Los geht es am Montag mit den Wänden. Sie werden als vorgefertigte Betonteile per Lastwagen angeliefert, aufgestellt, mit Pfosten gestützt und danach verfugt. Am Mittwoch folgen dann die Bäder: uniforme Sanitärzellen mit Dusche, Klo und allem Drum und Dran, die ein Kran an die vorgesehenen Stellen hebt. Am Donnerstag kommen die ebenfalls vorgefertigten Deckenplatten dran, die am Freitag verfugt werden. „Und so schaffen wir ein ganzes Geschoss innerhalb von nur einer Woche“, sagt Richard Greß. „Im Grunde ist das genau wie beim Lego-Bauen.“
Richard Greß leitet die Münchner Niederlassung der Firma Goldbeck Süd und steht an diesem Nachmittag auf einer Baustelle in der Ami-Siedlung genannten Wohnsiedlung am Perlacher Forst im Stadtteil Fasangarten. Sein Unternehmen, das sich auf die serielle Bauweise nach dem Lego-Prinzip spezialisiert hat, errichtet hier gerade drei Gebäude mit insgesamt 62 Mietwohnungen im Auftrag der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima). Der Startschuss für die Rohbauarbeiten ist erst im April gefallen, nun wird Richtfest gefeiert, und bereits im kommenden Juli sollen die Gebäude samt Tiefgarage bezugsbereit sein.
Was einen direkt zum „großen Vorteil“ der seriellen Bauweise bringt, wie es Greß hervorhebt. Nämlich „der immense Zeitvorteil“. So benötige man hier in der Minnewitstraße gerade mal 300 Arbeitstage, um die drei Gebäude hochzuziehen. „Den Rohbau schaffen wir locker in der Hälfte der Zeit wie beim konventionellen Bauen“, betont der Niederlassungsleiter. Überdies mache die serielle Bauweise das Vorhaben wirtschaftlicher, sagt Projektleiterin Christine Erhart. Ihr zufolge bietet sich dieser Ansatz vorwiegend bei Mietwohnungen an, da diese meist „alle gleich gebaut und gleich ausgestattet sind“. Schließlich muss die Individualität beim seriellen Bauen teilweise zurückstecken. So sind auch die 62 Ein- bis Drei-Zimmer-Wohnungen der Bima stets nach einem ähnlichen Muster aufgebaut und bekommen allesamt die gleichen Fertigbadezimmer.
„Dieses Projekt ist ein Beispiel, wie Bauen heute gehen kann und sollte“, sagt Greß. „Systematisiert, schnell und nachhaltig.“ Und auch Paul Johannes Fietz, Vorstandsmitglied bei der Bima, betont: „Das ist mehr als Plattenbau 2.0.“ Vielmehr lege seine Behörde auch bei diesem Projekt ihre üblichen hohen Maßstäbe an, etwa was Schallschutz, Barrierefreiheit und Energieeffizienz angehe. Im Rahmen ihrer Wohnraumoffensive setze die Bima vielerorts auf eine serielle Bauweise, sagt Fietz.


Insgesamt plane die Behörde bundesweit den Bau von 8000 Wohnungen. Dabei sei die Bima vor 20 Jahren noch als „Abverkaufsgesellschaft“ gegründet worden – mit dem Ziel, den Großteil der damals fast 60 000 Wohnungen des Bundes zu veräußern. Tatsächlich ging diese Zahl bis auf 34 000 zurück, ehe ein Umdenken einsetzte. Inzwischen verfügt die Bima wieder über einen Bestand von 38 000 Wohnungen und soll weitere bauen – im Rahmen der 2018 ausgerufenen Wohnraumoffensive.
Viele der jetzigen Bewohnerinnen und Bewohner in der Ami-Siedlung sehen die Pläne der Bima kritisch
Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Ami-Siedlung, in der zwischen den 50er- und 90er-Jahren Hunderte in München stationierte US-Soldaten mit ihren Familien lebten und wo auf den großzügigen Grünflächen im Zuge einer Nachverdichtung bis zu 1000 neue Wohnungen entstehen sollen. Die Bima schaffe bezahlbaren Wohnraum, betont Fietz mit Blick auf Neubaumieten von zehn Euro je Quadratmeter. „Und das ist gerade hier in München eine sehr gute Zahl.“ Die günstigen Mieten kommen laut Fietz nicht nur Beschäftigten des Bundes zugute, denen die Bima-Apartments im Rahmen der Wohnungsfürsorge des Bundes zuerst angeboten werden. Denn sei ihr Bedarf einmal gedeckt, kämen die Wohnungen auf den freien Markt – „zu den gleichen Konditionen“, sagt Fietz.
Dennoch sehen viele der jetzigen Bewohnerinnen und Bewohner in der Ami-Siedlung die Pläne der Bima kritisch. Sie fürchten, dass diese den Stil und Charakter ihres Viertels zerstören. Zudem warnen sie vor einer „radikalen Nachverdichtung“ mit „überdimensionalen kubischen Wohnburgen“, wie es in einer Petition heißt, die mehr als 2400 Menschen unterstützt haben.
Das Projekt in der Minnewitstraße sei jedenfalls keine Blaupause für die übrige Ami-Siedlung, betont Ilona Stangler vom Bima-Geschäftsbereich Portfoliomanagement in München. Ihr zufolge befindet sich die Planung derzeit in einer „Wartephase“ aufgrund der Denkmalprüfung. Sollte diese – wie von den Kritikern erhofft – ergeben, dass die Ami-Siedlung unter Ensembleschutz zu stellen ist, dann müsste die komplette Planung neu aufgerollt werden, sagt Stangler.

