisch nachvollziehbar, wenn der Freistaat ein Grundstück an der Seidlstraße an Apple abtreten will, damit dessen Standort in der Maxvorstadt weiter wachsen kann. Nicht nachvollziehbar ist allerdings, dass die Staatsregierung offenbar - so berichteten es Apple-Vertreter im Bezirksausschuss - bereit ist, das Grundstück zu verkaufen, anstatt es im Erbbaurecht, also befristet auf mehrere Jahrzehnte, abzutreten. Zumal die Apple-Leute in jener Sitzung erklärten, auch mit einem Erbbaurecht leben zu können. Es ist schon möglich, dass der Konzern in den vertraulichen Verhandlungen härter auftritt und auf einen Kauf pocht. Die Staatsregierung unterlässt es, klärende Worte zu der Frage Verkauf oder Erbbaurecht zu sprechen, sie behandelt den möglichen Immobiliendeal mit Apple wie ein Staatsgeheimnis.

Deshalb wirkt es derzeit, als würde der Freistaat den kurzen finanziellen Vorteil (der Verkaufspreis für das Grundstück könnte bei gut 200 Millionen Euro liegen) einer weitsichtigen Vermögenspolitik vorziehen. Es wäre ein kapitaler politischer Fehler, weil er damit künftigen Generationen die Chance nähme, über ein Stück wertvollen Bodens in der Landeshauptstadt zu verfügen - und zugleich den erwartbaren Wertzuwachs des Grundstücks Privaten überlassen würde. In kleinerem Maße begeht der Freistaat diesen Fehler derzeit schon, indem er Wohngrundstücke in der Siedlung Hartmannshofen verscherbelt.

Umso unverständlicher wäre ein Verkauf, weil der Freistaat eine gute Verhandlungsposition hat: Apple hat sich in München aus guten Gründen etabliert, will das Grundstück an der Seidlstraße unbedingt und wird auch ein Erbbaurecht akzeptieren.

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