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SZ-Serie: "Bühne? Frei!":In der Küchenfalle

Der aus dem Weserbergland stammende, 63-jährige Andreas Rebers ist Kabarettist, Autor, Musiker, Komponist, Bergprediger und offenkundig auch ein gewiefter Hobby-Koch.

(Foto: Susie Knoll)

Kultur-Lockdown, Tag 117: Der Kabarettist und Autor kämpft mit Bühnenersatzhandlungen

Gastbeitrag von Andreas Rebers

Ja, dieses Virus nimmt sich in der Tat viel Zeit für uns, und so warten wir auf den Kampfstoff, damit wir wieder osolemio singen und aerosolen dürfen. Bis dahin is' a Ruah. Und was mache ich mit meiner Zeit? Gut, ich übe an meinem Klavier und dem Akkordeon und schmiede Pläne. Und ich arbeite an meiner Kochkunst und zwar rigoros. Schon im ersten Lockdown geriet ich in die Küchenfalle, arbeitete mich durch internationale Speisekarten und machte Ham! Dazu müssen sie wissen, dass ich unserem Essen immer etwas vorspiele. Entweder lasse ich die Küchentür auf und setze mich ans Klavier oder ich nehme das Akkordeon und spiele in der Küche.

Ich bin aber auch jemand, dem zum Kochen ein Bier schmeckt. Zum Essen dann Wein und danach auch Wein. Eigentlich kein Problem, aber das tückische war, dass ich im Frühjahr keine Lust hatte, mich zu bewegen. Und zack war sie da! Die Coronaplauze! Nach dem Abendessen saß ich dann vor der Glotze und habe mich mit Netflix oder Mediathekenterror beschäftigt. Irgendwann zwickte mich meine Tochter in die Hüfte und wies mich daraufhin, dass ich ausschaue wie ein g'wamperter Uhu. Bämm!! Ich musste gewissermaßen den Schalter umlegen. Aber aufs Essen verzichten? Niemals! Wenn ich schon nicht auf die Bühne darf, dann wenigstens an den Herd.

Was ich brauchte, war einfach mehr Kalorien zu verbrennen, als zu mir zu nehmen. Wie das geht? Drei Stunden pro Tag im Sportstudio, radeln, schwimmen, paddeln, und zum Sommer hatte ich dann wieder meine gute alte Bikinifigur. Im zweiten Lockdown war ich also vorgewarnt. Ich blieb meiner kulinarischen Linie treu und bekochte mich, die Familie und immer wieder Freunde, die dann häufig auch zurück gekocht haben. Mein Arbeiterviertel Haidhausen ist eben bekannt für seine Gastfreundschaft.

Um es klar zu sagen, ich stehe seit dem 1.11.2020 wieder am Herd, und weil mein Sportstudio geschlossen ist, habe ich mich darauf verlegt, Kochsendungen im TV zu schauen. Bachmeier, Schubeck, Tim Mälzer oder Rosin. Brutal! Dann frage ich mich immer, warum werde ich nicht beim Kochen gefilmt? Und wo haben die die geilen Küchen her? Warum haben die soviel Platz? Unsere Küche ist zu klein. Deshalb filme ich mich mit dem iPhone eben selbst, um der Beate was schicken zu können. Weil, und deswegen schreibe ich das, der Mensch, mit dem ich am meisten in Restaurants war, das ist doch die Beate, weil die auf Tour immer meine Technikerin war. Da wurde ab 16.30 Uhr eingeleuchtet und Sound gecheckt, und um 18 Uhr wurde gegessen. Nicht immer gut übrigens. Und wenn man 20 Jahre gezwungen war, essen zu gehen, dann ist es doch nur konsequent, dass man daheim die eigene Küche auch einmal für sich in Anspruch nimmt.

Dann stiegen die Inzidenzwerte, und meine Frau und ich konnten nach dem Essen nicht mehr unsere große Runde drehen, weil wir um 21 Uhr ins Bett mussten. Um der Bewegungsarmut zu entkommen, hat meine Frau sich ein Trampolin gekauft. Das steht jetzt neben meinem Klavier vor dem Fernseher, und anstelle von Kochsendungen, Netflix oder Mediathek laufen jetzt die Youtube-Trampolinkurse mit Manuel. Ich war dagegen, verbarrikadierte mich in der Küche und begann wieder zuzunehmen.

Zum Glück konnte ich irgendwann wieder in den Landkreis Miesbach an den Spitzing fahren, um mich am Berg zu bewegen. Ich ziehe den Berg nämlich dem Trampolin mit Manuel in jeder Hinsicht vor. Wenn ich dann vom Berg heim komme, höre ich, wie Manuel mit meiner Frau spricht. Ich begebe mich dann direkt an den Herd und lasse es brutzeln. Und weil ich wegen Manuel nicht ans Klavier kann, sitze ich mit meinem Akkordeon in der Küche und spiele dem simmernden Wiener Saftgulasch den 5. Ungarischen Tanz von Brahms vor und genehmige mir, während meine Frau springt, vorsichtshalber schon mal ein Augustiner. Aber sobald ich merke, dass der Wackelspeck zunimmt, greife auch ich zum Trampolin, allerdings ohne Manuel. Schließlich bin ich soloselbstständig! Ich nenne es die "Homeshow".

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© SZ vom 26.02.2021
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