Wiesn in München an der Elster "Sie versuchen's"

Ozapft is auch hier: Festwirt Mathias Winter (rechts) bei der Eröffnung des Oktoberfests 2014 in München an der Elster. An diesem Freitag war es wieder soweit.

(Foto: Veit Rösler)

17 Einwohner, zu klein für einen Blitzer. Aber zum Oktoberfest kommen 8000 Besucher: Auch München in Brandenburg feiert, heuer zum 15. Mal.

Interview von Margarethe Gallersdörfer

Das Münchner Oktoberfest dauert drei Tage und hat bis zu 8000 Besucher. Ganz im Ernst. München an der Elster ist ein Dorf in Brandenburg - und veranstaltet an diesem Wochenende sein 15. Oktoberfest. Ein Anruf beim Festwirt Mathias Winter, 57, Besitzer zweier Eiscafés in der Gegend.

SZ: Herr Winter, wie groß ist München an der Elster?

Mathias Winter: Also im Frühjahr waren es 17 Einwohner. Und ich glaube, seitdem ist auch keiner gestorben.

Das ist ja nicht viel.

Das ist so klein, dass sie da keinen Blitzer hinstellen. Die Strecke vom Ortsschild bis zu dem Punkt, wo man einen Blitzer hinstellen dürfte, ist zu lang; da ist München schon wieder vorbei. Ich selbst wohne da auch gar nicht, ich wohne in Uebigau. Das ist zwei Minuten von München entfernt, ohne Rushhour. (Lacht.)

8000 Besucher - wie kriegen Sie die nach München?

Wir machen Radiowerbung, wir haben Werbung in einer Postwurfsendung, die im Umkreis von etwa 50 Kilometern verteilt wird. Wir bedrucken Bierdeckel und in diesem Jahr auch noch 10 000 Bäckertüten. Die kriegt jeder in die Hand, da streuen wir ganz gut. Dann natürlich Plakate, und meine Tochter macht auf Facebook Werbung. So bekommen das auch die Jugendlichen mit.

War die Idee, in München ein Oktoberfest zu feiern, von Ihnen?

Nee. Bekannte von mir waren mal zu Besuch und hatten dumm rumgeschwatzt, als sie Bier getrunken hatten: "Wir müssen mal ein Oktoberfest in München machen!" Irgendwann haben wir beschlossen: Einmal müssen wir's versuchen.

Und Sie haben sich dann darum gekümmert?

Das erste Mal waren wir zu fünft und wussten gar nicht, was wir tun. Jetzt sind noch zwei übrig geblieben.

Wann beginnen Sie mit den Arbeiten?

Spätestens Anfang Januar. Wegen des Programms und der Kapellen. Da muss man früh anfangen, damit man noch was Vernünftiges kriegt. Und das andere - Getränkehändler, Zeltbauer, Werbung - läuft dann so nebenbei.

Wie heißt Ihre Wiesn?

Die hat keinen Namen. Das ist eine Wiese vom ortsansässigen Schäfer, so drei Hektar groß, die pachten wir einmal im Jahr für vier Wochen.

Aber wenn Sie da nicht feiern, weiden auf der Wiese Schafe?

Ja. Vielleicht auch schon Wölfe.

Großartig. Wie viele Schafe stehen da so ?

Schafe ziehen immer weiter, die fressen ja alles ab. Ich weiß nicht, wie viele Tausend der Schäfer hat, aber es sind mehrere Herden.

Wie viele Wiesnwirte haben Sie?

Nur mich! Es gibt ja auch nur ein Zelt.

Und wie viele Biersorten?

Nur eine, Hofbräu! So wie beim ersten Mal. Aber Löwenbräu hatten wir auch schon mal, und Paulaner.

Das sind ja alles Sorten aus München. Also vom großen Fest.

Tja, es ist ja nun mal ein Münchner Oktoberfest, dann wollen wir auch bayerisches Bier haben.

Und das hat bisher immer geklappt?

Ja, die Brauereien freuen sich alle. Solche Mengen kriegen die in Brandenburg oder Sachsen sonst so leicht nicht los. In Bayern ist das sicher anders, aber hier wird normalerweise Pils getrunken, nicht so viel Helles oder Oktoberfestbier, das ist eigentlich nicht so unseres hier. Zu malzig. Aber einmal im Jahr funktioniert's.

Was kostet die Mass in München an der Elster?

Sieben Euro.

Und wer zapft an?

Immer jemand anderes. Dieses Jahr ist es ein Geschäftsführer. Wir haben hier eine große oder, sagen wir, eine für unsere Gegend große Elektrofirma. Und die haben dieses Jahr 25 Jahre GmbH gefeiert. Zu diesem Jubiläum haben wir dem Geschäftsführer den Anstich geschenkt.

Wie heißt die Firma?

Uesa GmbH.

Fast wie unsere Isar!

Naja, bloß mit "Ue" halt. Haha, das kann ich dem Geschäftsführer mal sagen. Da freut er sich.

Was wird statt "Ozapft is!" gerufen?

Das rufen die bei uns auch!

Auf Brandenburgisch? Klingt bestimmt furchtbar.

Natürlich. (Lacht.) Aber sie versuchen's. Wir zeigen ihnen davor noch mal auf dem Handy, wie es klingen sollte.

Herr Winter, eine letzte Frage noch. Was ist eigentlich ein Wiesn-Triathlon?

Das machen wir immer am Sonntag, da geht's bei uns schon um zehn los. Am Freitag und am Samstag fangen wir nämlich erst abends um sechs an. Da ist in München schon die erste Runde durch, was?

Kann man so sagen.

Der Wiesn-Triathlon jedenfalls besteht aus Weißwurstwettessen, Masskrugstemmen und Brezelzielwurf. Und wer dann aus allem die meisten Punkte hat, kriegt einen Preis. Jetzt wollen Sie doch sicher wissen, was dieses Jahr der erste Preis ist?

Unbedingt.

Eine Komplettausstattung von Hofbräu, mit Lederhose und so. Und eine Reise zum Oktoberfest an der Isar, mit Übernachtung. Aber das ist anstrengend, finde ich. Ich war ja auch schon ab und zu da. Das kann einem auch zu viel werden. Einer hat zweimal hintereinander gewonnen und hat dann gesagt: "Och nö, nicht schon wieder!" Bei uns ist es schon ein bisschen gemütlicher.