Die umliegenden Geschäfte im Rosental verkaufen Matcha, Schokolade und frisch geröstete Nüsse, gegenüber reiht sich ein Stehausschank an den anderen. Dass es hier neuerdings auch einen Tasting-Room für hochwertige Wein- und Spirituosen-Alternativen ohne Alkohol gibt, zeigt, dass alkoholfreie Getränke längst im Genuss-Segment angekommen sind. Denn mit der großen Verkaufsfläche einer ehemaligen Kunstgalerie muss man sich am Viktualienmarkt erst einmal behaupten.
Gründer Alexander Gottschalk hat da wenig Sorge. Die Türen von Drykkir – der Begriff stammt aus dem Altnordischen und bedeutet so viel wie „Getränke“ – sind am Eröffnungstag erst wenige Stunden geöffnet und neugierige Kundschaft betritt das Geschäft im Minutentakt. „Im Vergleich zum Glockenbach gibt es hier viel mehr Laufkundschaft“, sagt Gottschalk.
Mit „dem Glockenbach“ meint er das alkoholfreie Pop-up, das er Anfang des Jahres zusammen mit zwei Partnern in der Holzstraße veranstaltet hat. Jenes Trio stellte auch das Freyheit Festival auf die Beine, eine Messe eigens für alkoholfreie Getränke, die vergangenen Herbst erstmals in der Alten Paketposthalle stattfand.

Ende Juli (25. bis 27.07.) geht das Festival mit einem noch umfassenderen Programm in die zweite Runde. Und auch das Sortiment von Drykkir hat sich im Vergleich zum Pop-up vergrößert. Gottschalk hat inzwischen mehr als 3500 alkoholfreie Getränke verkostet und nur seine Favoriten haben es ins Regal geschafft. Dazu gehören zum Beispiel alkoholfreie Weine aus Frankreich. Dort gebe es aktuell die modernsten Entalkoholisierungsmaschinen, meint Gottschalk, deswegen schätze er diese Produkte besonders.
Dazu kommen sogenannte Proxy Drinks, das sind alkoholfreie Getränke, die Wein nicht zu imitieren versuchen, sondern durch fermentierte Tees, Kräuter, Gewürze, Früchte oder Blüten ein eigenständiges und komplexes Geschmacksprofil aufweisen. Neu im Sortiment sind außerdem mehrere Spirituosen ohne Alkohol, etwa Ouzo, Bitter-Aperitifs und ein rauchiger, im Eichenfass gelagerter Drink aus fermentiertem Rhabarber. „Den kann man trinken wie Whisky auf Eis“, sagt Gottschalk.
Wer sich unsicher ist, was davon den eigenen Geschmack trifft, kann die feinen Tropfen im Lounge-Bereich vor Ort verkosten. Außerdem wird Gottschalk auch Tasting-Events anbieten, bei denen eine Auswahl an alkoholfreien Getränken auf Speisen abgestimmt sein wird, zum Beispiel auf vegetarische Meze oder auf Sushi (Drykkir, Rosental 7, Dienstag bis Freitag 11 bis 19 Uhr, Samstag 10 bis 18 Uhr, www.drykkir.com).
Und was gibt's sonst noch Neues in der Gastro?

Mit alkoholfreiem Wein tut sich die Sommelière Julia Kolbeck schwer, aber sprudelnde „Proxys“ auf Kräuter- oder Tee-Basis schenkt auch sie im Mokum aus. Die Tagesbar hat sie vor gut einem Jahr zusammen mit den Köchen Florian Rottensteiner und Tim Meier eröffnet. Nun wurde das Mokum vom Guide Michelin mit dem Bib Gourmand ausgezeichnet. Diese Kennzeichnung würdigt Restaurants von hoher kulinarischer Qualität und zugleich einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis.
Das Mokum beschreibt der Restaurantführer als „cooles Konzept“, das „in lässiger Atmosphäre eine kleine, aber ausgesuchte Auswahl an modernen Gerichten“ anbietet. Seit fast 30 Jahren wird der Bib Gourmand vergeben, dieses Jahr kamen in Deutschland zehn neue Adressen dazu. In München durfte sich bislang einzig das Gasthaus Waltz mit dieser Auszeichnung schmücken. „Das wundert mich auch“, sagt Kolbeck, „denn mir würden hier viele Restaurants einfallen, die das verdient hätten.“
Sie orientiere sich selbst gerne am Bib Gourmand, deshalb hätten sie und ihre zwei Partner sich sehr über die Auszeichnung gefreut. „Der Bib ist ein super Reisebegleiter, um Restaurants zu finden, die eine fantastische Qualität haben und wo man entspannt essen gehen kann, ohne fünf Stunden sitzen zu müssen.“
Nun gehört auch das Mokum zu den rund 150 Bib-Gourmand-Adressen, die der Guide für Deutschland gelistet hat. Kommenden Dienstagabend wird Michelin außerdem in Frankfurt am Main seine begehrten Sterne verleihen. Die eine oder andere Neuauszeichnung dürfte dann auch nach München gehen (Mokum, Alter Messeplatz 6, Dienstag bis Samstag 12 bis 20 Uhr, www.mokum-munich.de).


